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Clement-Areal: Steuerzahler legen drauf!

Das Clement-Areal in Jesteburg: Das vordere Gebäude steht unter Denkmalschutz. Das hintere Wohnhaus wird abgerissen
 
Investor Hossein Salehmanesh will ein Restaurant und eine Markthalle bauen

Jesteburg: Denkmalgeschützte Immobilie wird am Ende aus der Gemeindekasse renoviert.



mum. Jesteburg. Wird das Clement-Areal - inzwischen auch bekannt als „Förster Hus“ - zum Steuergrab für die Gemeinde Jesteburg? Bereits Mitte September hatte das WOCHENBLATT über das etwa 5.400 Quadratmeter große Grundstück im Herzen des Dorfes kritisch berichtet. Für rund 1,1 Millionen Euro kaufte die Gemeinde das Areal an der Hauptstraße - warnende Stimmen schlugen die Politiker in den Wind.
Bislang gingen 1.500 Quadratmeter, bebaut mit einem denkmalgeschützten Haus, für 100.000 Euro an den örtlichen Investor Hossein Salehmanesh. Jetzt folgten weitere 600 Quadratmeter für 30.000 Euro. Das beschloss der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung des Jahres.
Und wie sieht es mit den Plänen des Investors Salehmanesh aus? „Sobald es grünes Licht gibt, kann ich anfangen“, so der Jesteburge, der sich mit Äußerungen in der Öffentlichkeit sehr zurückhält. Stets heißt es, er sei mit den zuständigen Behörden im Gespräch - inzwischen seit einem Jahr. Bislang bestätigte er nur, dass er im „Förster Hus“ ein kleines Restaurant eröffnen möchte. Zudem sollen Spezialitäten-Geschäfte in einer Art Markthalle ihren Platz finden.
Und hier liegt auch das Problem: Der Grenzabstand zwischen dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus und der geplanten neuen Markthalle ist nicht ausreichend. Weil das „Försters Hus“ ein Reetdach hat, sind dort 15 Meter Abstand erforderlich. Um die Salehmanesh-Pläne nicht zu gefährden, blieb nur der Verkauf an den Investor. Im Gegenzug baut Salehmanesh einen etwa 400 Quadratmeter großen öffentlichen Platz zwischen der Straße Zum Spritzenhaus und dem „Försters Hus“.
Als nächstes wird Salehmanesh das hinter dem „Försters Hus“ gelegene Wohnhaus abreißen lassen. Außerdem ist ein Bunker zu verfüllen und ein Erdöltank zu entsorgen. Inklusive der Vermessungskosten fallen allein dadurch für Salehmanesh noch einmal Kosten in Höhe von 45.000 bis 50.000 Euro an Kosten an, hat die Gemeindeverwaltung ausgerechnet.
Damit aus diesem Geschäft für Jesteburg tatsächlich noch eine gute Geldanlage wird und der Steuerzahler nicht zubuttern muss, müsste die Gemeinde die verbleibenden 3.300 Quadratmeter für ca. 900.000 Euro verkaufen. Das, so haben Immobilien-Experten errechnet, entspräche einem Preis von 270 Euro pro Quadratmeter und läge weit über dem Bodenrichtwert, der nach Auskunft von Experten bei knapp 190 Euro liegen dürfte.

Kommentar

Wahrlich großzügige Politiker
„So lange es nicht mein eigenes Geld ist, bin ich spendabel!“ Nach diesem Motto scheint in Jesteburg mancher Politiker zu handeln. Jahrelang hat sich kein Investor für das Clement-Areal gefunden. Ein denkmalgeschütztes Haus und eine schwierige Topografie sorgten dafür, dass seriöse Investoren Abstand nahmen. Doch dann kamen die Jesteburger Politiker und zahlten mehr als eine Million Euro.
Wer jetzt ein Déjà-vu hat, der dürfte das Kunsthaus vor Augen haben. Als der Eigentümer dieser Immobilie sie nach einigen wirtschaftlichen Flops abstoßen wollte, griff Jesteburg zu - für 365.000 Euro. Jetzt sollen weitere 70.000 Euro investiert werden, um das Gebäude behindertengerecht zu machen.
Den ehemaligen Grundstückseigentümern wird es in beiden Fällen gleich sein. Sie machten gute Geschäfte und erzielten deutlich mehr als auf dem freien Markt zu erwarteten gewesen wäre. Das gilt ganz besonders für das Clement-Areal.
Sascha Mummenhoff