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Famila-Ansiedlung auf dem Prüfstand

Das von der CDU in Auftrag gegebene Gutachten wurde jetzt in einer öffentlichen Fraktionssitzung vorgestellt: Gutachter Stefan Kruse (re.) neben Fraktionschef Malte Kanebley

Ergebnisse der Gutachten von CDU-Fraktion und der Gemeinde Neu Wulmstorf sind widersprüchlich/ Angst vor existenzbedrohender Kundenabwanderung


„Wo liegt die Wahrheit?“, fragt sich CDU-Fraktionschef Malte Kanebley angesichts der unterschiedlichen Ergebnisse zweier Gutachten zur Famila-Ansiedlung in Neu Wulmstorf, die vergangene Woche vorgestellt wurden. Die von der CDU in Auftrag gegebene „Städtebauliche Wirkungsanalyse“ des Dortmunder Planungsbüros „Junker+Kruse“ rät von einer Ansiedlung des Verbrauchermarktes ab und sieht für bereits bestehende Märkte eine teils sogar existenzbedrohende Kundenabwanderung. Das Verträglichkeitsgutachten der Hamburger Firma „Lademann & Partner“, die auf politischen Beschluss von der Gemeinde beauftragt wurde, kommt allerdings zu dem Schluss, dass eine Ansiedlung unproblematisch sei.

Der mit einer Größe von 3.300 Quadratmetern in die Lademann-Planung aufgenommene Famila-Markt sei ein Gewinn für die Gemeinde, so die beiden Projektleiter Halina Gebert und Boris Böhm während der Bauausschusssitzung am vergangenen Donnerstag, der anvisierte Standort an der Matthias-Claudius-Straße, dem ehemaligen Möbel Meyn-Gelände, werde dadurch attraktiver. Auch sei das Produktangebot im Nonfood-Bereich damit größer, wodurch sich der Abfluss der Kaufkraft aus Neu Wulmstorf wiederum verringere.
Für vorhandene Märkte sieht Lademann keine allzu großen Einbußen - auch nicht für den Edeka-Markt in Elstorf. Maximale 8,8 Prozent Umsatzeinbußen seien dort zu erwarten.

Doch auf diese Zahlen kommt Gutachter Stefan Kruse nicht: Gerade der Markt in Elstorf könne mit Einbrüchen von 18 bis 20 Prozent rechnen, ein existenzbedrohendes Ergebnis. Wie kann es trotz gleicher Ausgangszahlen zu zwei unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Während Kruse die Kaufkraft in Neu Wulmstorf als Ausgangsbasis nimmt, kommt für Lademann der größte Teil von außerhalb. Nicht mehr als zehn Prozent der vorhandenen Kaufkraft dürfte laut Rechtsprechung bei der Neu-Ansiedlung eines Verbrauchermarktes umverteilt werden. Da liegt das Lademann-Gutachten mit einem Ergebnis von 9,9 Prozent noch knapp im Rahmen.

Nicht ganz unerheblich ist auch das Verkehrsaufkommen, das durch Famila wachsen würde. Umbaumaßnahmen seien nicht erforderlich, ließ Fachbereichsleiter Thomas Saunus verlauten. Eine verbesserte Ampelsteuerung soll an der Kreuzung B73/Lilliencronstraße ausreichen.

Das sieht Frank Kockmann, Vorsitzender des Gewerbevereins Neu Wulmstorf, anders. „Täglich fahren mehr als 2.300 Fahrzeuge durch den Engpass Lilliencronstraße/B73. Wenn durch die Famila-Ansiedlung bis zu 1.000 Fahrzeuge pro Tag dazukommen, hat das auf den Verkehr massive Auswirkungen. Da hilft auch keine anders geschaltete Ampel“, so Kockmann. Der Vorsitzende findet keines der beiden Ergebnisse zu 100 Prozent überzeugend. „Ich halte beide Gutachten in Teilen für lückenhaft, zu wenig zukunftsorientiert“, sagt er. „Es wird so viel parallel gemacht. Meiner Meinung nach sollten alle Verantwortlichen an einem Tisch zusammenkommen.“

Bevor die Planung weitergeht, warten die Politiker der Gemeinde nun auf das Ergebnis des Verkehrsgutachtens, das voraussichtlich erst nach der Sommerpause vorgelegt wird.