Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung
Abgründe im Tostedter Jugendzentrum

Das Jugendzentrum Tostedt war zwischen Dezember 2015 und September 2016 Schauplatz der mutmaßlichen Übergriffe
  • Das Jugendzentrum Tostedt war zwischen Dezember 2015 und September 2016 Schauplatz der mutmaßlichen Übergriffe
  • Foto: bim
  • hochgeladen von Bianca Marquardt

Das könnte Sie auch interessieren:

Blaulicht

Tödlicher Unfall in Buxtehude-Neukloster
Mann von zwei Zügen überrollt

tk. Buxtehude. Unfalldrama auf dem Bahnhof in Buxtehude-Neukloster: Ein Mann (27)  ist auf die Gleise gestürzt und von zwei Zügen überrollt worden. Er ist an seinen schweren Verletzungen gestorben. Gegen 4.10 Uhr ist der Mann nach bisherigen Erkenntnissen  aus der in Richtung Stade fahrenden S-Bahn ausgestiegen und vermutlich aus ungeklärter Ursache unter den Zug geraten und dann bei der Weiterfahrt der Bahn bereits erheblich verletzt worden. Eine zweite Bahn, eine Stunde später, hat den...

Panorama
Vor allem sind Frauen sind in Deutschland von Armut betroffen.

Job-Pause, Scheidung - vor allem Frauen trifft es
Zweitjob, um finanziell über die Runden zu kommen

(cbh). Sie haben eine abgeschlossene Ausbildung, langjährige Berufserfahrung, arbeiten teils in verantwortungsvollen Positionen. Und trotzdem reicht das Geld vorne und hinten nicht zum Leben. Diese drei Frau aus den Landkreisen Harburg und Stade benötigen inzwischen zwei Jobs, um ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familie zu bestreiten. Mit diesem Problem sind sie nicht allein: Der Anteil der Bundesbürger, die einem Zweitjob nachgehen, hat sich in den vergangenen 20 Jahren von 1,8 Mio. auf 4,1...

Service

Steigende Inzidenzen
Diese Veranstaltungen wurden im Landkreis Harburg wegen Corona abgesagt

thl. Landkreis Harburg. Aufgrund steigender Inzidenzzahlen werden im Landkreis Harburg jetzt zunehmend Veranstaltungen kurzfristig abgesagt, egal ob im Sport, in der Kultur, im Gesellschaftsleben oder in der Politik. Das WOCHENBLATT dokumentiert an dieser Stelle, welche Veranstaltungen abgesagt wurden. Die Liste wird fortlaufend angepasst. Die ADFC-Ortsgruppe Winsen hat bis auf Weiteres alle Fahrradtouren abgesagt. Die Gemeindebücherei Stelle hat bis auf Weiteres alle Veranstaltungen abgesagt....

Service
Auf der Intensivstation liegen mittlerweile sieben COVID-19-Patienten (Symbolfoto)
7 Bilder

Zahl der COVID-19-Patienten steigt am 5.12.
7 Corona-Patienten auf den Intensivstationen der Elbe Kliniken im Landkreis Stade

jd. Stade. Beginnt jetzt ein Abwärtstrend bei den Corona-Zahlen? Am Sonntag, 5. Dezember, wird mit 114,9 für den Landkreis Stade der niedrigste Inzidenzwert seit mehr als zwei Wochen gemeldet. Damit belegt der Landkreis Stade weiterhin Platz 10 bei den Regionen mit den niedrigsten Inzidenzwerten in Deutschland. Deutschlandweit gibt es mehr 400 Landkreise und kreisfreie Städte. Was aber Grund zur Sorge bereiten dürfte: Die Zahl der Corona-Patienten in den Elbe Klinken ist auf einen der höchsten...

Blaulicht
2 Bilder

Feuerwehr als Tierretter im Einsatz
14 Kühe stürzen im Landkreis Stade in Güllegrube

nw/tk. Himmelpforten. In Mittelsdorf brachen am Sonntagmorgen im Rinderstall eines landwirtschaftlichen Betriebs aus unbekannten Gründen vierzehn Kühe durch den Boden ihres Stalls und stürzten in die darunter liegende Güllegrube. Nachdem ein Notruf abgesetzt worden war, wurden die Feuerwehren Mittelsdorf, Hammah und Himmelpforten kurz vor 7 Uhr früh alarmiert. Nach Eintreffen der Einsatzkräfte und Erkundung der Lage konnte die Ortsfeuerwehr Himmelpforten wieder abrücken. Vorwiegend...

Service
Jetzt können die Ärmel für den Piks hochgekrempelt werden
2 Bilder

Nicht mehr stundenlang in der Schlange stehen
Jetzt anmelden: Fünf Impfstationen im Landkreis Stade nehmen am 6. Dezember ihre Arbeit auf

+++ Update: In einigen stationären Impfstationen sind die Termine für Dezember bereits ausgebucht +++ jd. Stade. Landrat Kai Seefried hält seine Zusage ein. Ab der kommenden Woche nehmen die fünf festen Impfstationen ihre Arbeit auf. Für viele, die sehnsüchtig auf eine Impfung warten, dürfte es wie ein Nikolausgeschenk sein: Am Montag, 6. Dezember, erhält die Impfkampagne im Landkreis einen zusätzlichen Schub. Dann wird montags bis freitags jeweils an einem festen Wochentag stationär geimpft....

Service

Corona-Pandemie
Alle abgesagten Veranstaltungen im Landkreis Stade

sv. Landkreis Stade. Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen werden im Landkreis Stade wieder zunehmend Veranstaltungen abgesagt. In dieser Liste hält das WOCHENBLATT Sie auf dem aktuellen Stand, welche Termine in der Region Pandemie-bedingt nicht stattfinden können. Die Liste wird fortlaufend aktualisiert. Sollten Sie als Sport- oder Kulturverein oder auch als Partei eine öffentlich angekündigte Veranstaltung absagen müssen, können Sie gerne ein E-Mail an svenja.adamski@kreiszeitung.net...

Panorama
Über verbale sexuelle Belästigung sprechen nur wenige Frauen - viele schämen sich
3 Bilder

Catcalling
Das ist verbale sexuelle Belästigung, kein Kompliment

(sv). Eigentlich bin ich, Svenja Adamski, WOCHENBLATT-Redaktionsvolontärin, überzeugte Kapuzenpulli-Trägerin, ziehe mich lieber warm als hübsch an und gebe nichts auf Make-up. Jetzt habe ich mir aber doch mal eine richtig schicke schwarze Lederjacke mit warmem Teddyfell aus Baumwolle gekauft, weil ich sie absolut fantastisch fand. Kaum dass ich mein neues Lieblingsstück trug, durfte ich mir allerdings eine Menge niedere Anmachsprüche und Gepfeife auf offener Straße anhören, so wie ich es bisher...

Blaulicht
3 Bilder

Auto schleudert in Wassergraben
Junger Mann stirbt bei Verkehrsunfall in Drochtersen

tk. Drochtersen. Bei einem Verkehrsunfall in Drochtersen ist am Freitagabend ein junger Mann (22) ums Leben gekommen. Er war gegen 22 Uhr auf  der Aschhorner Straße unterwegs. Aus ungeklärten Gründen kam der Skoda in einer leichten Rechtskurve von der Fahrbahn ab.  Der Skoda kam nach links von der Fahrbahn ab, nach dem Gegenlenken geriet er dann in den rechten Seitenraum und prallte frontal gegen einen Baum. Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Auto komplett zerstört und in den daneben...

bim. Tostedt. Der Tatvorwurf liest sich laut Aktenlage recht "nüchtern": sexuelle Nötigung und Vergewaltigung zwischen Dezember 2015 und September 2016. Doch die jetzige Verhandlung am Amtsgericht Tostedt offenbarte Abgründe im Tostedter Jugendzentrum (JUZ) - egal, was sich damals wirklich zugetragen hat.
Ein ehemaliger JUZ-Leiter (40) soll eine pädagogische Kraft (46) bei zwei Gelegenheiten gewaltsam an die Wand gedrückt, sie an Brust und Scheide angefasst und vor ihr onaniert haben und ein drittes Mal zusätzlich mit der Hand in ihre Scheide eingedrungen sein. Einmal sei eine andere Mitarbeiterin dabei gewesen, der er einen Zungenkuss aufgezwungen habe. Mit dieser Frau will der Angeklagte aber nach eigenen Angaben eine Kurz-Affäre gehabt haben. Er ließ seinen Anwalt eine mehrseitige Erklärung vorlesen, nach der er alle Vorwürfe entschieden bestritt. Vielmehr seien alltägliche "Frotzeleien" in sexualisierte Anspielungen ausgeartet. Das mutmaßliche Opfer habe ihn irgendwann in den Hintern und in die Brustwarzen gekniffen und einmal ihre eigenen Brüste angefasst und gesagt: "Mir schießt gleich die Milch ein." Auch habe es zwischen beiden ein Zuständigkeitsgerangel gegeben.
Das mutmaßliche Opfer, das in Begleitung von Karl-Heinz Langner vom Weissen Ring im Gerichtssaal Platz nahm, soll sich seit den Vorfällen in Therapie befinden. Unter Tränen berichtete die Frau, was in den Monaten im JUZ geschehen sei und wie hilflos sie sich gefühlt habe, weil sie fürchtete, dass ihr derartige Übergriffe niemand glauben würde. "Ich dachte, dass ich mich umbringe - aus Schamgefühl", sagte sie. 

Wenn sich die Vorwürfe der Sex-Straftaten im Tostedter Jugendzentrum bewahrheiten sollten, muss es für das mutmaßliche Opfer wie eine makabre Version des Wettlaufs zwischen Hase und Igel gewesen sein: Wo auch immer sie über die Übergriffe habe sprechen wollen, sei der Angeklagte, Sozialpädagoge und ehemaliger Jugendzentrumsleiter, schon gewesen, habe sie schlecht gemacht und behauptet, sie wolle nur die Leitung über das JUZ erlangen. Angezeigt habe sie bzw. ihr Mann letztlich drei Taten, für die es Zeugen gebe.
Gegensätzlicher hätten die Schilderungen nicht sein können. Während der Angeklagte sich als Opfer von Nachstellungen durch die 46-Jährige darstellte, schilderte das mutmaßliche Opfer in bewegenden Worten, was ihr der 40-Jährige angetan haben soll.
Prozessbedingt war der Angeklagte auch im Gericht derjenige, der bzw. dessen Anwalt als Erster gehört wurde. Zwischen ihm und dem mutmaßlichen Opfer hätten sich Streitigkeiten entwickelt bezüglich der Zuständigkeiten für Material, Verwaltung von Spendengeldern und des Hausrechts, wem welcher Raum gehöre. Irgendwann habe die 46-Jährige immer wieder Anspielungen gemacht, mit ihm Sex haben zu wollen, hieß es u.a. in der schriftlichen Erklärung des Sozialpädagogen.
Einmal habe die Frau im Keller, wo u.a. Material gelagert sei, eine Nagelschere aus dem Regal genommen und gemeint, sie wolle sich die Strumpfhose im Schritt freischneiden und sich auf seinen Schwanz setzen, woraufhin er aus dem Keller geflüchtet sei. Er könne mit ihr als reifer Frau nichts anfangen, habe er ihr mitgeteilt.
Ein anderes Mal sei sie ihm in die benachbarte Sporthalle gefolgt, habe sich ihm "erneut angeboten" und gedroht: Wenn er gehe, sage sie alles seiner Frau und ihrem Vorgesetzten in der Verwaltung. Sie habe ihm ein Tuch entgegengehalten, das sie zuvor im Schritt getragen habe, mit den Worten: "Hier, riech mal, so riecht meine Muschi." Er habe sie mehrfach nachdrücklich gebeten, mit den Annäherungen aufzuhören.
Einmal habe er ihr aber zu seinem Bedauern auf den Hintern gehauen, gab er zu. Im Büro habe sich die 46-Jährige im Beisein seiner Kollegin an ihm geschubbert und ihm in den Schritt gefasst. Ein anderes Mal habe sie ihn in der Fahrradwerkstatt abgepasst und ihm vorgeworfen, dass er mit seiner Kollegin, nicht aber mit ihr schlafe.
Während das mutmaßliche Opfer bei der Samtgemeinde Tostedt angestellt und zwischenzeitlich zusätzlich für bestimmte Kurse als Honorarkraft für den Trägerverein der Jugendarbeit tätig war, war der Angeklagte vom Trägerverein als JUZ-Leiter eingesetzt. Irgendwann habe sie nicht mehr an den Dienstbesprechungen des Trägervereins teilnehmen dürfen, und auch in der Verwaltung habe sie kein Gehör gefunden, berichtete das mutmaßliche Opfer.
Er habe zu ihr so kranke Sachen gesagt wie: "Ich trenne dich von deinem Rudel und dann werde ich dich erlegen", oder: "Ich werde dir die Mitarbeiter und deine Töchter wegnehmen." Sie war überzeugt: "Das glaubt einem keiner, dass jemand so systematisch vorgeht." Zumal es meist keine Zeugen gegeben habe.
Anfangs seien es Komplimente und Scherze unter Mitarbeitern gewesen. "Es war nicht zu erwarten, dass es übergriffig wird", berichtete sie. Dann seien die Kommentare des Angeklagten sexistisch im Hinblick auf Outfits und Brüste geworden, auch bezogen auf Mädchen, die fraulicher wurden, und auf ihre Tochter.
"Bei jeder Gelegenheit zeigte er mir, dass er über mir steht, und hat onaniert - in den Mülleimer, auf die Fußmatte und den Kellerboden", so die 46-Jährige. Übergriffe habe es gegeben, wenn der 40-Jährige unzufrieden oder wütend gewesen sei. "Man konnte sich nicht darauf einstellen. Es ging um Macht", so die 46-Jährige.
"Ich fühlte mich gedemütigt, hatte ständig Angst." Sie habe versucht, ihm aus dem Weg zu gehen bzw. nicht allein mit ihm zu sein. Einmal habe der 40-Jährige ihr im Keller einen "Klaps zwischen die Beine, tief am Damm", gegeben. Ein anderes Mal sei er dazugekommen, als sie mit der anderen JUZ-Leiterin Anmeldelisten holen wollte. Er habe beide an die Wand gedrängt, seine Hose geöffnet und der Kollegin "die Zunge reingedrückt und sein Genital rausgeholt".
Und einmal habe er die 46-Jährige an einen Mehrzweckschrank im Büro gepresst, sei gewaltsam mit der Hand unter ihren Rock gegangen und in ihre Scheide eingedrungen. "Das tat sehr weh, ich habe geheult", sagte die 46-Jährige, die zwischenzeitlich in einer Traumaklinik und berentet gewesen sei, weil sie nicht mehr habe arbeiten können.
Der Angeklagte folgte ihren Ausführungen überwiegend gelassen, teils skeptisch.
Bis zur Urteilsverkündung sind noch vier weitere Verhandlungstermine angesetzt.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen