Gemeinde Grünendeich will Traditionslokal aufgeben

Die Gemeinde Grünendeich bietet die "Schöne Fernsicht" zum Verkauf an
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ab. Grünendeich. "Einen Betrieb, der richtig läuft" - das hatte sich Grünendeichs Bürgermeisterin Inge Massow-Oltermann noch bei einem Pressetermin im März gewünscht. Die Gemeinde wolle die Gaststätte nicht verkaufen. Doch nun ist alles anders und die Entscheidung gefallen: Die Gemeinde bietet die Traditionsgaststätte "Zur schönen Fernsicht" jetzt zum Verkauf an. Es gebe einen ernsthaften Interessenten, sagte die Bürgermeisterin auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Ein Vertragsabschluss sei aber "noch nicht in Sack und Tüten".

Seit 1982 befindet sich die "Schöne Fernsicht" in Gemeindehand. Neun Pächter hatten während dieser Zeit versucht, einen gut funktionierenden Gastronomiebetrieb anzukurbeln. In den vergangenen Jahren lief es besonders turbulent: 2014 hatte sich der damalige Gemeinde-Bürgermeister Johann Frese aus der Not heraus bereit erklärt, die Geschäftsführung zu übernehmen, nachdem der bisherige Geschäftsführer überraschend gekündigt hatte. Vorläufiger Höhepunkt des „Fernsicht“-Dramas war 2015 die Insolvenz der Pächter-GmbH, nachdem das Haus zuvor mit einer Million Euro Steuergeld saniert worden war. Da das Gebäude auch damals schon als Dorfgemeinschaftstreff genutzt wurde, gab es Fördergelder in Höhe von 200.000 Euro. Zu der GmbH gehörten neben den Gesellschaftern auch die Gemeinde und viele Privatleute, darunter Inge Massow-Oltermann. Das Geld derer, die privat etwas dazugegeben hätten, sei weggewesen.

Doch das Drama ging weiter: Im Herbst 2015 pachtete Ilhan Cicek die Gaststätte - bis Ende 2017. Er gab den Betrieb aus mehreren Gründen auf, unter anderem auch aus finanziellen. Folgepächter waren ab Frühjahr 2018 Andreas Bach und Restaurantleiter Harry Jakupovic, doch schon nach drei Monaten kam es zwischen den beiden zum Bruch. Bach wollte die Gaststätte alleine weiterführen, hatte noch in einem WOCHENBLATT-Gespräch im Sommer 2018 seinen Optimismus bekundet, musste aber nach weiteren drei Monaten die Segel streichen - aus finanziellen Gründen. Im März dieses Jahres hatte "Partiservice Hauschildt"-Inhaber Peter Hauschildt aus Steinkirchen die "Schöne Fernsicht" übernommen. Er bietet nicht, wie seine Vorgänger, den klassischen täglichen Gastro-Betrieb an, sondern Catering und Veranstaltungen nach Bedarf. Seine Verträge mit der Gemeinde laufen bis 2021.

Ein Gastronomiebetrieb von dieser Größe sei an diesem Standort kaum haltbar und die Aussicht, einen Pächter zu finden, der davon leben könne, denkbar gering, meint Massow-Oltermann. Allein für Pacht und Nebenkosten belaufen sich laut Bürgermeisterin die monatlichen Kosten auf ca. 4.000 Euro - "und da haben Sie weder Personal bezahlt noch Kartoffeln im Keller".

Viel kann Inge Massow-Oltermann nicht über den Kaufinteressenten sagen, es sei noch zu früh und wenn es zum Abschluss komme, werde er selbst an die Öffentlichkeit gehen. "Möglicherweise wird er eine andere Verwendung für das Haus haben." Aber sie ließ durchblicken, dass er aus der Region komme und auch nicht abgeneigt sei, weiter mit Hauschildt zusammenzuarbeiten. 

Um welche Summe es konkret geht, bleibt ebenfalls im Dunkeln. Um jeden Preis verkaufen wolle sie aber nicht, sagt Inge Massow-Oltermann: "Dass wir Abstriche machen müssen, war uns klar. Die Verhandlungsbasis liegt bei 800.000 Euro." Da werde man wohl nicht hinkommen, vermutet sie. 
Was sie jetzt hofft: dass es noch vor Ende des Jahres zu einem Vertragsabschluss kommt. Und dass das Gebäude in Grünendeich weiter als Dorfgemeinschaftshaus zur Verfügung steht. Denn sonst müsste der Förderbetrag anteilig zurückbezahlt werden. Wobei die Förderzeit zwölf Jahre betrage, sagt Gemeindedirektorin Henrike Lühders. Trotz der inzwischen aufgetauchten Denkmalfragen - das Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet - hofft auch sie, dass "der Vertrag zum 1. Januar 2020 abgeschlossen ist".

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