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Der Schritt ins Ungewisse

Romantik pur! Kanada von seiner schönsten Seite kennt Gerold alias Gary Plaster auch nur von Urlaubstrips und Ausflügen (Foto: Gerold Plaster)
bc. Stade. Kristallklare Seen, endlose Weiten, das Land der Bären: Kanadas Image zieht viele Auswanderer magisch an. Die Nordamerikaner gelten als weltoffen, liberal und friedfertig. Gerold Plaster (52), aufgewachsen in einem Kinderheim in Stade, folgte diesem Ruf. Seit zwölf Jahren lebt der Niedersachse in Übersee. Den Schritt über den großen Teich hat er nie bereut - selbst wenn sein Leben dort nichts mit kanadischer Holzfäller-Romantik zu tun hat.

Am Samstag, 28. Februar, zeigt Gerold Plaster einen Foto- und Filmvortrag in Stade (Pastor-Behrens-Haus, Ritterstr. 15) über seine neue Heimat. "Ich werde von zahlreichen Roadtrips von der Ost- bis zur Westküste berichten", sagt der gelernte Raumausstatter.

Gerold Plaster und seine deutsche Ehefrau Mareile - oder wie sie sich in Kanada nennen, Gary und Mary (kein Scherz) - wären 2002 ein klassischer Fall für Auswanderer-Reportagen in deutschen Privatsendern gewesen. Gerold sprach praktisch kein Wort Englisch, eine konkrete Vorstellung von der beruflichen Zukunft hatte er auch nicht, trotzdem wagten er und Mareile das Abenteuer.

Freunde, die sie aus Urlauben in Kanada kannten, halfen dem Ehepaar. Mit zwei Koffern in der Hand standen sie schließlich am Flughafen von Toronto. Ihre Habseligkeiten lagerten sie in Deutschland ein. Gerold konnte dank seiner handwerklichen Fähigkeiten auf dem Bau arbeiten, Mareile jobbte als Bedienung in einer Bar. Ihre in einem Schüleraustausch erworbenen Englisch-Kenntnisse halfen ihr dabei.

Unterschlupf fanden die beiden in einer Wohnung in der Millionen-Metropole Toronto. Nichts mit Blick auf kristallklares Wasser, kein Stelldichein mit einer Bären-Familie in unberührter Natur.

Gerold bildete sich weiter, arbeitet mittlerweile selbstständig als "Allround-Fachmann" auf dem Bau. "Am Anfang haben sie mich dort wegen meiner Sprachkenntnisse ausgelacht. Jetzt lacht keiner mehr. Durch Zeitunglesen und Fernsehgucken habe ich mir die englische Sprache beigebracht", erzählt Gerold.

Auch Mareile hat sich hochgearbeitet, führt jetzt als Direktorin ein Hotel. Die Eheleute leben seit zehn Jahren in Geulph, einer 120.000-Einwohner-Stadt eine Autostunde entfernt von Toronto. Sie haben ein Häuschen in einer Siedlung gemietet. Auch hier gibt es weder See noch Bären. Und trotzdem fühlen sie sich pudelwohl.

"Die Lebensqualität in Kanada ist mit Deutschland nicht zu vergleichen. Es ist ein anderes Gefühl der Freiheit", sagt Gerold.

Ein Todesfall in der Familie hat das Ehepaar vor einem Jahr vorübergehend nach Stade zurückgeführt. Das Haus in Geulph haben sie noch. Im Sommer wollen sie zurück in ihr geliebtes Kanada.

• Der Vortrag beginnt um 15 Uhr. Eintritt: 8 Euro, Kontakt: 0152-53845878