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Muss man mit 75 ins Heim? Unglaublich: Seniorin auf Wohnungssuche bekommt Absage, weil sie zu alt ist

Dorothea Hennemann mit dem Schreiben, das sie fassungslos macht
kb. Fleestedt. Inzwischen ist ihr Kampfgeist zurückgekehrt, aber im ersten Moment war Dorothea Hennemann einfach geschockt: Weil sie bis zum Jahresende aus ihrer Wohnung ausziehen muss, da das Haus verkauft wird, ist die 82-Jährige gerade auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Ein geeignetes Objekt in Meckelfeld hatte sie schon gefunden. Zwei Zimmer, 53 Quadratmeter mit Balkon, zentral gelegen, bezahlbar. Also bewarb sich die Seniorin bei der Hamburger Grundstücksgesellschaft Powalla um die Wohnung - und bekam eine Absage, die sich gewaschen hat. In dem Schreiben heißt es, der Wohnungseigentümer habe sich gegen sie als Mieterin entschieden. "Grund hierfür ist ihr fortgeschrittenes Alter, die Altersgrenze für eine Neuvermietung liegt bei 75 Jahren."
"Ich hatte sofort den Gedanken an unwertes Leben im Kopf und war darüber selbst erschrocken", sagt Dorothea Hennemann. Sie kann die Begründung für die Absage noch immer nicht fassen. Die aktive Rentnerin, die sich im Präventionsrat engagiert, viel Rad fährt und gern im Garten arbeitet, hatte ihre Unterlagen extra persönlich bei der Grundstücksgesellschaft in Hamburg abgegeben, "damit die sehen, dass ich noch fit bin." Nachdem der erste Schreck über die Absage verdaut war, rief sie noch einmal bei Powalla an. "Der Dame am Telefon war das spürbar unangenehm, sie druckste herum", beschreibt die Dorothea Hennemann das Gespräch. Gleichzeitig habe die Frau ihr aber deutlich zu verstehen gegeben, dass es sinnlos sei, sich weiter um die Wohnung zu bemühen.
Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes, ist erstaunt über das Vorgehen der Grundstücksgesellschaft. "So etwas höre ich zum ersten Mal", so Ropertz. "Das ist wirklich unglaublich und diskriminiert einen Großteil der Mitbürger", so der Experte. Für Dorothea Hennemann ist das Maß voll. "Ich kann mich ja noch wehren, aber viele Ältere können das nicht", sagt die Seniorin. Klagen will sie dennoch nicht: "Selbst wenn ich Erfolg hätte, wer weiß, ob denen dann nichts anderes einfällt, mich aus der Wohnung zu kriegen."
Also heißt es für Dorothea Hennemann weitersuchen. "Ich würde gerne in Fleestedt oder Meckelfeld bleiben", sagt sie. Also, wer eine kleine, nicht allzu teure Wohnung hat und eine ruhige, ordentliche Mieterin sucht, die keine wilden Partys mehr feiert...

Kommentar:

Wer eine Wohnung sucht, sollte sich gut vorbereiten. Am besten, man gibt die Kinder ins Heim, setzt eventuelle Haustiere fix aus, frisiert seine Gehaltsabrechnung und leugnet in jedem Fall, jemals irgendeine Art von Musikinstrument gespielt zu haben. Wenn man dann noch adrett gekleidet, zwischen 35 und 75 und entweder allein oder in einer nachweislich außerordentlich stabilen Beziehung lebend ist, sehen die Chancen nicht schlecht aus. Ansonsten: Pech gehabt. Es ist eine absolute Frechheit, mit welcher Begründung Dorothea Hennemann vom Wohnungseigentümer abgespeist wird. Geht es darum, dass Frau Hennemann in ihrem Alter nicht auf die nächsten 20 Jahre Miete garantiert? Oder ist man mit Eintritt ins 76. Lebensjahr automatisch dement, tendiert zum Messietum oder zeigt Verwahrlosungstendenzen? Man kann nur hoffen, dass dieses Verhalten eine traurige Ausnahme bleibt. Katja Bendig