"Es muss schneller gehen"
Thema "Deichbau" erregt die Gemüter in Kehdingen
- Zu den Teilnehmenden beim "Dorftreff" in Balje gehörten Landrat Kai Seefried (3. v. re.), Europa-Abgeordneter David McAllister (4. v. re.) und Bundestagsabgeordneter Enak Ferlemann (3. v. li.)
- Foto: ig
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
Wie geht es weiter mit dem Deichbau in Nordkehdingen? Antworten auf diese Frage gab es am vergangenen Wochenende im Baljer Dorfgemeinschaftshaus. Rund 150 Menschen waren auf Einladung des „Dorftreffs“ zur Podiumsdiskussion – souverän moderiert vom ehemaligen Bürgermeister Hermann Bösch – gekommen. Vertreter des Deichverbandes, des zuständigen Landesbetriebes und der Naturschutzbehörde informierten über den Planungsstand und die Herausforderungen durch die besonderen Anforderungen des Naturschutzes im EU-Vogelschutzgebiet in Nordkehdingen.
Landrat Kai Seefried (CDU), der mit dem Bundestagsabgeordneten Enak Ferlemann (CDU) und dem Europaabgeordneten David McAllister (CDU) auf dem Podium saß, kündigte eine Abstimmung aller zuständigen Stellen und mit den Naturschutzverbänden an. Eine Forderung, die auch von den Deichverbänden und Kommunen immer wieder gestellt wird, richtet sich an die Niedersächsische Landesregierung: Der Deichbau müsse endlich eine Privilegierung erhalten und vorrangig behandelt werden. Einhelliger Tenor in der Runde: „Auch vor Naturschutzfragen.“ Denn der Deich schütze Mensch und Natur vor den Fluten, sei deshalb von existenzieller Bedeutung.
Hintergrund: In Nordkehdingen steht die Deicherhöhung an. Auf sechs Kilometern soll der Deich um knapp zwei Meter erhöht werden. Weil der Landeshauptdeich an das EU-Vogelschutzgebiet grenzt, dürfen die Bauarbeiten erst ab 1. Juli beginnen. „Geht gar nicht“, so Hermann Bösch. Der Deichbau würde sich so zu lange hinziehen. Sicher sei, dass der Meeresspiegel bedingt durch den Klimawandel steige. Mit der Folge, dass heftige Sturmfluten entstehen. Also: „Wir können uns nicht leisten, notwendige Schutzmaßnahmen aufzuschieben“, so McAllister. Das sieht auch Landrat Kai Seefried so. Sein Credo: „Wir müssen beim Deichbau schneller werden.“
"Mit den 80 Kilometern Deichlinie im Landkreis Stade haben wir ein riesiges Bauprogramm vor der Brust“, betonte Bereichsleiter Peter Schley vom zuständigen Landesbetrieb NLWKN, blickt aber trotzdem optimistisch in die Zukunft. „Es wird Lösungen geben.“ Was ihn bedrückt: Das Deichbaugeschäft mit Unmengen an Vorschriften und Vergaberegeln sei mühsam. Wörtlich: „Man hat eine Hürde genommen, dann kommen die nächsten zehn.“ Schließlich zähle doch das Ziel, in 30 Jahren die Deiche erhöht zu haben.
Oberdeichgraf Albert Boehlke forderte in seinem Statement eine Entbürokratisierung des Deichbaus. „Es gibt einen Wust an Formularen einzureichen.“ Würden dann noch die Bauzeitenfenster eingeschränkt, ginge das überhaupt nicht. Gebaut werden müsse in der sturmflutfreien Zeit von April bis September. Zum Abschluss der rund zweistündige Veranstaltung lobte McAllister den sachlichen Austausch in Balje. Und sprach sich für eine parteiunabhängige Lösung durch alle Beteiligten aus.
Redakteur:Dirk Ludewig aus Stade |
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