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Ein echter Typ sagt tschüss: Pastor Hans Dittmar geht in den Ruhestand

Geht in den Ruhestand und zieht von Neu Wulmstorf in die Elbmarsch: Pastor Hans Dittmar
 
Hans Dittmar gründete die Kinderkirche in Neu Wulmstorf
bc. Neu Wulmstorf. Der Wirbel um seine Person ist ihm unangenehm. Aber da muss er jetzt durch. Hans Dittmar (64) ist kein Lautsprecher, aber auch kein Mann der leisen Töne. "Ich konnte nie glauben, dass ich ein Pastor sein soll. Früher nicht und heute eigentlich auch nicht", gibt er zu. Und doch war er es knapp 40 Jahre lang, die letzten acht in der Lutherkirche in Neu Wulmstorf. Am Sonntag, 16. Juni, wird Hans Dittmar mit einem großen Gemeindefest in den Ruhestand verabschiedet. Los geht es um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche.

Hans Dittmars Wegbegleiter nennen ihn einen "Typen". Einen, der nicht als Weichspüler daherkommt. Einen, der die Konfrontation nicht scheut. Und einen, dem manches Gesagte im Nachhinein Leid tut: "Ich weiß, dass ich manche Gemeindemitglieder mit meiner liberalen Einstellung in ihrer Religiösität verletzt habe. Das schmerzt mich. Dafür möchte ich um Entschuldigung bitten."

All die Jahre ist Hans Dittmar nie den einfachsten Weg gegangen. Unkonventionell war schon seine Ausbildung Mitte der 1970er Jahre. Fast ein Jahr verbrachte er als Vikar im vom Bürgerkrieg gebeutelten Libanon. Da er nicht gerne fliegt, bretterte er mit seinem VW Käfer nach Beirut: 6.000 Kilometer, vier Tage lang. "Die Zeit im Libanon hat mich geprägt. Besonders die gemeinsamen Friedensgottesdienste. Ich habe viel Verständnis für islamische Gruppen entwickelt", erzählt Hans Dittmar.

Mehr als einmal hing sein Leben am seidenen Faden. An einem Checkpoint wurden er und seine Begleiter aus dem Auto gezerrt. "Ich als deutscher Protestant war mit einem islamischen Sunnit und einem libanesischen Christ unterwegs. Das konnten die nicht verstehen", erinnert er sich. Nur weil einer seiner Mitfahrer einen Kontrolleur kannte, konnte die brenzlige Situation entschärft werden.

Nach Jahren als Pfarrer in Athen, Freiburg/Elbe, Bremerhaven und Loxstedt zog es Hans Dittmar schließlich nach Neu Wulmstorf. "Ich konnte mir früher nie vorstellen, hier zu wohnen", grinst Hans Dittmar, "aber die Menschen sind wirklich nett."

Eine Erfahrung, die er nicht immer machen konnte. Nachdem seine erste Ehe scheiterte, fühlte er sich wie ein Aussätziger. Hans Dittmar musste die Gemeinde verlassen, wechselte Mitte der 1990er von Bremerhaven nach Loxstedt. Heute gehe die Kirche lockerer mit Scheidungen um, sagt Dittmar.

Im Mittelpunkt seines Schaffens als Pastor standen immer die Kinder. Hans Dittmar geht - die von ihm gegründete Kinderkirche in Neu Wulmstorf bleibt. "Die Kinder werde ich wirklich vermissen." Beerdigungen dagegen weniger. "Jede Trauerfeier frisst ein Teil von dir", gesteht er.

Das Pfarrhaus steht bereits leer. Hans Dittmar zieht es nach Drage in die Elbmarsch zu seiner neuen Ehefrau: Pastorin Ines Bauschke. Nicht nur deshalb wird man ihn auch weiterhin in der Kirche sehen: "Ich liebe Gottesdienste." Auch wenn man ihn dort nicht vor der Gemeinde stehen sieht, Hans Dittmars herzerfrischender Gesang ist nicht zu überhören.

- Im Zeichen der Musik steht das Gemeindefest der Neu Wulmstorfer Lutherkirche am Sonntag, 16. Juni. Beginn ist um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, in dem Pastor Hans Dittmar in den Ruhestand verabschiedet wird.
Danach beginnt ein buntes Programm für Jung und Alt mit vielen Aktionen wie Ponyreiten, Hüpfburg, Bagger, Cocktailbar und Flohmarkt.

Für Unterhaltung sorgen die Musikgruppen der Gemeinde: Der Kinderchor, die Band "Beat Box", das Kammerorchester Süderelbe, die Kontorei, der Posaunenchor und die Gospelgruppe "Joy'n'Music" treten auf.