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Herber Schlag für die Tourismus-Region: Jugendherberge Inzmühlen soll Mitte 2015 geschlossen werden

Die Herbergseltern Andrea Kieser und Marco Adameck bedauern die geplante Schließung
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  • Die Herbergseltern Andrea Kieser und Marco Adameck bedauern die geplante Schließung
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bim. Handeloh. Soeben ist der Heidschnuckenweg zwischen Brunsberg und Büsenbachtal zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürt worden. Das hat bereits zusätzliche Wanderer in die Region gebracht. Ausgerechnet da macht diese Neuigkeit die Runde: Die Jugendherberge in Handeloh-Inzmühlen - die einzige Jugendherberge im Landkreis Harburg und noch dazu nahe des Heidschnuckenwegs in einem der schönsten Ausflugsziele der Nordheide gelegen, - soll Mitte 2015 geschlossen werden.
Die Jugendherberge ist dank ihrer einmaligen Lage in der Lüneburger Heide und der tollen umweltpädagogischen Angebote für die ganze Familie als Umwelt-Jugendherberge zertifiziert. Sie ist nicht nur Anlaufpunkt für Touristen. Auch Kindergärten und Schulen, Seminargruppen, Vereine, Studenten und Familien kommen gerne in die Einrichtung, die vom Hauptverband des Deutschen Jugendherbergswerks als Umwelt-Jugendherberge und für „100 Prozent geprüfte Qualität“ zertifiziert ist. Daran haben die Herbergseltern Andrea Kieser und Marco Adameck großen Anteil, die seit 2004 dort im Dienst sind und seither versuchen, die Jugendherberge nach vorn zu bringen. „Wir hatten es zwischenzeitlich auf über 18.000 Gäste gebracht, verzeichnen wegen des Sanierungsstaus aber Einbußen“, so Marco Adameck. Die Herbergseltern selbst hatten erfolgreich u.a. das Management-Kolleg der DJH-Akademie absolviert.
Jahrelang hatte der Betreiber, das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Nordmark, nur minimal in die seit 1961 bestehende Einrichtung investiert. Jetzt führt der Landesverband den hohen Investitionsbedarf sowie eine mangelnde Auslastung als Argumente für die Schließung der Herberge an.
Mindestens zwei Millionen Euro sind laut dem DJH-Landesverband inzwischen nötig, um die Einrichtung auf aktuelle Standards zu bringen und mehr Gäste zu gewinnen. Vom Landkreis wurden Mittel aus dem Verkauf der Hanstedter Jugendeinrichtung Uhlenbusch in Aussicht gestellt. Doch Geld ist bisher nicht geflossen.

Der DJH-Landesverband Nordmark, der für 45 Jugendherbergen in Schleswig-Holstein, Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen zuständig ist, verweist in einer Pressemitteilung auf die mit 12.144 Übernachtungen im Jahr 2013 geringe Auslastung der 163 Betten. „Aus diesen Gründen ist der Standort Handeloh einfach nicht kostendeckend zu führen“, so Helmut Reichmann, Geschäftsführer des DJH-Landesverbandes Nordmark. „Für uns ist die Aufgabe der traditionsreichen Jugendherberge, die über Jahrzehnte insbesondere die Jüngsten mit ihrem naturnahen Gelände begeistert hat, sehr schmerzlich. Aber die Defizite des Hauses dürfen nicht zu Lasten des Gesamtnetzes gehen“, so Reichmann weiter. Er verweist auf die Standorte der Jugendherbergen in Stade, Wingst, Otterndorf und Cuxhaven, mit denen der DJH-Landesverband im nördlichen Niedersachsen „weiterhin gut vertreten“ sei. Aber dann eben nicht mehr in der so wichtigen Tourismusregion Lüneburger Heide.
„Die Jugendherberge soll verkauft werden. Wir sind aufgefordert worden, uns für eine andere Stelle zu bewerben“, berichten Andrea Kieser und Marco Adameck auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Neben ihnen gibt es - inklusive der 400-Euro-Kräfte - 13 Mitarbeiter, für die nach Verwendungsmöglichkeiten in anderen Jugendherbergen gesucht werde. „Es muss etwas passieren. So konnte es mit diesem Standort nicht weitergehen. Aber natürlich bedauern wir, dass die Einrichtung geschlossen werden soll, in die wir Herzblut und Engagement gesteckt haben“, so Andrea Kieser.
Bereits im vergangenen Frühjahr hatte Herbergsvater Marco Adameck die örtliche Politik auf die dringend nötige Modernisierung hingewiesen. Seine Hoffnung war damals, dass die Maßnahmen im Herbst/Winter 2014 starten.
2013 und 2014 führte der Landkreis, u.a. vertreten durch Sozialdezernent Reiner Kaminski, Verhandlungen mit dem DJH-Landesverband. Letztlich hätten diese aber zu keinem Ergebnis geführt, da der Landesverband kein schlüssiges Konzept für eine Kostenbeteiligung des Landkreises habe vorlegen können, so Kreissprecher Bernhard Frosdorfer.
Eine „äußerst ungeschickte Verhandlungsführung“ wirft Handelohs Bürgermeister Heinrich Richter (FWH) der Geschäftsführung des DJH-Landesverbandes vor. „Es machte seitens des Vorstandes den Eindruck, dass keine große Bereitschaft zum Erhalt des Standortes vorhanden ist“, so Richter. Die Mitglieder des DJH Nordmark, von denen es auch ein paar Tausend im Kreis gebe, sollten überlegen, ob sie dort gut aufgehoben sind, gibt Richter zu bedenken.
• Auf Antrag der CDU Handeloh wird sich der Gemeinderat am Mittwoch, 1. Oktober, um 19 Uhr im Gasthaus Heidekrug mit dem Thema befassen.

Kommentar

Erst lässt der DJH-Landesverband Nordmark jahrelang nötige Investitionen in der Inzmühlener Jugendherberge schleifen. Wenn dann der 60er Jahre-Charme der Zimmer keine Touristenscharen mehr bringt, soll sie geschlossen werden. Damit werden alle Bemühungen der Herbergseltern und der örtlichen Tourismusvereine ad absurdum geführt. Und das zu einem Zeitpunkt, da der Tourismusort Handeloh, der für sich selbst als „Tor zur Lüneburger Heide“ wirbt, mit dem „Pfund“ als „schönster Wanderweg Deutschlands“ punkten kann.
Aber vielleicht waren die Verantwortlichen des DJH-Landesverbandes auch zu sehr damit beschäftigt, das 100-jährige Bestehen, das dort in diesem Jahr ansteht, zu feiern, oder andere Standorte aufzuwerten. Bianca Marquardt

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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