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Post in Hollenstedt schließt Ende September

Catrin Wedemeyer hat immer ein offenes Ohr für die Kunden
  bim. Hollenstedt. Minütlich strömen Kunden jeden Alters in die Post in Hollenstedt. Freundlich und geduldig werden sie von Inhaberin Catrin Wedemeyer und ihrer Mitarbeiterin bedient und beraten. Man merkt: Die Postfiliale ist im Estedorf unverzichtbar. Doch mit diesem Service könnte Ende September Schluss sein, wenn sich niemand findet, der den Servicebetrieb weiterführt. Denn Catrin Wedemeyer hat der Post gekündigt, nachdem der "gelbe Riese" ihr einen neuen Vertrag mit schlechteren Bedingungen vorgelegt hat.
Die 51-Jährige ist seit 24 Jahren selbstständig, zunächst ausschließlich mit einer Änderungsschneiderei und seit 14 Jahren zusätzlich mit der Post. Die sollte eigentlich nebenbei betrieben werden. Doch der große Kundenzuspruch erforderte schließlich Catrin Wedemeyers ganze Aufmerksamkeit.
"Immer wieder gab es einen neuen Vertrag, und die Vergütungen wurden immer weniger. Mir tut der Schritt auch weh. Aber irgendwann trägt sich das Geschäft nicht mehr", sagt Catrin Wedemeyer.
Ihre Einnahmen richten sich nach den Provisionen für den Verkauf von Briefmarken und Pack-Sets. Die wären mit dem neuen Vertrag niedriger ausgefallen. Für den Betrieb der Post-Bank habe es zuvor eine Pauschale gegeben, nun sollte je nach Transaktionen einzeln verrechnet werden.
"Ich darf Schreibwaren und Gutscheine zusätzlich verkaufen. Aber auch damit lassen sich die Kostenausfälle letztlich nicht kompensieren", sagt Catrin Wedemeyer.

Hollenstedts Samtgemeinde-Bürgermeister Heiner Albers hatte am Freitag der Vorwoche von der bevorstehenden Schließung erfahren. Umgehend richtete er am Montag ein Schreiben an die Post-AG mit der Frage, wie das Unternehmen seinen Versorgungsauftrag in der Samtgemeinde Hollenstedt mit über 11.000 Einwohnern ab dem 1. Oktober sicherstellen will.
Nachrichtlich hatte Heiner Albers das Schreiben auch u.a. an die Bundestagsabgeordneten Michael Grosse-Brömer (CDU) und Svenja Stadler (SPD) sowie an den Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke (CDU) geschickt.
Schönecke schrieb daraufhin am Mittwoch dem regionalen Politikbeauftragten Stephan Siekmann. Die regionalen Politikbeauftragten werden von der Post eingesetzt und stehen politischen Entscheidungsträgern für Fragen als Ansprechpartner zur postalischen Infrastruktur zur Verfügung.
"Für alle Bürger der Samtgemeinde Hollenstedt, aber ganz besonders für die ca. 150 Handwerksbetriebe und die ansässigen Betriebe in dem großen Gewerbegebiet ist es zwingend notwendig, die vollen Serviceleistungen einer Postfiliale zu erhalten. Es fehlt dann auf einer Fläche von 110 Quadratkilometern, halb so groß wie die Landeshauptstadt Hannover, an fachkompetenter Beratung und Dienstleistung. Besonders hart betroffen wären die Rentner, die ihre Konten bei der Postbank haben", schreibt Schönecke. Die Postfilialen im zehn Kilometer entfernten Tostedt oder im 18 Kilometer entfernten Buxtehude seien keine Alternativen.
Und weiter: "Sollte es sich bei der Schließung der Hollenstedter Filiale nur um eine Etappe auf dem Weg einer landesweiten Ausdünnung des gesamten Filialnetzes handeln, werde ich dazu einen Entschließungsantrag im Parlament initiieren."
Wer sich wie die Post-AG als Global Player verstehe dürfe sich im eigenen Land nicht aus der Verantwortung stehlen, so der CDU-Abgeordnete.

Auf WOCHENBLATT-Anfrage teilte die Post mit, dass das Unternehmen einen neuen Partner suche, der Post- und Postbankdienstleistungen im gleichen Umfang wie bisher anbieten wird. "Sobald wir einen Partner gefunden haben, alle Planungen abgeschlossen sind und der Vertrag unterzeichnet ist, wird die Kommune über den neuen Partner, Standort und Öffnungszeiten informieren", so die Post-Pressestelle.
Über weitere Serviceeinrichtungen können sich Kunden u.a. auch im Internet unter www.postfinder.de oder telefonisch unter 02284333111 informieren.