Ein Verfechter der Demokratie
Ivar Buterfas-Frankenthal bekommt Bundesverdienstkreuz Erster Klasse

Mit der Einladung des Hamburger Senats zur 
Bundesverdienstkreuz-Verleihung: der mehrfach 
ausgezeichnete Ivar Buterfas-Frankenthal
  • Mit der Einladung des Hamburger Senats zur
    Bundesverdienstkreuz-Verleihung: der mehrfach
    ausgezeichnete Ivar Buterfas-Frankenthal
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ce. Bendestorf. "Es ist das höchste Zeichen der Wertschätzung, über das ich mich sehr freue. Es zeigt mir auch, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin: Von deutschem Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen, und die deutsche Demokratie darf nie wieder einem verbrecherischen Regime zum Opfer fallen!" Das sagt Ivar Buterfas-Frankenthal (87) aus Bendestorf, der die Schrecken von Krieg und Verfolgung selbst erlebt hat. Weil er sich "trotz seines hohen Alters unverändert außerordentlich als einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust engagiert", wird ihm am 7. Dezember auf Vorschlag des Hamburger Senatspräsidenten das Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Vorgenommen wird die Auszeichnung voraussichtlich durch Ties Rabe, Senator für Schule und Bildung in Hamburg.
"Mit großer Nachhaltigkeit" - heißt es in der Begründung für die Auszeichnung - setze sich Ivar Buterfas-Frankenthal für das demokratische Gemeinwesen ein. "Über einen langen Zeitraum hinweg hat er mit viel Zeit, Kraft und finanziellen Mitteln dafür gearbeitet, jungen Menschen den Wert der demokratischen Ordnung zu vermitteln und sie zum Engagement für den Erhalt und die Verteidigung dieser Ordnung zu motivieren." Dies sei insbesondere bei bislang rund 1.500 Veranstaltungen an Schulen und Universitäten geschehen, bei denen Buterfas-Frankenthal von seinen Erlebnissen berichtet habe.
Ivar Buterfas-Frankenthal wurde 1933 in Hamburg als Artisten-Sohn geboren. Sein Vater - ein Jude - wurde von den Nazis eingesperrt und kam dann in Kriegsgefangenschaft. Die Mutter - eine Christin - floh mit ihren acht Kindern erst aufs Land und später nach Hamburg. Nur mit Mühe überlebten sie den Krieg und die NS-Herrschaft. Bekannt wurde Buterfas-Frankenthal neben seinen Vorträgen unter anderem auch durch seinen Einsatz für den Erhalt der Hamburger Nikolaikirche als Kriegsruine, die er mit einem von ihm gegründeten Förderverein sicherte und als Mahnmal gegen Ausländerfeindlichkeit, Rassenhass und Antisemitismus etablierte. An der Einrichtung der Gedenkstätte des Gefangenen- und Straflagers Sandbostel, wo etwa 60.000 Juden den Tod fanden, war Buterfas-Frankenthal maßgeblich beteiligt.
Für sein umfangreiches Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, der Weltfriedenspreis, die Europäische Menschenrechtsmedaille, die "Medaille für die treue Arbeit im Dienst des Volkes in Silber" der Stadt Hamburg und die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatgemeinde Bendestorf.
"Bei der Darstellung seines eigenen Lebensweges verweist er auf die damalige wie heutige Gefährdung der Demokratie durch politisch extreme Ideologien und fordert seine zumeist jugendlichen Zuhörerinnen und Zuhörer auf, sich selbst aktiv für Demokratie und Toleranz einzusetzen", würdigt die Hamburger Senatskanzlei in der Begründung zur nun anstehenden Ehrung die Aktivitäten.
"Menschen haben die Aufgabe und Pflicht, sich und andere gegen alles zu schützen, was sich gegen die Demokratie richtet", betont Ivar Buterfas-Frankenthal, der seit 65 Jahren mit Ehefrau Dagmar verheiratet ist, gegenüber dem WOCHENBLATT. "Kein Nazi darf jemals wieder eine Synagoge angreifen!"

- Buterfas hilft Buchholzer Veranstaltungszentrum Empore

(ce). Im November vergangenen Jahres hielt Ivar Buterfas-Frankenthal im Buchholzer Gymnasium am Kattenberge vor über 500 Schülern einen Vortrag über sein Leben nach dem Holocaust. "Die Veranstaltung dauerte etwa zwei Stunden, und die Schüler hörten die ganze Zeit gebannt zu. Diese Aufmerksamkeit hat mich beeindruckt", berichtet er gegenüber dem WOCHENBLATT. Um sich für diese Anteilnahme bei den jungen Buchholzern zu bedanken und gleichzeitig etwas Gutes für die Empore in Corona-Zeiten zu tun, kommt Buterfas-Frankenthal am Montag, 9. November, um 20.15 Uhr noch einmal in das Veranstaltungszentrum. Unter dem Titel "Ein Leben nach dem Holocaust" spricht er als Zeitzeuge mit der ehemaligen Hörfunkredakteurin Dagmar Reim, die den Abend moderiert.
Der Eintritt kostet 12,50 Euro. Veranstalter ist der Kulturförderkreis der Empore, der der komplette Erlös zugutekommt. Buterfas hilft Buchholzer Empore

Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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