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Nahverkehr als Mobilitätsbremse: Wenn ältere Menschen im Kreis Stade auf den Bus angewiesen sind

Kritischer Blick auf den Fahrplan: Viele Buslinien im Landkreis fahren nur sporadisch
(jd). Wer aus Altersgründen nicht mehr Auto fahren kann oder will, wer zudem noch schlecht zu Fuß ist und obendrein auf dem platten Lande wohnt - der hat schlechte Karten, wenn er Ärzte oder Behörden aufsuchen will. Um den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Stade ist es vielerorts schlecht bestellt. In manchen Dörfern sind die Busverbindungen so schlecht getaktet, dass ältere Menschen auf Taxi oder Verwandte angewiesen sind, um Termine wahrnehmen zu können.

Vier Stunden vorher in Harsefeld in den Bus steigen müssen, um in Stade einen Termin wahrnehmen zu können: In diesem Fall von einer "Zumutung" zu sprechen, ist sicher nicht übertrieben. Doch das ist derzeit leider traurige Realität bei den Busverbindungen zwischen der größten ländlichen Kommune im Landkreis und der Kreisstadt - zumindest zu bestimmten Tageszeiten. Das WOCHENBLATT hatte vor einer Woche über den Fall eines älteren Ehepaares berichtet, dass an einem Vormittag einen Facharzt im Stader Elbe-Klinikum aufsuchen wollte. Der Termin in der Praxis war um 12 Uhr. Die Senioren hätten in Harsefeld den Bus um 8 Uhr nehmen müssen, um pünktlich zu sein. Schließlich nahmen sie den Zug über Buxtehude, was immer noch zwei Stunden dauerte.

Auf den Artikel gab es eine Reaktion von höherer Stelle: Per E-Mail meldete sich Dietmar Opalka, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachen (VNO), mit einem Dreizeiler, in dem er lapidar feststellte, der ganze Aufwand wäre für das ältere Ehepaar nicht nötig gewesen, wenn es denn nur ins Internet geschaut hätte: "Mit wenigen Klicks auf der Homepage des HVV" oder anderer regionaler Verkehrsunternehmen hätte die Online-Fahrplanauskunft bessere Busverbindungen angezeigt. Die Infos könnten sicher auch telefonisch erfragt werden, so Opalka.

Doch so einfach, wie der Nahverkehrsexperte es nahelegt, ist es bei genauerem Hinsehen dann doch nicht: Die von ihm genannte Linie 2332 des Busunternehmens Reese fährt nur an Schultagen. Zu dumm: Das Ehepaar hatte den Termin in den Ferien. An rund 15 Wochen im Jahr greift der Vorschlag daher nicht. Außerdem: Mehr als 50 Minuten Bus zu fahren auf einer Strecke, die man mit einem Auto in rund 20 Minuten zurücklegt, ist für Senioren nicht besonders komfortabel.

Und auch die Empfehlung, doch das Anruf-Sammeltaxi (AST) zu nehmen, funktioniert nur, wenn die Rente dafür reicht: Das von der Politik als Alternative zum normalen Busverkehr gepriesene AST ist nämlich wesentlich teurer als der Linienbus. Auf der Strecke Harsefeld-Stade ist der Preis unterschiedlich erheblich: Das ältere Ehepaar zahlt beim Bus oder bei der Bahn für eine Strecke zusammen 6,40 Euro. Beim AST wären das immerhin 22 Euro, also mehr als das Dreifache. Nicht jeder Rentner ist so gut betucht, das er sich das AST leisten kann.