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Wann wird's mal wieder richtig Winter?

Der Turm von St. Cosmae in Stade im Schnee: Das ist gerade zu Weihnachten eine Seltenheit
Weiße Weihnachten sind heute selten - und waren es früher auch schon

(jd).Früher war bekanntlich alles besser: Die Preise waren niedriger, die Sommer wärmer und die Winter kälter - und zu Weihnachten lag immer Schnee. Das werden wohl auch diesmal Oma und Opa den Enkelkindern erzählen, wenn sich die Familie um den Festtagsbraten versammelt. Bereits 1975 goss der Fernseh-Entertainer Rudi Carrell die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, in der das Wetter noch das machte, was sollte, in den Ohrwurm "Wann wird's mal wieder richtig Sommer?". Passend zur Jahreszeit lässt sich nun die Frage stellen: Wann wird's mal wieder richtig Winter? Zu den Feiertagen jedenfalls nicht, so der Deutsche Wetterdienst (DWD). Dort fragte das WOCHENBLATT nach, was es mit dem Mythos "weiße Weihnachten" auf sich hat.

"Auch früher war Weihnachten nicht weißer als heutzutage", sagt DWD-Pressesprecher Andreas Friedrich. Er hat gerade den Videoclip abgedreht, in dem die "Wetterfrösche" aus Offenbach in den sozialen Medien eine traurige Botschaft verkünden: Der Traum vom weißen Winterwunderland zu Weihnachten fällt auch in diesem Jahr ins Wasser - zumindest was den hohen Norden betrifft. Wer an den Feiertagen durch Schnee stapfen will, muss schon in den Oberharz fahren. Aber auch dort taut es.

Weiße Flöckchen werden zu Weihnachten allenfalls in den Alpen vom Himmel rieseln, ansonsten herrscht in ganz Deutschland Schmuddelwetter. "An der Nordseeküste liegt die Chance auf weiße Weihnachten gerade mal bei zehn Prozent", sagt Friedrich: "Dieser Wert ist seit Jahrzehnten konstant."

Der Wetterexperte hat sich die Statistik angeschaut. Das Ergebnis: In unserer Region fiel in den vergangenen 50 Jahren lediglich sieben Mal Schnee zu Heiligabend - bezieht man die beiden Weihnachtstage mit ein, sind es elf Mal. Die meisten Flocken fielen in diesem Zeitraum in den Jahren 2010 (20 cm Neuschnee), 1981 (11 cm) und 2009 (6 cm).

Laut Friedrich sind die Geschichten von Leuten, die sich an alljährlich wiederkehrende weiße Weihnachten zu ihren Kindheitstagen erinnern wollen, nichts anderes als ein "Weihnachtsmärchen". Das hänge wohl mit dem sogenannten selektiven Gedächtnis zusammen: Die Menschen würden sich an bestimmte Ereignisse wie Schneefall zu Heiligabend besonders gut erinnern und das dann verallgemeinern, so der Wettermann: "Die Wahrscheinlichkeit, dass es im Norden an den Feiertagen schneit, ist heute so gering wie schon vor einem halben Jahrhundert."