Welle
Nach tödlichem Unfall auf B3 - Behörden planen erste Verkehrssicherheitsmaßnahmen
- Der Landkreis hatte am 1. Oktober zunächst einen Blitzer-Anhänger in Höhe des Friedhofs in Richtung Heidekreis aufgestellt
- Foto: bim
- hochgeladen von Bianca Marquardt
Nach dem tödlichen Unfall am 18. September an der B3 in Welle hat es am heutigen Freitag, 9. Oktober, einen Ortstermin gegeben mit Vertretern der Verkehrsbehörde des Landkreises Harburg, des Straßenbaulastträgers (Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Lüneburg) und der Polizei. "Wir haben uns ein umfassendes Bild der Lage vor Ort verschafft und insbesondere auch die Forderungen der Gemeinde Welle sowie der Anwohnerinnen und Anwohner berücksichtigt", teilt der Landkreis mit.
Dabei wurden sofortige und mittelfristige Maßnahmen vereinbart.
"Wir tun, was geboten und im rechtlichen Rahmen möglich ist, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen", versichert die Kreisbehörde und betont erneut: "Um einen klassischen Unfallschwerpunkt im rechtlichen/polizeilichen Sinne handelt es sich beim Einmündungsbereich trotz des kürzlichen tragischen Unfalls aber ausdrücklich nicht."
Diese Maßnahmen sollen so schnell wie möglich in Gesprächen mit Gemeinde und Anwohnern erläutert werden:
- Auf der B3 werden an der Einmündung in beide Richtungen sowohl ein grünes Weilerschild als auch das Schild „Achtung Fußgänger“ angebracht , um Autofahrern deutlich zu signalisieren, dass hier Querungen der Bundesstraße möglich sind.
- In beide Richtungen wird für den „Tempo 70“-Bereich Überholverbot angeordnet. Gleichzeitig wird der „Tempo-70“-Bereich um 50 Meter über die Einmündung hinaus verlängert.
- Alle drei Sofortmaßnahmen ordnet der Landkreis als Verkehrsbehörde umgehend an, so dass der Straßenbaulasträger sie so schnell wie möglich umsetzen, also die Schilder aufstellen kann.
- Flankierend weitet der Landkreis die mobile Geschwindigkeitsüberwachung vor Ort an mehreren Stellen aus und führt eine Verkehrszählung durch, um die Wirksamkeit der Geschwindigkeitsüberwachung zu überprüfen.
"Verkehrsbehörde, Straßenbaulastträger und Polizei empfehlen außerdem die Einrichtung einer Fußgängerampel, die von der Gemeinde Welle bezahlt und umgesetzt werden müsste. Aus unserer Sicht ist spätestens beim Anschluss des in Welle geplanten Wohngebiets eine per Fußgängerampel und ggf. per Linksabbiegerspur gesicherte Querung erforderlich.", so der Landkreis.
Petition der Anwohner
Zwischenzeitlich hatten Anwohner als Interessengemeinschaft „Welle guckt hin: Sicher über die B3!“ eine Petition für mehr Verkehrssicherheit gestartet mit dem Titel: "Jetzt handeln für mehr Sicherheit auf der B3 - gemeinsam."
Auch wenn die Unfall-Lage in dem Bereich laut Landkreis außer Wildunfällen unauffällig sei, sehen sich die Anwohner in ihren jahrelangen Forderungen nach Verkehrssicherheitsmaßnahmen auf tragische Weise bestätigt.
Laut Anwohnern weise die Verkehrssituation in dem Bereich erhebliche Sicherheitsrisiken auf, die eine grundlegende Neubewertung erforderten. Eine Unfallkommission müsse eine Gesamtbetrachtung vornehmen und u.a. folgende Punkte berücksichtigen:
- das Verkehrsaufkommen
- die örtlichen Sichtverhältnisse
- die Lage der Einmündung "Am Kamp"
- die Überholvorgänge
- die Erkennbarkeit der Anliegerstraße bzw. der Querungsstelle
- die dokumentierten Beinahe-Unfälle und Gefahrensituationen
Zur Unterstützung der Anwohner-Petition geht's hier
Auf ein Wort: Tödlicher Unfall ist nur ein Symptom
einer nicht mitgewachsenen Verkehrsstrategie
Zugegeben: Ich war genervt, als ich diese Woche einen Anruf bekam, warum wir nicht schreiben, wie traumatisiert der Autofahrer sein muss, der am 18. September bei einem Unfall auf der B3 bei Welle einen Fußgänger tötete (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach).
Allerdings: Mit unserer Berichterstattung wollten wir weder den Fahrer noch das Verkehrsopfer an den öffentlichen Pranger stellen oder Schuldzuweisungen machen. Vielmehr will das WOCHENBLATT - wie auch zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Welle - auf ein grundsätzliches Problem der mangelnden Verkehrssicherheit in dem Bereich aufmerksam machen. Und dieser Unfall hat leider auf tragische Weise unterstrichen, dass sich dort etwas ändern muss.
Wie berichtet, kommt es immer wieder zu gefährlichen Verkehrssituationen auf dem Abschnitt der B3, weil die Beschilderung im Hinblick auf die gewachsene, dörfliche Infrastruktur und die in den vergangenen Jahren entstandenen Siedlungen nicht mehr den aktuellen Verkehrssicherheits-Anforderungen entspricht.
Nicht ohne Grund gibt es auf der B75 zwischen Tostedt und Buchholz gleich drei Fußgänger-Bedarfsampeln in Höhe des Baggersees, der Rudolf-Steiner-Schule und der Christlichen Schule Nordheide.
Nicht ohne Grund können zum Beispiel inzwischen Tempo-30-Zonen vor Kindergärten, Schulen und Altenheimen angeordnet werden. Denn sowohl Kinder als auch ältere oder kranke Menschen können Geschwindigkeiten von Fahrzeugen mitunter nicht richtig einschätzen.
Die Ermittlungsbehörden müssen nun überprüfen, ob ausgeschlossen werden kann, dass dem Unfallfahrer ein Vorwurf zu machen ist. Nach derzeitigem Stand ist laut Staatsanwältin Julia Pirk jedoch davon auszugehen, dass dieser weder zu schnell, alkoholisiert oder aufgrund einer Ablenkung unachtsam war.
Aber auch das Unfallopfer Jürgen trifft keine Schuld, weil er - womöglich altersbedingt - die Geschwindigkeit eines herannahenden Fahrzeugs auf einer Strecke, die er mehrfach täglich inklusive der Überquerung der B3 gelaufen ist - unterschätzt hat.
Insofern hoffen viele Anwohner und Politiker in Welle, dass die zuständigen Verkehrsbehörden die Beschilderungen und eventuell die zulässige Höchstgeschwindigkeit den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Bianca Marquardt
Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
|
| Webseite von Bianca Marquardt | |
| Bianca Marquardt auf Facebook | |
| Bianca Marquardt auf YouTube | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.