Lothar Rux und Sigmund Kucharczyk gingen gemeinsam zur Schule
Befreundet seit 70 Jahren

Sie telefonieren manchmal bis zu zwei Stunden miteinander: die Freunde Lothar Rux (li.) und Sigmund Kucharczyk
  • Sie telefonieren manchmal bis zu zwei Stunden miteinander: die Freunde Lothar Rux (li.) und Sigmund Kucharczyk
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  • hochgeladen von Alexandra Bisping

(ab). In Revenahe gingen sie gemeinsam zur Schule, dann verloren sie sich aus den Augen, um sich 30 Jahre später wiederzutreffen: Lothar Rux (77) und Sigmund Kucharczyk (76) sind seit 70 Jahren miteinander befreundet. Dem WOCHENBLATT erzählten die beiden, wie sich Leben und Freundschaft entwickelt haben.

Beide waren sie Flüchtlinge, die ihre Kindheit in Revenahe verbrachten. Lothar Rux floh mit seiner Mutter und zwei älteren Geschwistern 1944 aus Pommern nach Revenahe. Sigmund Kucharczyk verschlug es 1945 ebenfalls dorthin. 1949 wurden beide in Revenahe eingeschult. "Wir sind bald Freunde geworden", erinnert sich Lothar Rux.

Gemeinsam verbrachten sie ihre freie Zeit. "Es gab nichts und wir hatten nichts", erinnert sich Sigmund Kucharczyk. Beide entdeckten das Laufen für sich. "Wie wir darauf gekommen sind, weiß ich nicht mehr. Es gab ja in Revenahe keinen Sportverein." Vielleicht habe es an den Indianerbüchern gelegen, die man sich selten für ein paar Pfennige leisten konnte. "Die Indianer waren ja auch oft zu Fuß unterwegs. Das haben wir uns wohl abgeschaut."

Und sie fraßen nach Lausbubenmanier einiges aus. Lothar Rux: "Damals gab es schon Tarzanfilme. Sigmund und ich sind in Turnhose und mit Pfeil und Bogen in den Wald gezogen, haben ein paar Stricke an den Bäumen befestigt und uns wie Tarzan hin- und hergeschwungen." Dann meinten sie, auch ein Wild erlegen zu müssen. "Wir hatten ein Reh schon im Visier - als wir es erlegen wollten, standen plötzlich drei Förster vor uns." 

Die Jungs mussten den Männern durch mannshohe Brennesselbüsche folgen, und das in Turnhose. "Wir sahen aus wie rote Puter", sagt Rux lachend.
Während er nach der Schulzeit nach Daensen zog - mit seiner Mutter habe er sich "in den Plünnen gehabt" - und Bauer lernte, heiratete und sich wieder scheiden ließ, absolvierte Kucharczyk eine Schiffsbaulehre in Grünendeich. Er zog nach Deinste, wo er noch immer lebt, und arbeitete in einer großen Bauschlosserei. "Ich bin irgendwann beim Deutschen Roten Kreuz gelandet und habe dort 25 Jahre lang mit Behinderten gearbeitet."

Die beiden Männer verloren sich aus den Augen, um sich 30 Jahre später zufällig in Harsefeld wiederzutreffen. Seitdem stehen sie in regelmäßigem Kontakt, telefonieren manchmal bis zu zwei Stunden miteinander, treffen sich bei großen Geburtstagen, aber auch zu kleineren Anlässen.

Ihrem früheren Hobby, dem Laufen, gehen beide nicht mehr nach. Sigmund Kucharczyk: "Ich habe ja gedacht, ich werde mal Deutscher Meister, und habe täglich trainiert. Doch es gab zwei weitere Läufer, die haben sogar geraucht und getrunken - und waren trotzdem besser als ich. Da habe ich meinen Traum aufgegeben."
Lothar Rux ist inzwischen nach Neu Wulmstorf gezogen und lebt dort mit seiner Partnerin. Die beiden Männer haben sich versprochen, dass ihre Freundschaft für immer Bestand hat - "bis einer den anderen auf seinem letzten Weg begleitet".

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