Bürger wollen kein Fracking in der Region- Diskussion mit dem Präsidenten des Landesbergamts

Auf dem Podium (v. li.): Jens von den Eichen, Andreas Sikorski (beide LBEG), SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler und Klaus Söntgerath (LBEG)
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  • Auf dem Podium (v. li.): Jens von den Eichen, Andreas Sikorski (beide LBEG), SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler und Klaus Söntgerath (LBEG)
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mi. Fleestedt. „Wie gefährlich ist Fracking für das Grundwasser?“ „Wieso häufen sich Krebserkranken rund um Gasförderstätten?“ Oder schlicht: „Wir wollen hier kein Fracking.“ Es waren vor allem kritische Fragen und Äußerungen, denen sich Andreas Sikorski, Präsident des Landesbergamts (LBEG), auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Fracking und die Rolle des LBEG“ stellen musste. Eingeladen hatte die Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler (SPD).
Rund 50 Bürger waren in den Fleester Hoff in Fleestedt gekommen. Von Beginn an war klar: Hier treffen Welten aufeinander. Auf der einen Seite eine Aufsichtsbehörde, die nach juristischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kriterien über millionenschwere Rohstoff-Förderprojekte entscheidet. Zum anderen Bürger, die aus Sorge um ihre Gesundheit, um Grundwasser und Umwelt gegen die dabei eingesetzte Technik sind. Häufig blieb Andreas Sikorski nicht mehr übrig, als auf die Politik zu verweisen. So zum Beispiel bei der Frage, welcher Politiker dafür gesorgt habe, dass es im neuen Frackinggesetz sogar für das hoch umstrittene Fracken im Schiefergestein (unkonventionelles Fracking) eine Ausnahme zu wissenschaftlichen Zwecken gebe. „Namen kann ich nicht nennen, es handelt sich um einen Kompromiss zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium“, erklärte dazu an seiner Stelle Svenja Stadler. Ähnlich war es bei der Frage, warum überhaupt in Deutschland Öl und Gas gefördert werde müsse, schließlich decke man damit nur rund acht Prozent des nationalen Rohstoffbedarfs (siehe Kasten), nehme aber diverse Risiken in Kauf. „Wir sind hier weder Politiker noch die Vertreter der Industrie. Wir prüfen und genehmigen, wenn ein Vorhaben genehmigungsfähig ist“, erläuterte Sikorski die Rolle seiner Behörde.
Auch auf die neuen gesetzlichen Regelungen zum Fracking ging Sikorski ein. Vorgeschriebene Öffentlichkeitsbeteiligung und verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfung seien demnach signifikante Verbesserungen für betroffene Bürger. Es gebe dazu viele Ausschlusskriterien: So dürfe in Wasserschutz- und Naturschutzgebieten nicht gefrackt werden.
Deutlich wies der Chef des Bergamts den Vorwurf zurück, das LBEG beschönige offensichtliche Risiken. „Wir beschönigen gar nichts“, betonte Sikorski.
Hintergrund: Im Nachbarlandkreis Rotenburg häuften sich umweit von Erdgasförderstätten Krebserkrankungen. Messungen von Bürgerinitiativen (BIs) und Umweltorganisationen hatten erstmals 2014 stark erhöhte Quecksilberwerte festgestellt. Später griffen Medien das Thema auf, Ärzte schlugen in Hannover Alarm. Sikorski erklärte: Das LBEG nehme diese Vorfälle sehr ernst. Man prüfe jetzt intensiv, ob krebserregende Stoffe freigesetzt wurden. Aber Luftmessungen hätten noch nichts ergeben. Die Auswertung umfangreicher Bodenproben stehe noch aus. Darüber hinaus sei jetzt eine interdisziplinäre Untersuchungskommission ins Leben gerufen worden.
Ingo Engelmann von der BI „Kein Fracking in der Heide“ prangerte dagegen die „Passivität“ der Behörde an. „Sie versuchen, Transparenz zu zeigen, das ist löblich, aber sie sind nicht nur eine Verwaltung, sie sind eine wichtige Aufsichtsbehörde! Dennoch lassen Sie jede Vision, jede Bissigkeit, jedes Nachhaken vermissen“, kritisierte Engelmann unter dem Zuspruch der anwesenden Bürger.

Zahlen: Öl- und Gasförderung in Deutschland

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 3,3 Millionen Tonnen Öl gefördert. Das entspricht rund drei Prozent des jährlichen Bedarfs. Im Landkreis Harburg geht die Produktion zurück. Wurden vor 30 Jahren noch Mengen im sechsstelligen Bereich produziert, sind die Fördermengen heute vierstellig. Zudem produzierte Deutschland 2016 rund 8,6 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Das sind ca. acht Prozent seines Erdgasbedarfs. 33 Prozent davon stammen aus mittels Fracking erzeugten Förderstellen. Allein in Niedersachsen wurde dafür seit den 1960er Jahren 360 Mal gefrackt.

Moment mal:

Fracking- so sicher wie die Atomkraft?
Wissenschaftlich eindeutig belegte Beweise über die Gefährlichkeit der Technik gibt es nicht. Wohl aber die begründete Spekulation vieler Bürger, Fracking könnte Gesundheit und Umwelt schädigen. Allerdings: Im Zeitalter der rationalen Entscheider, der formalisierten Verfahren und zertifizierten Gutachter sind Spekulation und gesunder Menschenverstand oft keine überzeugenden Gründe. So denken wohl auch Politiker wie Svenja Stadler (SPD), die übrigens im Bundestag gegen ein totales Frackingverbot gestimmt hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Geschichte Skeptikern Recht gibt.Auch die Atomkraft wurde uns schließlich einmal von Energiemultis sowie Wissenschaftlern und Politikern als sichere und saubere Zukunftstechnologie verkauft - ein großer Irrtum, wie wir heute wissen.
Mitja Schrader

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