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Landgericht Stade: Die "Durststrecke" ist überwunden

Hat große Pläne mit der ehemaligen Justizvollzugsanstalt: Landgerichtspräsident Carl-Fritz Fitting
lt. Stade. Große Pläne hat Carl-Fritz Fitting, Präsident des Landgerichts Stade, mit dem ehemaligen JVA-Gebäude direkt neben dem Landgericht. Wie berichtet, steht das Gebäude leer, seit die Insassen in die neue JVA in Bremervörde verlegt wurden.
Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten im Verwaltungstrakt beginnen. Hier sollen künftig Mediationen stattfinden und vielleicht sogar eine Art Bürgerbüro eingerichtet werden, sagte Fitting jetzt bei der Vorstellung des Jahresberichts des Landgerichts. Die Kosten für die Baumaßnahme belaufen sich auf rund 190.000 Euro.
In einem zweiten Schritt sollen zwei neue Sitzungssäle direkt unter dem Schwurgerichtssaal gebaut werden. Da das allerdings mehr als 500.000 Euro kosten würde, sei nicht sicher, wann diese Maßnahme realisiert werden könne, so Fitting. Das hänge von den Mitteln ab, die das Finanzministerium zur Verfügung stellen könne.
In der ehemaligen JVA bleiben etwa zehn Zellen erhalten, in denen in Zukunft Angeklagte während einer Prozesspause untergebracht werden können. Außerdem stehen Räume für Abschiebehäftlinge zur Verfügung. Ein Teil des Gebäudes wird als Aktenlager genutzt.
Noch in diesem Jahr soll der Schwurgerichtssaal sicherer gemacht werden. Eine neue Sicherheitswand wurde bereits in Auftrag gegeben, so Fitting. Den Ausschlag hatte eine Verhandlung im Bereich organisierte Kriminalität im vergangen Jahr gegeben, bei der es unter den Zuschauern zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Der Prozess wird seitdem in Celle fortgeführt, weil es dort bessere Sichheitsvorkehrungen gibt.
Damit künftig auch Hörgeschädigte den Verhandlungen im Schwurgerichtssaal folgen können, wird eine spezielle Technik eingebaut. Der Einbau am Landgericht sei aber etwas aufwändiger als anderswo, weil alles absolut abhörsicher sein müsse, so Fitting.
Im Jahr 2012 traten vier neue Richter ihren Dienst am Stader Landgericht an. Die "Durststrecke" sei damit überwunden, so Fitting. Aufgrund der vielen teils spektakulären Prozesse 2011 ("Maskenmann", "Stückelmord", "Herbstprinz"-Drama), seien vor allem viele Wirtschaftsverfahren liegen geblieben. Die könnten nun abgearbeitet werden.
Zum Vorsitzenden Richter am Landgericht wurde im vergangenen Jahr der Richter am Amtsgericht Bremervörde, Stefan Tomczak, ernannt. Zwei Richterinnen sind in den Ruhestand gegangen. Insgesamt sind 33 Richter und Richterinnen am Landgericht tätig.
Die Zahl der Mediationen (freiwilliges Verfahren zur außergerichtlichen Beilegung eines Konfliktes) ist von 76 im Jahr 2010 auf 132 im Jahr 2012 angestiegen.