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Ein Museum mitten im Landschaftsschutzgebiet?

Das Porzellan-Museum soll in einem Niedersachsenhaus untergebracht werden (Foto: oh)
 
Diese Waldfläche würde den Museumsplänen zum Opfer fallen

Unternehmer-Familie plant Porzellan-Tempel zwischen Jesteburg und Bendestorf / Kritik von den Grünen.

mum. Jesteburg. Dieses Konzept wird in Jesteburg für Gesprächsstoff sorgen: Auf einem Grundstück an der Ecke Waldweg/Landesstraße 213 nahe des Lohofs will das Unternehmer-Ehepaar Sobottka ein Porzellan-Museum errichten. Die Pläne wurden jetzt im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur diskutiert. Das WOCHENBLATT stellte sie bereits am Freitag in seiner Online-Ausgabe vor.
Familie Sobottka verfügt offensichtlich über einen großen Fundus wertvoller Stücke. Jahrzehntelang führten sie am Lüneburger Tor in der Harburger Fußgängerzone ein Porzellan- und Haushaltswarengeschäft. Jetzt möchte das Ehepaar seine Sammlung der Öffentlichkeit auf Dauer zugänglich machen. Laut Verwaltungsunterlagen ist dazu die Aufstellung eines eingelagerten Niedersachsenhauses (12 mal 21 Meter) geplant. Darin sollen auf 240 Quadratmetern Fläche ein Ausstellungsraum, eine Hausmeisterwohnung und Kreativräume entstehen. In einem Anbau soll zudem ein Café eingerichtet werden. Eine Stiftung soll - so heißt es - später das Museum tragen.
Das Fachwerkbauernhaus stand bis vor einigen Jahren am Wümme-Ufer. "Gemäß einer Untersuchung wurde es kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet", heißt es in den Unterlagen. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung lief nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Das Haus stand unter Denkmalschutz, sollte aber auf Initiative des Deichverbandes abgerissen werden.
"Das Projekt ist sehr interessant und passt gut zu den Themen Kunst und Kultur in Bendestorf und Jesteburg", lautet die Empfehlung der Verwaltung. Die hochwertigen Stücke dürften ein Fachpublikum aus Deutschland und dem Europäischen Umfeld anziehen.
Allerdings: Nicht unproblematisch ist die Standortauswahl. Das Grundstück liegt im Außenbereich, im Landschaftsschutzgebiet und in einem Wald. In einem Beratungsgespräch beim Landkreis Harburg seien die Sobottkas sowohl seitens der Gemeinde als auch durch die Vertreter des Landkreises auf eine sehr schwierige und langjährige Planung hingewiesen worden. "Bereits während des Planungsverfahrens kann das Ergebnis auch lauten, dass eine Realisierung an dem Standort nicht möglich ist", heißt es seitens der Verwaltung. Auf jeden Fall sei mit einem Genehmigungsverfahren zu rechnen, das bis zu sechs Jahren dauern kann.
"Ich halte den Standort für denkbar ungeeignet", sagt Karl-Heinz Glaeser (Bündnis 90/Die Grünen). Die Fläche sei als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und zudem Wald. "Wir haben im Gemeinderat einen Kriterienkatalog aufgestellt, wonach diese Flächen geschützt werden sollen." Da könne man jetzt nicht mit Ausnahmen beginnen. Ob es generell einen Bedarf für so ein Museum gibt, könne er nicht beurteilen. "Die Museen haben sich verändert", gibt Glaeser zu bedenken. "Heute steht das Interaktive im Vordergrund." Er stimmte als einziges Ausschuss-Mitglied gegen die Pläne.
Trotz der Naturschutz-Problematik und Glaesers Appell kam das Projekt im Ausschuss gut an. Als nächstes wird sich der Bau-Ausschuss am Mittwoch, 29. Mai, mit dem Thema befassen. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im Heimathaus.