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Niedliche Nervensägen: Welpen brauchen Regeln

Jana Rätke mit ihrem Hund Matti, der als Welpe auch nicht immer ein Engel war
kb. Seevetal. Große dunkle Knopfaugen, samtweiches Fell, kleine dicke Pfoten: Beim Anblick von Hundewelpen geraten die meisten Menschen in Verzückung. Konsequent zu bleiben, wenn solch ein kleines Fellknäuel in die Familie kommt und erst einmal seine Grenzen austesten will, fällt daher vielen Hundebesitzern schwer. Das weiß Jana Rätke (32), freie Journalistin und Hundetrainerin aus Seevetal, aus eigener wie auch aus beruflicher Erfahrung. Sie sagt dennoch ganz klar: "Schon Welpen brauchen Regeln."
Gemeinsam mit Psychologin Barbara Perfahl hat Jana Rätke das Buch "Abenteuer Welpe" geschrieben, das vor Kurzem erschienen ist. Auslöser waren die Hundebesitzer, denen sie bei ihrer Arbeit als Hundetrainerin begegnete. "Welpen bringen ihre Herrchen und Frauchen teilweise wirklich zur Verzweiflung. Drei Tage lang sind sie unheimlich süß und dann machen sie zum ersten Mal die Schuhe kaputt oder weigern sich beharrlich, Gassi zu gehen", sagt Rätke. "Die Besitzer fragen sich dann sofort, was sie falsch gemacht haben, fürchten die Zuneigung des Hundes zu verlieren, wenn sie Strenge zeigen." Unbegründet: "Klar - Welpen sind wahnsinnig niedlich, aber die Mutterhündin sitzt auch nicht den ganzen Tag versonnen neben ihrem Wurf und betrachtet verzaubert ihren Nachwuchs, sondern zeigt, wo es lang geht", sagt die Expertin. Sie weiß: "Wenn der Mensch keine Regeln aufstellt, macht der Hund selber welche." Das mag als kleiner, flauschiger Welpe noch ganz niedlich sein - spätestens wenn man einen ausgewachsenen Hund zu Hause hat, wird das aber zu einem ernsthaften Problem.
Jana Rätke setzt auf gewaltfreie Hundeerziehung, rät dazu, die Körpersprache des Hundes lesen zu lernen. "Es ist sehr viel einfacher, wenn ich eine Ahnung davon habe, was mein Hund wirklich meint, als wenn ich ständig irgendwas in das Verhalten hinein interpretiere", sagt sie. Ein Beispiel sei das Schwanzwedel - weithin bekannt als Ausdruck der Freude. "Im Grunde ist dieses verhalten aber nur ein Zeichen für Erregung, die positiv, aber auch negativ sein kann", so die Hundekennerin.
Probleme bei der Welpenerziehung entstehen bei Weitem nicht nur durch das Verhalten des Hundes selbst. "Es gibt viel Konfliktpotenzial", sagt Rätke. Paare seien sich beispielsweise uneinig, was der Hund dürfen oder leisten solle und was nicht. Nicht selten würden sich auch Außenstehende in die Hundeerziehung einmischen.
Einigen Problemen kann man schon vor der Anschaffung eines kleinen Hundes vorbeugen. "Zukünftige Hundebesitzer sollten sich ganz genau überlegen, welche Erwartungen sie an das Tier haben und dann eine Rasse wählen, die zur Lebenssituation und zu den eigenen Bedürfnissen passt", sagt Jana Rätke.
Wichtig ist ihr: "Kein Hund ist wie der andere. Es gibt kein Patentrezept". Ihr Buch richtet sich vor allem an künftige und frischgebackene Hundebesitzer, aber auch an Menschen, die schon länger einen Hund haben. "Es kann auch hilfreich sein, Situationen im Nachhinein zu verstehen", sagt sie. Übrigens: Jana Rätke bietet jeden ersten Samstag im Monat von 14 bis 15 Uhr eine kostenlose Welpen-Sprechstunde bei Bellandris Matthies in Hittfeld an. Interessierte Hundebesitzer kommen einfach in die Zoo-Abteilung.
• Das Buch "Abenteuer Welpe" ist bei Kynos erschienen und ist für 19.95 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3954641321). Infos auch auf: http://der-lieblingshund.de .