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Das wird keine leichte Entscheidung

Um diese Fläche geht es: 10,56 Hektar sollen als neues Bebauungsgebiet mitten in Jesteburg ausgewiesen werden (Foto: google maps)
 
Hier herrscht Idylle: Hohe Bäume und ganz viel Grün prägen das Itzenbütteler KIrchfeld

In Jesteburg soll aus einer 10,56 Hektar-Wochenend-Siedlung ein neues Wohngebiet werden / Jetzt prallen Positionen aufeinander.

mum. Jesteburg. In der Haut der Jesteburger Politiker möchte in diesem Fall niemand stecken. Ganz gleich, wie sie im Fall der Neuaufstellung des Bebauungsplanes für das Itzenbütteler Kirchfeld entscheiden, eine Interessengruppe wird immer auf die Barrikaden gehen. Das wurde jetzt im Zuge einer Einwohnerversammlung im Heimathaus deutlich, bei der es zum Teil hitzig zuging. Im Gespräch ist die Zerstückelung eines 10,56 Hektar großen Areals. 125 neue Häuser könnten am Rande des Ortes entstehen. Vermutlich sind es deutlich mehr Wohneinheiten. Das WOCHENBLATT stellt die Maßnahme und die Positionen vor:
•Der Plan: In den 60er Jahren zog es zahlreiche Hamburger in Nordheide, um in den so genannten Wochenend-Siedlungen Ruhe und Entspannung zu finden. „So entstand auch das Areal rund um das Itzenbütteler Kirchfeld“, erzählt Jesteburgs Bauamtsleiter Thomas Burmester. Es geht im Nordwesten bis an die „Hof + Gut“-Weiden heran, im Südwesten bis an den Wald, im Südosten endet das Areal gegenüber der Einmündung zur Heidhöhe in die Itzenbütteler Straße. Betroffen sind etwa 25 Parteien (im Schnitt mit 6.000 Quadratmeter Grundstücken), die entweder eigene Flächen besitzen oder zur Erbpacht wohnen.
Wer in das Kirchfeld fährt, erlebt Ruhe pur. Hohe Bäume, kein Lärm - hier ist die Welt in Ordnung. Bereits seit 2009 schlummert in den Schubladen des Bauamts der Plan, aus der einstigen Wochenendhaus-Siedlung ein Neubaugebiet zu machen, und das Areal mit mehreren gepflasterten Straßen zu erschließen.
•Die Positionen:
• „Wir sind hierher gezogen, weil wir die Natur lieben“, sagte ein Anwohner während der Versammlung. Es sei ein Alptraum, wenn jetzt alle Bäume gerodet werden würden. „Dann sieht das hier aus, wie in jedem anderen Neubaugebiet.“ Mit allen Mitteln würde er versuchen, solche Pläne zu verhindern. „Ich habe gerade viel Geld in eine Bio-Klärgrube investiert und will nicht an den Kanal angeschlossen werden“, so ein anderer Anwohner. Ein Dritter fürchtet um die Wertminderung der Grundstücke, wenn Stichstraßen dicht an bestehende Häuser vorbei geführt werden. Andere denken, dass ihnen eine Enteignung droht. Ein Anwohner kritisierte, dass er zu zwei vorherigen Versammlungen nicht eingeladen wurde. „Wahrscheinlich schmeckt jemanden nicht meine Meinung.“
• „Wir sind alt und können uns einfach nicht mehr um das riesige Grundstück kümmern“, so eine ältere Dame. Ihr Wunsch: Das Grundstück teilen, damit ihre Söhne dort bauen können. Oder - auch das ist eine Idee - alles verkaufen und mit dem zu erwartenden Geldsegen sich einen guten Lebensabend in einer kleinen Wohnung gönnen.
• Und dann sind da noch die Spekulanten: Bislang wussten sie nichts mit dem Grundstück anzufangen; überließen es der Natur. „Ich sehe nichts falsches daran, aus einem großen Grundstück im Wert von 100.000 Euro sechs zu je 100.000 Euro zu machen“, bekennt ein Eigentümer nach der Versammlung ehrlich.
• Auf der Tagesordnung des Jesteburger Bauausschusses steht das Thema „Itzenbütteler Kirchfeld“ erst in der Sitzung am 13. März.

Kommentar:
Auch an die Verkehrsinfrastruktur denken
Immer neue Bebauungspläne, dazu immer stärkere Verdichtung in bisher locker bebauten Arealen - die Region wächst. Und niemand macht sich scheinbar Gedanken darüber, dass die Infrastruktur mitwachsen muss. Rund 125 neue Häuser, das können bis zu 250 Wohneinheiten sein - mit 500 zusätzlichen Autos. Und die sind unterwegs - ob nach Buchholz, Hanstedt oder Hamburg, die Straßen, auf denen die Autos in Jesteburg rollen, stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, das kleine Itzenbüttel und Reindorf bekommen immer mehr Durchgangsverkehr, dazu Engpässe im Jesteburger Ortskern und an der Buchholzer Canteleubrücke. Politiker, die ihren Job ernst nehmen, müssen derartiges bedenken. Sascha Mummenhoff