Von Tostedt aus
Marie Schmitz tanzt auf den Bühnen der Welt

Mit beeindruckender Leichtigkeit geht Marie Schmitz in Tanzpose - wie hier auf einer Straße in London
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  • Mit beeindruckender Leichtigkeit geht Marie Schmitz in Tanzpose - wie hier auf einer Straße in London
  • Foto: Edmond Choo
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bim. Tostedt. Die kleine Marie drehte ihre Pirouetten und streckte ihre Beinchen am Kühlschrank wie eine Ballett-Tänzerin, während Mama Tina Seyffarth in der Küche den Kochlöffel schwang. Ihrer erstaunten Mutter erklärte die Dreijährige ganz selbstbewusst: "Ich will einmal Tänzerin werden." Heute, 21 Jahre später, hat sie ihr Ziel erreicht: Marie Schmitz aus Tostedt (Landkreis Harburg) gehört zum Ensemble einer modernen (und verruchten) Inszenierung von Goethes Faust am Royal Opera House in London und tourt mit dem Stück gerade durch Japan.
Tina Seyffarth ist immer noch ganz beeindruckt, mit welcher Zielstrebigkeit "ihre Kleine" sich ihren Lebenstraum von einer Tanzkarriere erfüllt hat und das "mit einer großen Leichtigkeit und ganz ohne Verbissenheit", sagt Tina Seyffarth bewundernd. "Und ich habe trotzdem meine Freunde nicht vernachlässigt", ergänzt Marie.
Rückblick: Als die kleine Marie ihren tänzerischen Ehrgeiz entdeckte, traf es sich, dass Nachbarin Gisela Receveur eine Ballettschule hatte, aber: "Ich kann Marie erst aufnehmen, wenn sie vier Jahre alt ist", erklärte sie zunächst. "Ich sollte einen Frosch machen", berichtet Marie Schmitz. Von der Koordination der Kleinen überrascht, nahm Gisela Receveur Marie dann doch bereits mit dreieinhalb Jahren an der Schule auf.
Fünf Jahre später war die inzwischen Neunjährige im Unterricht unterfordert. Ihre Tanzlehrerin riet ihr, bei dem renommierten Choreografen John Neumeier an der Hamburger Staatsoper vorzutanzen - und sie wurde angenommen. Drei Jahre lang fuhr ihre Mutter sie drei bis vier Mal pro Woche zum Tanztraining nach Hamburg, die Hausaufgaben erledigte Marie im Auto. Zum Erfolg genötigt worden sei sie aber nicht. "Ich bin keine 'Eislaufmutti', habe ihr immer ihre Freiheiten gelassen und darauf geachtet, dass sie ordentlich isst. Schließlich gibt es viele Magersüchtige in der Branche", betont Tina Seyffarth. Doch was Marie nach eigener Aussage in den drei Jahren an der Staatsoper an Neid, Missgunst und Mobbing von ihren Mitschülern erlebte, erinnert an schlechte Hollywoodfilme. "Die Dozenten waren human. Aber als ich irgendwann eine Kinderhauptrolle bekam, sperrten mich die anderen Kinder im Spind ein. Mir wurde klar, das Ballett und dieser Konkurrenzkampf sind nicht meine Welt", sagt Marie Schmitz.
"Anschließend verfolgte ich mein Ziel dennoch weiter, trainierte jeden Tag und belegte viele Workshops für Ballett und zeitgenössischen Tanz im Tanzwerk in Drestedt von Yasmeen Strauch", so Marie Schmitz. Von 2011 bis 2014 absolvierte sie ihre Berufsausbildung an der Contemporary School Hamburg als akademisch zeitgenössische Tänzerin und bewarb sich 2014 am Konservatorium Wien für den Bachelor-Studiengang klassischer und zeitgenössischer Tanz, für den sie ein Stipendium erhielt. "In Wien habe ich inzwischen meinen Lebensmittelpunkt", sagt Marie Schmitz. Im Laufe der Jahre arbeitete sie erfolgreich mit renommierten Choreografen wie Esther Balfe, Sharon Booth, Tomislav Jelicic, Raul Valdez oder Georg Reischl und absolvierte Praktika bei Olaf Schmidt am Stadttheater Lüneburg und Yoram Kami bei der Fresco Dance Company in Tel Aviv.
"Während einer Aufführung in Wien entdeckte mich der Choreograf Emmanuel Obeya und lud mich zum Vortanzen am Royal Opera House ein", berichtet Marie Schmitz. "Ich flog hin und nahm als 'Maskottchen' meine Mutter mit, da sie immer an meiner Seite steht und mir Glück bringt." Und sie behielt Recht - und bekam tatsächlich das Engagement für die Produktion Faust von David McVicar. Das Problem: Sie hatte noch gar nicht ihr Diplom für zeitgenössischen und klassischen Tanz in der Tasche. Also jettete sie hin und her, probte parallel in London für Faust und in Wien für die Choreografien für die Bachelorprüfung.
Seit April stand Marie mit Faust in etlichen Vorstellungen des Royal Opera Houses auf der Bühne und erhielt im Juni ihren Bachelor of Arts. Als Tina Seyffarth ihre Tochter zur Premiere im April auf großer Leinwand in der Faust-Aufführung sah, die in 1.122 Kinos weltweit gezeigt wurde, platzte sie fast vor Stolz.
In diesem Monat startet Marie Schmitz ein Projekt mit Choreografin Doris Uhlich in Wien. Aber immer noch kommt sie gerne nach Hause nach Tostedt zu ihrer Familie.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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