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"Mehr Empörung über das Geschlecht statt über die Tat"

An ein Thema, das es in sich hat, hatte sich jetzt die neue Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harburg, Andrea Schrag, gewagt. Zur Diskussionsveranstaltung "Das friedliche Geschlecht? Frauen und Mädchen in der extremen Rechten", hatte die im Januar dieses Jahres angetretene Schrag ins Winsener Kreishaus geladen, rund 30 interessierte Bürger folgten der Einladung.
Die Referentin, Johanna Sigl, Mitglied des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus, machte dabei in ihrem Vortrag vor allem eins deutlich: "Frauen spielen in der Szene eine immer größere Rolle und sind alles andere als Mitläuferinnen. Sie müssen als politische Akteure ernst genommen werden", so der Tenor der Soziologin, die gerade an der Universität Göttingen über das Thema Frauen im Rechtsextremismus promoviert.
Sigl verdeutlichte die gänzlich falsche Wahrnehmung einer rein männlich dominierten Szene nicht nur anhand "stumpfer" Fakten, beträgt die Frauenquote in der rechten Szene mittlerweile rund 20 Prozent, sondern führte den Besuchern vor allem mit kurzen Filmausschnitten die stetig wachsende Gefahr die von rechten Frauen, gerade im Alltag, ausgeht, vor Augen. "Diese Frauen treten oftmals als solide und bürgerlich auf und sind in allen Schichten und Regionen zu finden. Sie vertreten Positionen, denen leicht gefolgt werden kann. Oftmals wird ihr politisches Wirken nicht ernst genommen und viele Frauen in hohen Positionen sind, im Gegensatz zu ihren männlichen 'Kollegen', der breiten Öffentlichkeit rein äußerlich gar nicht bekannt", so Sigl. Die Gründe dafür sieht die Soziologin auch in der Art der Berichterstattung: Am Beispiel von Beate Zschäpe und der Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) würde deutlich, so Sigl, dass Taten von Frauen medial oftmals "nicht politisiert sondern sexualisiert" würden. "Tritt als Täterin dann eine Frau in Erscheinung, stehen Entsetzen und Empörung über das Geschlecht statt die eigentliche Tat an erster Stelle", so die Dozentin, die sich aus Sicherheitsgründen nicht fotografieren lässt.
Andrea Schrag ist erfreut über die gute Resonanz: "Um der rechten Szene demokratisch entgegen treten zu können, muss man die Entwicklung kennen. Daher freue ich mich, dass wir eine so fachkundige Referentin gewinnen konnten und dass so viele Interessierte da waren."