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Lindhorster Heide: Dauerhaftes Wohnen verboten / "Man fühlt sich veralbert"

Kann das Vorgehen der Gemeinde nicht nachvollziehen: Willy Klingenberg vor einem der vielen Häuser in der Lindhorster Heide
kb. Lindhorst. "Hier drängt man die Leute weg und wenige Kilometer weiter werden neue Wohngebiete entwickelt - das macht doch keinen Sinn", sagt Willy Klingenberg. Das Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative Natur und Wohnen in Seevetal lebt seit 1987 in seinem Haus in der Lindhorster Heide. Jetzt wird er wohl zumindest offiziell seinen Erstwohnsitz ummelden müssen. Nach dem Sieg der Gemeinde vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg über eine Handvoll Anwohner, die gegen den neuen Bebauungsplan für das Gebiet geklagt hatten, ist dauerhaftes Wohnen in der Lindhorster Heide nicht gestattet - mit Ausnahme von sechs genehmigten Wohnhäusern. Viele der Anwohner fürchten nun um ihre Existenz, haben Angst, dass sie ihre Häuser zurückbauen müssen. Und das, nachdem die Gemeinde das Dauerwohnen jahrzehntelang stillschweigend geduldet hat. "Es war nie ein Problem, hier seinen Erstwohnsitz anzumelden", erzählt Willy Klingenberg, der für die Freie Wähler im Gemeinderat sitzt. "Man fühlt sich irgendwie veralbert."
Die ersten Wochenendhäuser in dem Waldgebiet zwischen Klecken und Helmstorf entstanden in den Zwanzigerjahren. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich dort zahlreiche Flüchtlinge nieder und bauten kleine Häuser. Ende der 1970er Jahre legte die Gemeinde für einen Teil des Gebietes die maximale Größe von 50 Quadratmeter für die Häuser fest, duldete aber auch in den kommenden Jahrzehnten die Dauerwohnnutzung stillschweigend.
"Als Wochenenddomizil werden die Häuser hier schon länger nicht mehr genutzt", sagt dazu Willy Klingenberg. Er schätzt, dass rund 80 Prozent der Gebäude dauerhaft bewohnt sind. Laut Bestandsaufnahme der Gemeinde befinden sich in dem Gebiet 176 Wochenendhäuser mit durchschnittlich 69 Quadratmeter sowie 604 Nebengebäude und nur sechs genehmigte Wohnhäuser.
In einer Stellungnahme der Gemeinde Seevetal zum Urteil des OVG heißt es, man wolle sich für sozialverträgliche Lösungen einsetzen. Es sei in dem Gebiet nie geplant gewesen, wohngebietsähnliche Zustände zu entwickeln, die Wochenendhäuser dürften, wenn sie genehmigt sind, als solche genutzt werden.
Willy Klingenberg fragt sich, wie die Gemeinde das kontrollieren will: "Viele Anwohner werden sich jetzt wegmelden, aber wer will ihnen denn nachweisen, wie viele Monate im Jahr sie sich in ihren Häusern aufhalten?" Für die Gemeinde sei es zudem finanzpolitisch sehr bedenklich, dass die Einkommenssteuer aus dem Gebiet wegfielen. "Bei der angespannten Haushaltslage ist es erstaunlich, dass auf diese Einnahmen verzichtet wird", so Klingenberg. Seiner Ansicht nach, hätte sich die Gemeinde auch an dem Leitfaden orientieren können, der vor Jahren vom Landtag, Landkreis und den Naturschutzverbänden eigens für solche Fälle entwickelt und in zahlreichen anderen Gebieten bereits erfolgreich angewendet worden sei.
Wie es konkret für die Anwohner in der Lindhorster Heide weitergeht, ist unklar. Laut Gemeinde will man sich um Einzelfalllösungen bemühen.