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Ende einer Ära: Zum ersten Mal seit 54 Jahren kein Fleestedter Karneval

Waren immer ein Augenschmaus: die Auftritte der "Sexprallinen" hier gemeinsam mit den "Kellermeistern" (Foto: oh)
kb. Fleestedt. Büttenreden und Funkengarde, Männerballett und "Kellermeister", bunte Clowns und "Knallbonbons": Viele Karnevalfans in der Region werden sich auch in diesem Jahr auf den Fleestedter Karneval gefreut haben. Doch die Traditionsveranstaltung, die über 50 Jahre lang Tausende Besucher begeisterte, findet in diesem Jahr nicht statt. "Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht", so Bernd Mentzel, Pressewart des Gesangsvereins "Sängerlust" Fleestedt, der den Karneval seit 1960 gemeinsam mit dem Frauenchor Fleestedt ausrichtet. "Die Kosten konnten am Ende nicht mehr durch die Eintrittserlöse aufgefangen werden", so Mentzel. "Wir mussten die Reißleine ziehen."
Der Fleestedter Karneval begann 1960 als "Bunter Abend" mit karnevalistischen Einlagen im Gasthof "Zu den 8 Linden" in Fleestedt. Im Saal von Wirt Erni Meyer drängten sich die Besucher. Wer einen Platz am Kanonenofen erwischte, geriet schnell ins Schwitzen, am anderen Ende des Saales wurde gefroren und die Bedienungen hatten es schwer, sich ihren Weg durch die Massen zu bahnen. Schon zum dritten Karneval kamen rund 600 Gäste und der Saal quoll über. Die Sitzplätze reichten nicht aus, die Getränke waren am Ende des Abends fast ausverkauft.
In den folgenden Jahren infizierten sich immer mehr Sängerinnen und Sänger der Fleestedter Chöre mit dem Karnevalsvirus. Zwei bis drei Monate vor der Veranstaltung begannen die Proben und die Arbeiten an den Requisiten, die den eigentlichen Chorbetrieb so gut wie lahm legten. Ab der Karnevalssaison 1974 gab es schon drei Veranstaltungen. Wegen der großen Nachfrage zogen die Narren 1993 in die "Burg Seevetal" nach Hittfeld um. Hier gab es nicht nur mehr Platz für Zuschauer und Akteure, sondern auch ganz neue Möglichkeiten für die Licht- und Tontechnik. Auftritte der "Kellermeister" und "Badenixen", das "Zwiegespräch" oder die Tanzeinlagen der Funkengarde begeisterten die Besucher. Alle Programmpunkte wurden von Mitgliedern der Chöre und der Karnevalsgruppe selbst gestaltet.
"Leider ließ das Publikumsinteresse langsam nach", erzählt Bernd Mentzel. Um eine jüngere Zielgruppe anzusprechen, wurde die Faschingsparty "Lilaflee" eingeführt, vor zwei Jahren fand zum ersten Mal der "Family-Day" am Sonntagnachmittag statt. Trotz aller Bemühungen - die Zahlen stimmten einfach nicht. "Der Trend war einfach vorbei", so Mentzel. Also traf der Gesangsverein in diesem Jahr die bittere Entscheidung, den Karneval nicht mehr zu veranstalten. Ein Aus für immer müsse das aber nicht bedeuten, sagt Mentzel. "Wir wollen den Karneval nicht für alle Zeiten begraben, vielleicht machen wir noch einmal was ganz Neues."