Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Lärmschutz für über 650 Haushalte: Bund investiert 5 Millionen Euro in Seevetal

Im Verlauf der Bahnstrecke Hamburg/Bremen (schwarz markiert) sollen acht Lärmschutzwände (rot markiert) gebaut werden. Hinzu kommt passiver Lärmschutz für 222 Haushalte (Foto: Grafik MSR)
Besserer Lärmschutz ja, aber längst nicht für alle: Das gilt für die Maßnahme der Deutschen Bahn (DB) an der Strecke Bremen/Hamburg in Seevetal. Am vergangenen Montag präsentierte Gerhard Warnke, Projektleiter der DB-Projektbau, auf der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses die vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen für die Gemeinde. Über 650 Haushalte in Emmeldorf, Fleestedt, Glüsingen und Meckelfeld werden von der Lärmsanierung, die vom Bund finanziert wird, profitieren - wenn denn alle aktiven und passiven Lärmschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Doch viele Häuser und Wohnungen werden auch nicht berücksichtigt - weil sie schlicht zu spät erbaut wurden.
Grundsätzlich ist das Lärmsanierungsprogramm des Bundes eine freiwillige Maßnahme. Seit 2007 stehen hierfür jährlich 100 Millionen Euro zur Verfügung, im kommenden Jahr soll diese Summe sogar auf 120 Millionen Euro aufgestockt werden. Bundesweit herrscht in ca. 3.517 Ortschaften Sanierungsbedarf. Die Maßnahmen umfassen aktiven Lärmschutz (z. B. Lärmschutzwände, Entdröhnungsmaßnahmen an Brückenbauwerken) und passiven Lärmschutz an Gebäuden (Fenster, Türen; Lüftungsanlagen, Rolllädenkästen etc.). Während die Kosten für aktiven Lärmschutz voll von der Förderung übernommen werden, werden die passiven Maßnahmen zu 75 Prozent vom Bund und 25 Prozent von den Hauseigentümern getragen.
Wer kommt in den Genuss des Lärmschutzes? Berücksichtigt werden nicht gewerblich genutzte Gebäude, die vor dem 1. April 1974 erbaut worden sind und bei denen die Sanierungsgrenzwerte (70 db/A am Tag und 60 dB/A in der Nacht) überschritten werden. Ob dies der Fall ist, wird nicht etwa gemessen, sondern errrechnet. Und zwar auf Grundlage einer Verkehrsprognose für 2025 - in der für Seevetal die mögliche Y-Trasse berücksichtigt werden muss. Das ist ein Vorteil für die Gemeinde: Da der Güterverkehr durch die Trasse erheblich zunehmen könnte (286 Züge am Tag), erhalten jetzt weit mehr Haushalte Lärmschutz, als es bei einer Prognose ohne Y-Trasse oder beim jetzigen Stand (160 Züge am Tag) der Fall gewesen wäre.
Was ist geplant? In Seevetal könnten acht neue Lärmschutzwände in einer Länge zwischen 140 Metern und 1,2 Kilometern gebaut werden. Zusätzlich erhalten 222 Haushalte Anspruch auf passiven Lärmschutz. Die Kosten für die Lärmschutzwände liegen bei geschätzten 5 Millionen Euro, die Kosten für die passiven Maßnahmen im Rahmen von etwa 100.000 und 200.000 Euro. Wichtig: Niemand muss passive Lärmschutzmaßnahmen an seinem Haus durchführen lassen, die Entscheidung liegt bei den Eigentümern, die in Kürze von der DB angeschrieben werden.
Wann geht es los? Die ersten Lärmschutzwände sollen Anfang 2016 errichtet werden, die letzten im Bereich Meckelfeld in 2017. Für den passiven Lärmschutz gilt: Wenn die Hauseigentümer den Lärmschutz wollen, wird für jedes betroffene Haus oder Wohnung ein eigenes, für die Eigentümer kostenloses, Schallgutachten erstellt. Dann werden Ausschreibungen gemacht. Beauftragt wird die Maßnahme letztlich durch den Eigentümer, auch wenn der Bund den Großteil der Kosten trägt.
Projektleiter Gerhard Warnke versicherte auf Nachfrage aus der Seevetaler Verwaltung, dass die Mittel für Seevetal in jedem Fall pünktlich zur Verfügung stehen. "Die kommen, wenn wir sie beantragen", so Warnke. Wenig Hoffnungen auf aktiven Lärmschutz machte er den Anwohnern in der Maschener und Horster Heide, die vom Lärm der Güterumgehungsbahn betroffen sind. "Das Schallgutachten läuft, aber hier sind eher passive Maßnahmen denkbar", so Warnke. Immerhin: Bis zum Jahr 2025 sollen 90 Prozent aller Güterzüge umgerüstet und damit deutlich leiser werden.