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Präsident der Bundesärztekammer fordert bessere Bedingungen für Hausärzte

Fordert bessere Bedingungen für Hausärzte: Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery äußert sich auch zur Termingarantie für gesetzlich Versicherte

lt. Stade. Für seine Aussage, dass in der Vergangenheit zuviel an den Hausärzten gespart wurde, erhielt Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und Präsident der Ärztekammer Hamburg, jetzt große Zustimmung von den Gästen des Neujahrsempfangs der Ärztekammer Niedersachsen und der Kassenärztlichen Vereinigung in Stade.
"Wie brauchen mehr Allgemeinmediziner, damit sie auch in der Fläche auftauchen", so Montgomery. Vor allem müssten Hausärzte besser bezahlt und ihre Arbeitsbedingungen besser gestaltet werden. "Wer Erdnüsse auslegt, muss sich nicht wundern, wenn nur Affen kommen", so Montgomery.
Den Ansatz von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), jungen Leuten, die sich verpflichten, eine Praxis im ländlichen Raum zu übernehmen, den Zugang zum Studium zu erleichtern, hält Montgomery allerdings für fragwürdig. Das Problem sei, dass die Umsetzung des Vorstoßes rund zwei bis drei Jahre dauern würde. Rechne man die Studiendauer und die Dauer der Weiterbildung der angehenden Hausärzte dazu, würden Ergebnisse erst in 15 bis 16 Jahren spürbar.
Montgomery äußerte sich auch zu der im Koalitionsvertrag festgehaltenen Termingarantie für gesetzlich Versicherte. Bekommen Patienten künftig innerhalb von vier Wochen keinen Facharzttermin, sollen sie zur Behandlung ins Krankenhaus gehen können.
Montgomery sprach sich dagegen für die Einführung einer „Dringlichen Überweisung“ aus, damit Hausärzte ihre Kassenpatienten schnell zu einem Facharzt vermitteln können. Schon jetzt sei es die Regel, dass Patienten sofort einen Termin bei einem Facharzt erhalten, wenn ein konkreter Hinweis vom Hausarzt vorliege, so Montgomery.
Positiv bewertet der Präsident der Bundesärztekammer, dass im Koalitionsvertrag keine Rede davon ist, die private Krankenversicherung abzuschaffen. Die hohe Qualität der Patientenversorgung sei ohne die Konkurrenz-Situation der gesetzlichen zu den privaten Krankenkassen gar nicht möglich, so Montgomery.
Zum Abschluss der Veranstaltung ehrte Dr. med. Stephan Brune, Vorsitzender des Bezirksausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, die Kinderärztin Dr. med. Erika Hussmann, die inzwischen seit 40 Jahren ihre Praxis in Drochtersen betreibt. Menschen wie sie würden einen großen Teil dazu beitragen, das Image des Hausarztes positiv zu beeinflussen, so Brune.
Er äußerte sich zudem zum drohenden Aus des kinderärztlichen Notdienstes, der seit neun Jahren in Stade angeboten wird. Es würden derzeit konstruktive Gespräche geführt und er sei sicher, dass eine Lösung gefunden werde, den Notdienst aufrecht zu erhalten, so Brune. Grund für das drohende Aus ist eine von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen angekündigte Reform aller fachärztlichen Bereitschaftsdienste im Land.