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Die neue Attraktion Rosengartens: die Museumsstellmacherei Langenrehm

Ehrengäste, Festredner, Geschäftsführung und Mitarbeiter des Freilichtmuseums am Kiekeberg bei der feierlichen Eröffnung der Stellmacherei
 
Freuen sich über die Eröffnung der Stellmacherei (v. li.): Museumsdirektor Stefan Zimmermann, Fördervereinsvorsitzender Heiner Schönecke, Carina Meyer, Geschäftsführerin der Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg, Bürgermeister Dirk Seidler und Michael Heinrich Schormann, stv. Geschäftsführer der Sparkassenstiftung
bim. Langenrehm. Eine Stube, ein Schlafraum und eine Küche wie aus dem vorigen Jahrhundert, dazu eine alte horizontale Gattersäge, eine Hobelbank und einiges mehr gibt es in der ehemaligen Stellmacherei von Heinz Peters in Langenrehm zu bestaunen, als würde man das Rad der Zeit buchstäblich zurück drehen. Im Beisein von rund 100 Gäste wurde die neue Attraktion des Freilichtmuseums am Kiekeberg in Rosengarten feierlich eingeweiht.
In dem Wohnhaus und der Werkstatt aus der Zeit um 1836 und der Ausstattung der Stellmacherei, die auf dem Stand um 1930 ist, wird die Geschichte der Herstellung von Rädern, Wagen und landwirtschaftlichen Geräten aus Holz wieder lebendig, so als habe Heinz Peters seine Werkstatt nur kurz verlassen. "Damit können wir ein dichtes Bild des Lebens und Arbeitens dieser Zeit nachvollziehen", sagte Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg.
Nicht nur Heinz Peters (1934 bis 2008), sondern auch dessen Vater Carl Heinrich Peters (1900 bis 1986) und Großvater Christoph Heinrich Peters (1873 bis 1960) arbeiteten als Stellmacher. Nur schwer vorstellbar: Peters Großvater erlebte mit Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Bundesrepublik vier Staatsformen und zwei Weltkriege mit. Er wurde in einer Zeit groß, als Karren und Kutschen mit Holzrädern über die Straßen rumpelten und erlebte den Siegeszug des Automobils und die Mechanisierung der Landwirtschaft, so der Historiker. Zimmermann dankte allen, die zur Instandsetzung der Stellmacherei beigetragen hatten, darunter Architektin Theda Pahl, Dr. Ilja Braunmüller, Mitarbeiter der Volkskundeabteilung, und Mitarbeiterin Annika Soltau sowie den Zeitzeugen aus dem Dorf, die wertvolle Informationen lieferten.
"Langenrehm ist mit 139 Metern das höchst gelegene Dorf der norddeutschen Tiefebene", nannte Heiner Schönecke, Vorsitzender des Fördervereins des Freilichtmuseums am Kiekeberg, eine Besonderheit des 300-Seelen-Dorfes. Ebenso erwähnte er die acht Meter hohe Pyramide, das Fürstendenkmal Langenrehm.
Mit der Museumssstellmacherei habe die Gemeinde Rosengarten nun neben dem Kiekebergmuseum und dem Olen Fösterhuus drei museale Höhepunkte, so Schönecke. Dabei seien die Positionen der wichtigsten "Strippenzieher" über das Schicksal der Stellmacherei zunächst weit auseinander gewesen, berichtete Schönecke. Während es Überlegungen gab, die Gebäude ab- und auf dem Kiekeberg wieder aufzubauen, habe Rosengartens vorheriger Bürgermeister Dietmar Stadie darauf bestanden: "Das bleibt alles hier!"
Der amtierende Bürgermeister Dirk Seidler dankte Stadie und dem Rat dafür, dass sie sich für den Erwerb dieses Schmuckstücks eingesetzt haben, damit diese ortsbildprägende und identitätsstiftende Anlage an ihrem Ursprung erhalten werden konnte. Die Museumsstellmacherei nahe des preisgekrönten Heidschnuckenwegs und inmitten des Regionalparks Rosengarten werde ein kulturelles Glanzlicht auf Rosengarten und Langenrehm werfen.
Die Bedeutung dieses Baudenkmals am originalen Standort würdigte auch Michael Heinrich Schormann von der Sparkassenstiftung. Dessen Erhalt sei nur möglich gewesen, u.a. dank eines Stellmachers, der nichts weggeworfen hat, einer Denkmalschutzbehörde, die den Wert erkannte, und einer Kommune, die einen Teil ihrer Geschichte erhalten wollte.
Alle Redner bedankten sich nicht nur bei den Geldgebern, die zum Erhalt dieses Kleinods beitrugen, sondern auch bei den vielen ehrenamtlichen Helfern. Einige von ihnen sind es auch, die die Geschichte der Stellmacherei mit ihren Vorführungen lebendig werden lassen.
Umrahmt wurden die Reden von den Klängen des Spielmannszugs des Schützenvereins Emsen-Langenrehm. Überaus passend, schließlich gehörte auch Stellmacher Heinz Peters dem örtlichen Schützenverein an. Bei Ausmärschen fuhr er mit seinem Trecker samt Kanone, genannt "der donnernde Otto", hinterher. Diese Kanone übergab Schützenvereinsvorsitzender Jörn Klein nun dem Kiekebergmuseum.

Die Finanzierung

Die Gemeinde Rosengarten hatte die Stellmacherei nach dem Tod von Heinz Peters für 200.000 Euro erworben und dem Kiekebergmuseum zur Verfügung gestellt, dessen Förderverein den Museumsbetrieb führen wird. Rund 700.000 Euro wurden in die Restaurierung des historischen Schmuckstücks investiert. Rund die Hälfte der Kosten wird aus EU-Mitteln zur Dorferneuerung getragen. Weitere finanzielle Unterstützung kam vom Museums-Förderverein, der niedersächsischen Sparkassen-Stiftung, der Sparkasse Harburg-Buxtehude und der Bingo! Umweltstiftung Niedersachsen und vom Landkreis Harburg.
Für Besucher öffnet die Museumsstellmacherei Langenrehm, Kabenweg 7, erstmals am 17. Juni und bis Oktober an jedem dritten Sonntag im Monat. Am Sonntag, 15. Juli, von 11 bis 17 Uhr erleben die Besucher, wofür Schubkarren und Pferdekutschen früher verwendet wurden. Eintritt für Erwachsene: 3 Euro.