Meilenstein für die Stromautobahn SuedLink
Durchbruch unter der Elbe: Tunnelbohrer "Elsa" erreicht den Landkreis Stade

Der Tunneldurchstich ist offiziell vollzogen (v.li.): Niedersachsens Energie- und Umweltminister Christian Meyer, Tennet-COO Ina Kamps und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther setzen den symbolischen Schlusspunkt | Foto: jd
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  • Der Tunneldurchstich ist offiziell vollzogen (v.li.): Niedersachsens Energie- und Umweltminister Christian Meyer, Tennet-COO Ina Kamps und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther setzen den symbolischen Schlusspunkt
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Was für ein Durchbruch für SuedLink: Die Elbe ist für die Stromautobahn vom windreichen Norden zu den Abnehmern im Süden kein Hindernis mehr. Auf einer Länge von 5,2 Kilometern hat sich die Tunnelbohrmaschine "Elsa" unter dem Fluss hindurchgebohrt – von Wewelsfleth in Schleswig-Holstein zur niedersächsischen Elbseite bei Wischhafen im Landkreis Stade. Am Montag wurde der erfolgreiche Tunneldurchstoß am Zielschacht groß gefeiert – mit einem regelrechten Medienauftrieb.

Rund einen Kilometer nördlich von Hamelwörden herrschte am Montagvormittag Ausnahmezustand. Rundfunk- und Fernsehteams, Fotografen sowie Vertreter der lokalen und überregionalen Presse drängten sich auf der riesigen Baustelle am südlichen Ende des Tunnels der sogenannten ElbX-Querung. Der Anlass konnte sich sehen lassen: Einer der technisch anspruchsvollsten Abschnitte des gesamten SuedLink ist tiefbautechnisch geschafft. Die eigens für das Projekt gebaute Tunnelbohrmaschine „Elsa“ hatte sich von Wewelsfleth aus durch wechselnde Sedimentschichten aus Sand und Ton bis ans diesseitige Elbufer vorgearbeitet.

Rund 150 Gäste nahmen an der Veranstaltung zum Tunneldurchstich teil | Foto: jd
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Der eigentliche Durchstoß mit "Elsa" war bereits am 22. Juni erfolgt. Jetzt haben die Betonbauer den Tunnelschacht ausgekleidet, sodass Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) und TenneT-Germany-Geschäftsführerin Ina Kamps symbolisch den Schlusspunkt unter den Tunnelvortrieb setzen konnten. Die rund 200 Meter lange Tunnelbohrmaschine war am 1. Februar 2025 in Wewelsfleth gestartet. Nach knapp anderthalb Jahren hat "Elsa" ihr Ziel nun pünktlich erreicht. Von Hamelwörden führt die SuedLink-Trasse quer durch den Landkreis Stade -  über den Raum Himmelpforten und Oldendorf bis nach Kutenholz, von wo aus es im Landkreis Rotenburg weitergeht. Die Trassenlänge auf Stader Kreisgebiet beträgt rund 43 Kilometer. 

In diesem Schacht bei Hamelwörden erreicht der SuedLink-Stromtunnel den Landkreis Stade | Foto: jd
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Seefried: Am besten gleich den Autobahntunnel bohren
Stades Landrat Kai Seefried (CDU) hob bei der Veranstaltung besonders die Symbolkraft hervor, die von der neuen unterirdischen Verbindung zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein ausgeht. Wo jahrzehntelang über große Infrastrukturvorhaben diskutiert und geplant wird, ist bei SuedLink jetzt tatsächlich eine feste Verbindung unter der Elbe entstanden. Und Seefried wäre nicht Seefried, wenn sein Blick dabei nicht sofort ein paar Kilometer weiter südlich gegangen wäre: Am liebsten, so machte der Stader Landrat deutlich, hätte er die Tunnelbohrmaschine nach ihrem erfolgreichen Einsatz gleich einpacken und ein paar Kilometer weitertransportieren lassen – zum geplanten A20-Elbtunnel zwischen Drochtersen und Glückstadt. Seefrieds Wunsch ist allzu verständlich, denn noch immer ist kein Baubeginn des neuen Elbtunnels in Sicht. Er fordert seit Jahren mehr Tempo beim Weiterbau der Autobahnen A20 und A26. 

Im Gespräch (v.li.): Tennet-COO Ina Kamps, Malte Hentschke-Kemper von Tennet S-H, Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne), Stades Landrat Kai Seefried (CDU), die schleswig-holsteinische Vize-Landtagspräsidentin Jette Waldinger-Thiering (SSW) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther | Foto: jd
  • Im Gespräch (v.li.): Tennet-COO Ina Kamps, Malte Hentschke-Kemper von Tennet S-H, Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne), Stades Landrat Kai Seefried (CDU), die schleswig-holsteinische Vize-Landtagspräsidentin Jette Waldinger-Thiering (SSW) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther
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Windstrom für rund zehn Millionen Haushalte
Beim SuedLink geht es dagegen sichtbar voran. Die insgesamt rund 700 Kilometer lange Hochspannungs-Gleichstromverbindung soll Windenergie aus Norddeutschland nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren – also dorthin, wo viel Strom benötigt wird, aber deutlich weniger Wind als an der Küste weht. Die Übertragungskapazität beträgt vier Gigawatt. Nach Angaben des Netzbetreibers Tennet entspricht das rechnerisch dem Strombedarf von rund zehn Millionen Haushalten.

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Wichtig für eine unabhängigere Energieversorgung
„Mit ElbX haben wir einen entscheidenden Baustein für die Realisierung von SuedLink geschaffen“, erklärte TenneT-COO Ina Kamps. Bis zu 9.000 Menschen arbeiteten nach ihren Angaben bei den Stromkonzernen TenneT und TransnetBW sowie den beteiligten Unternehmen an dem Großprojekt. Niedersachsens Energieminister Meyer verwies darauf, dass rund 320 der insgesamt 700 SuedLink-Kilometer durch Niedersachsen führen. Das Land übernehme damit eine zentrale Rolle beim Ausbau der deutschen Stromnetze. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther bezeichnete den erfolgreichen Tunnelvortrieb als „echten Meilenstein“. Die Leitung werde die Versorgungssicherheit stärken. "Jede Kilowattstunde erneuerbarer Energie, die wir im Land erzeugen und nutzen können, macht uns unabhängiger von Energieimporten und damit weniger verwundbar."

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (li.), Tennet-CEO Ina Kamps und der niedersächsische Energieminister Christian Meyer schaufeln symbolisch den letzten Lehm weg | Foto: jd
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Sechs Stromkabel werden im Tunnel verlegt
Mit dem Durchbruch ist ElbX allerdings noch nicht fertig. Jetzt beginnt der weitere Ausbau der Röhre. Tennet bereitet in den kommenden Monaten alles vor, damit die Kabel eingezogen werden können. Später sollen insgesamt sechs Hochspannungs-Gleichstromkabel durch den Tunnel geführt werden: jeweils zwei Kabel für die beiden SuedLink-Systeme sowie jeweils ein zusätzliches Ersatzkabel. Die Reservekabel sollen Reparaturen erleichtern und langfristig die Betriebssicherheit erhöhen. Der Tunnel selbst bleibt auch später zugänglich. Er kann dann mit speziellen Tunnelfahrzeugen befahren werden.

Knapp anderthalb Jahre hat es gedauert, den Tunnel zu bohren | Foto: jd
  • Knapp anderthalb Jahre hat es gedauert, den Tunnel zu bohren
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SuedLink sollte längst Strom transportieren
Dass jetzt gefeiert wird, darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen: Nach den allerersten Planungen sollte die Stromautobahn längst fertig sein. Ursprünglich war die Inbetriebnahme für das Jahr 2022 vorgesehen. Nachdem unter anderem der gesetzlich beschlossene Vorrang für Erdkabel – zuvor waren klassische Hochspannungsleitungen mit Masten vorgesehen – zu umfangreichen Neuplanungen geführt hatte, wurde der Zeitplan mehrfach verschoben. Aktuell soll SuedLink Ende 2028 ans Netz gehen – rund sechs Jahre später als ursprünglich vorgesehen.

Eine kleine Randnotiz: Und ELSA ist übrigens ein Akronym. Der Name steht für:

ElbX lässt SuedLink-Strom ankommen“

Mehr als 100 Namensvorschläge waren eingereicht worden; eine sechsköpfige Jury wählte daraus „Elsa“ aus.

Mehr zum Thema SuedLink und ElbX:

SuedLink-Elbtunnel bei Wischhafen: Halbzeit bei der Tunnelbohrung
Suedlink-Trasse im Landkreis Stade: Baubeginn in Kutenholz
SuedLink: Stromtrasse im Landkreis Stade kurz vor Baustart
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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