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Tücher voller Symbolkraft

Pastor Detlef Beneke (li.) und Vizeküster Kurt Wardin zeigen die Ahlerstedter Antependien
 
Bunte Farbenpracht: Die Antependien sind vor dem Altar ausgebreitet
jd. Ahlerstedt. Bunte Altarbehänge als Ausdruck des Glaubens. Schwarz ist die Farbe der Trauer. Viele Menschen tragen schwarze Kleidung, wenn ein guter Freund oder ein naher Angehöriger verstorben ist. Auch die Christen trauern in diesen Tagen: um Jesus, der am Kreuz starb. In vielen Kirchen hängt daher jetzt ein schwarzes Tuch vor dem Altar. Altarbehänge in dieser Farbe werden gemäß der kirchlichen Liturgie außer bei Trauerfeiern nur an zwei Tagen im Jahr verwendet: am Karfreitag und Karsamstag.

Eine besonders eindringliche Symbolik besitzt das Exemplar, das in der Ahlerstedter Kirche hängt: Um ein Kreuz ist die Dornenkrone geflochten. Nach der Passionsgeschichte wurde Jesus die Krone aufs Haupt gesetzt, um ihn als "König der Juden" zu verspotten. Zu Ostern werden die Behänge für den Altar, die Kanzel und das Lesepult - im Kirchenjargon heißen sie Antependien - wieder gewechselt: Dann dominiert ein weißer Grundton auf den Tüchern. Gerade dieser Farbe kommt eine besondere Bedeutung zu.

"Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen" - diese Christus-Worte haben zu Ostern eine besondere Bedeutung: Durch die Auferstehung des Gottessohnes werden die Menschen aus der Dunkelheit, in die sie nach der Kreuzigung Jesu stürzten, wieder ans Licht des Glaubens geführt.

In der kirchlichen Liturgie spielen die Antependien und deren farbliche Gestaltung eine wichtige Rolle. Auch in der Ahlerstedter Kirche werden sie verwendet. Das WOCHENBLATT schaute sich die dortigen Antependien an.

"Wir haben Antependien in den vier liturgischen Grundfarben Weiß, Rot, Grün und Violett - jeweils im Dreierset für Altar, Pult und Kanzel", erläutert Pastor Detlef Beneke. Hinzu kommen Behänge in Schwarz, die Trauertagen wie dem Karfreitag vorbehalten sind. Solche Stoffe, die oftmals mit Motiven aus der Bibel versehen sind, seien seit Jahrhunderten als Kirchenschmuck in Gebrauch, so Beneke.

Gerade in früheren Zeiten, als viele Menschen nicht lesen konnten, seien solche Darstellungen verwendet worden, um den Gläubigen biblische Inhalte nahezubringen. "Das sind sozusagen mittelalterliche Comics mit christlichem Hintergrund", meint der Pastor augenzwinkernd. Es sei genau festgelegt, zu welchen Terminen im Kirchenjahr die einzelnen Antependien verwendet werden dürfen.

So sind weiße Antependien nur in den Zeiten rund um die hohen christlichen Feiertage Ostern und Weihnachten, bei denen Jesus im Mittelpunkt steht, in Gebrauch. Das weiße Tuch am Ahlerstedter Altar zeigt ein ganz altes kirchliches Symbol: das Christusmonogramm mit den griechischen Buchstaben Chi und Rho (X und P). In der Fasten- und Passionszeit, die jetzt endet, ist Violett vorgeschrieben: Die gedeckte, ruhige Farbe steht für den Übergang zwischen Tag und Nacht, Himmel und Erde. Sie soll den Gläubigen Kraft zur Buße und Besinnung geben.

Auf dem violetten Antependium ist ein Pelikan zu sehen, der sich mit dem Schnabel die Brust aufreißt, um seine Küken mit dem eigenen Blut zu füttern. "Dieses Bild stammt ausnahmsweise nicht aus der Bibel, sondern aus einer Sammlung von Tierbeschreibungen aus der Spätantike" sagt Beneke. Die Fütterung der Jungen mit hochgewürgten Fischen, deren Blut auf das Brustgefieder spritze, habe wohl zu dieser falschen Beobachtung geführt. "Seit Jahrhunderten ist der Pelikan ein Symbol für Christus, der sein Blut für die Menschen vergießt", erklärt der Pastor.

Nach Ostern stehen in allen evangelischen Gemeinden Konfirmationen an: Dann erfolgt erneut ein Wechsel der Antependien. Sie haben nun - wie auch zu Pfingsten - die Farbe Rot: "Rot symbolisiert das Feuer des Glaubens und steht für die Gemeinschaft der Kirche", so Beneke. Zu Pfingsten seien Flammen vom Himmel herabgeregnet, um die Menschen mit dem Heiligen Geist zu erfüllen. Dieses Glaubens-Feuer soll reinigen und andere anstecken.

An den übrigen Zeiten ist Grün die vorherrschende Farbe: "Grün ist das Leben und die Hoffnung", erklärt der Pastor. Das grüne Antependium hänge am längsten - und zwar in dem kompletten Zeitraum zwischen Pfingsten und Erntedankfest im Herbst. In dieser Zeit soll der Glauben reifen, wachsen und gedeihen - so wie die Früchte auf den Feldern.

Die Bitte des WOCHENBLATT, die christliche "Farbenlehre" ein wenig zu erläutern, will Pastor Beneke nun zum Anlass nehmen, das eine oder andere Antependium einmal im Rahmen eines Gottesdienstes vorzustellen: "Die Tücher hängen ganz selbstverständlich hier in der Kirche und werden wahrscheinlich gar nicht mehr bewusst wahrgenommen."