Showrummel mit Klosterstille getauscht
Nils Glahn wurde auf Kloster-Reise zum "modernen Mönch"

Nils Glahn beim Praktizieren von Qigong in einem daoistischen Kloster in der chinesischen Provinz Hubei
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  • Nils Glahn beim Praktizieren von Qigong in einem daoistischen Kloster in der chinesischen Provinz Hubei
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ce. Eyendorf. Viele Menschen träumen davon, im Showgeschäft Seite an Seite mit Promis zu arbeiten. Für Nils Glahn (31) aus dem Heideort Eyendorf wurde dieser Job zum Albtraum. Er kehrte der Glitzerwelt den Rücken - und wurde in asiatischen Klöstern zu dem "modernen Mönch", als der er heute lebt.
Als Nils Glahn 19 Jahre alt war, wollte der gelernte Raumausstatter erste berufliche Erfahrungen in Berlin sammeln. Dort sorgte er für den roten Teppich bei einer Show mit Pop-Titan Dieter Bohlen und stattete Events wie die Verleihung des Musikpreises Echo oder die "Ein Herz für Kinder"-Gala mit Moderator Thomas Gottschalk aus. "Am Anfang war alles aufregend. Aber schon bald ging es nur noch auf die Knochen, bis zu 17 Stunden am Stück zu arbeiten, damit sich am Ende in irgendeiner Gaga-Sendung Bananen türmten, auf denen die Leute ausrutschen sollten", blickt Glahn zurück. "Das machte keinen Sinn mehr."
Als ein Arbeitskollege über Meditation redete, ließ ihn das aufhorchen. "Bei Treffen mit buddhistischen Mönchen lernte ich dann viel darüber, wie Meditation die innere Erfahrungswelt und die äußere Wahrnehmung verändern kann", so Glahn. "Ich bin nicht streng religiös, sondern eher flexibel-spirituell", beschreibt er seine Einstellung.
Schließlich wollte Glahn herausfinden, ob auch er als Mönch leben könnte. Der Selbstversuch führte ihn nach einem zwei-wöchigen "Warm-up" in buddhistischen Klöstern in Bayern für drei Jahre in Abteien quer durch Asien. "Es war für mich sehr beeindruckend, die Fähigkeiten zu erleben, die Mönche täglich pflegen bzw. leben. Dazu gehört etwa die Gabe, sich eine innere Stille und Ruhe zu schaffen", blickt der Eyendorfer auf seine Reise zurück, die ihn unter anderem nach Sri Lanka, China und auf die Philippinen führte und über die er auch ein Buch schrieb. In vielen Klöstern habe das Zeitalter der Digitalisierung Einzug gehalten. "Zahlreiche Mönche besitzen ihr eigenes Smartphone oder Tablet und pflegen einen eigenen Facebook-Account. Das war für mich am Anfang nicht ganz leicht zu akzeptieren, da ich komplett andere Vorstellungen von einem Kloster oder Tempel hatte."
Mit den Erfahrungen aus den Klöstern und Lektionen in Qigong, Thai-Chi und Meditation, die er dort lernte, gelang es Nils Glahn, seinen inneren Ballast abzuwerfen und fernab vom vermeintlich schönen Schein der Stars und Sternchen seinen Seelenfrieden wiederzufinden. "Diese Zeit hat mich sehr bereichert. Aber ich merkte auch, dass ich noch nicht so weit war, für immer im Kloster zu leben", gesteht er ein. Zudem hatte ihm ein chinesischer Mönch geraten, er solle erstmal eine Familie gründen und das Leben in der Welt genießen, bevor er die Abgeschiedenheit des Klosters auf sich nehme.
Glahn nahm sich den Rat zu Herzen und absolvierte nach der Rückkehr in die Heimat eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie. In seiner Eyendorfer Praxis bietet er Qigong- und Meditationsübungen an, die ihm auch im privaten Alltag als "moderner Mönch" dabei helfen, "in der heutigen Gesellschaft mit ihren Reizen zu leben, ohne sich selbst zu verlieren". Nützlich ist ihm dabei auch das selbst entwickelte "Temple2go"-Prinzip, mit dem sich jedermann seine "innere Tankstelle" schaffen kann. Die beste Bodenhaftung geben Nils Glahn schließlich seine Frau Irina und die zweijährige Tochter Aura-Luna. Gleichwohl ist eine längere Auszeit im Kloster für ihn nicht komplett ausgeschlossen: "Wenn der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus ist, könnte es mich vielleicht doch nochmal ins Kloster ziehen."

Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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