Erinnerung an verdrängtes Leid
Neue Gedenktafel auf dem Friedhof in Fredenbeck
- Die Beteiligten nach dem Aufstellen der Tafel (v. li.): Frank Bartels, Frank Hoferichter, Michael Quelle, Hans-Ulrich Schumacher, Debbie Bülau, Reiner Klintworth, Wolfgang Weh und Ernst-Wilhelm Cordes
- Foto: Bülau
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
Vergangene Woche wurde auf dem Friedhof in Fredenbeck eine neue Gedenktafel enthüllt, die an die Kinder von Zwangsarbeiterinnen erinnert, die während des Zweiten Weltkriegs im sogenannten „fremdvölkischen Kinderheim“ in Klein Fredenbeck ums Leben kamen. Die Tafel steht in direkter Nähe zum bereits 2003 errichteten Gedenkstein, der damals auf öffentlichen Druck hin aufgestellt worden war – jedoch nur die Vornamen der verstorbenen Kinder zeigte. Nun, zwanzig Jahre später, wird mit der neuen Tafel auch den vollständigen Namen und Lebensdaten dieser Opfer Raum gegeben.
Während des Krieges wurden Millionen Menschen aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten ins Deutsche Reich verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen – darunter etwa 7.000 Personen im Landkreis Stade, viele von ihnen Frauen. Diese wurden nicht nur zur Arbeit in der Landwirtschaft eingesetzt, sondern häufig auch in menschenunwürdige Lebensverhältnisse gedrängt. Wurden sie schwanger, so galten ihre Kinder als „unerwünscht“ und mussten meist in „Ausländerkinderpflegestätten“ abgegeben werden – Einrichtungen einfachster Art, deren Zweck häufig die systematische Vernachlässigung und damit der Tod der Kinder war.
Auch in Fredenbeck wurde ein solches Heim eingerichtet – ab August 1944 in den ehemaligen Räumen der Ziegelei Pickenpack. 22 Geburten konnten in diesem Heim nachgewiesen werden, 17 Todesfälle sind belegt. Die Sterblichkeit war nahezu hundertprozentig. Die Kinder starben an Mangelernährung, Vernachlässigung und unzureichender Hygiene. Ihre Gräber wurden später eingeebnet oder überbaut und gerieten in Vergessenheit.
Die neue Erinnerungstafel wurde vom Geschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Jan Effinger, und der Heimatforscherin Debbie Bülau aus Kutenholz-Aspe erarbeitet. Sie reiht sich ein in ähnliche Gedenktafeln, die bereits in Schwinge und Helmste aufgestellt wurden. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Spende eines anonymen Unterstützers. Die Samtgemeinde Fredenbeck unterstützte die Initiative geschlossen.
Die Gedenktafel trägt nicht nur die Namen und Geburtsdaten der verstorbenen Kinder, sondern dokumentiert auch die historische Dimension des systematischen Unrechts, das ihnen und ihren Müttern widerfuhr. Mit der Ergänzung der Tafel wird ein weiteres Zeichen dafür gesetzt, dass Erinnerungskultur in Fredenbeck heute aktiv gelebt wird – als Mahnung für die Zukunft und als stiller Ort des Gedenkens an die Jüngsten unter den Opfern der NS-Zwangsarbeitspolitik.
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