Quidditch-Premiere im Landkreis Harburg
Nicht nur für Zauberer

Der Sportplatz in Wörme wird zur Quidditch-Arena: Am Sonntag versuchten sich dort etwa 20 Kinder an dem Sport aus den Harry-Potter-Romanen
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  • Der Sportplatz in Wörme wird zur Quidditch-Arena: Am Sonntag versuchten sich dort etwa 20 Kinder an dem Sport aus den Harry-Potter-Romanen
  • Foto: Peters
  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

War das der Startschuss für einen neuen Sport?

mum. Wörme. Spaziergänger staunten am vergangenen Sonntag nicht schlecht, als sie auf dem Weg ins Büsenbachtal am Sportplatz in Wörme (Samtgemeinde Tostedt) vorbeikamen. Dort wurde nicht etwa Fußball gespielt. Gut 20 Kinder versuchten sich im Quidditch. Genau - das ist der Sport, den nahezu jeder kennt, der einen der sieben Harry-Potter-Romane der englischen Schriftstellerin Joanne K. Rowling gelesen beziehungsweise einen der Filme gesehen hat. Dort ist Quidditch eine Mannschaftssportart, die in der Zaubererwelt von zwei Mannschaften mit je sieben auf Besen fliegenden Spielern mit insgesamt vier Bällen gespielt wird. Je Mannschaft dienen drei Ringe, die in 20 Metern Höhe angebracht sind, als Tore. Natürlich sausten die Kinder in Wörme nicht auf Besen über den Sportplatz. Zwar liegen die Wurzeln des Sports in den Geschichten rund um Harry Potter. Seit aber 2005 Studierende aus Middlebury (USA) das Ballspiel spaßeshalber in die Realität übersetzten, hat sich Quidditch abseits seiner Fantasyvorlage als reale Sportart mit eigener Dynamik etabliert.
Dass Quidditch nun erstmals im Landkreis Harburg gespielt wurde, verdanken die Potter-Fans George Peters aus Welle (Samtgemeinde Tosetdt). Anlässlich seines zehnten Geburtstags organisierten seine Eltern Harry und Lotta Peters ein ganz besonderes Event. Um den Sport bekannter zu machen, reisen Vertreter des Quidditch Club Hamburg (QCH) gern herum und organisieren ein mehrstündiges Probetraining. So waren am Sonntag Tristan Dück und Patrick Durasiewicz zu Gast in Wörme.
Für George erfüllte sich damit ein großer Traum. Seit frühester Kindheit ist er Fan des Zauberschülers. Nicht ganz unschuldig daran ist seine Mutter Lotta Peters. "Ich habe damals alle Potter-Bücher verschlungen und jedem neuen Band aufgeregt entgegengefiebert." Als George dann alt genug war, begann sie mit ihm zusammen, die Romane nochmals zu lesen. "Wie toll muss es sein, diese magische Welt als Kind kennen zu lernen", sagt Lotta Peters. "Ich war ja schon erwachsen."
Wahrscheinlich ist es dann "jungstypisch", sich für den Sport in dieser Welt besonders zu interessieren, zumal es ein schneller Ballsport ist. George fand Quidditch auf Anhieb super.
Übers Internet erfuhr die Familie, dass sich erste Quidditch-Teams bildeten. "Wir beschlossen, George damit zu überraschen, und sind einfach zu einem Spieltag nach Hannover gefahren", erinnert sich Lotta Peters. "Und was soll ich sagen: Es hat uns auf Anhieb total gut gefallen."
Es dauert anfangs, bis man verstanden hat, wer eigentlich was und warum macht. Und es ist nicht ganz einfach, die Regeln direkt zu erkennen, aber Quidditch-Spieler sind extrem offen und freundlich und haben den Peters stets mit Begeisterung alles erklärt. "Das ist auf jeden Fall ein Grund, warum wir Fans sind - Quidditch-Spieler sind sympathische, freundliche Menschen, die auch nach hart umkämpften Spielen sehr freundschaftlich miteinander umgehen", so Lotta Peters.
Quidditch ist ein körperbetonter, aber dennoch sehr fairer Sport, der aufgrund seiner komplexen Regeln während des Spiels auch den Kopf fordert, da man sehr taktisch spielen muss. George findet den Sport klasse, weil es die verschiedenen Positionen (Jäger, Treiber, Hüter und Sucher) mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und die drei verschiedenen Spielbälle (Quaffel, Klatscher und Schnatz) gibt. So werden auch an die Spieler ganz unterschiedliche Anforderungen gestellt, so dass für jeden mit seinen entsprechenden Stärken etwas dabei ist.
Das ist auch ein Grund, warum Quidditch für die Zuschauer nie langweilig wird, denn im Grunde sind es drei Spiele in einem: Das Jäger-Spiel, in dem versucht wird, möglichst viele Tore zu werfen; das Treiber-Spiel, deren Aufgabe es ist, die Jäger und später auch den Sucher bei ihren Vorhaben zu stören, indem sie sie ähnlich wie beim Völkerball mit den sogenannten Klatschern abwerfen; und das Sucher-Spiel, in dem die beiden Sucher versuchen, den Schnatz zu fangen. Es gibt an den verschiedensten Stellen auf dem Spielfeld immer so viel unterschiedliche Aktion zu sehen, dass man manchmal gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll.
Inzwischen sind die Peters echte Quidditch-Fans und fiebern insbesondere mit den Hamburg "Werewolves". "Wir haben schon so manche Spieltage in unterschiedlichen Städten besucht", so Harry Peters. Am Rande war es dort teilweise möglich, dass Kinder den Sport selbst ausprobieren. Spätestens da war George richtig infiziert und wäre gern der Hamburger Kinder-Mannschaft "Feuerblitze" beigetreten. Doch noch schrecken die weiten Fahrten nach Hamburg. Zum Glück für die U10 des TV Welle, denn George ist auch ein guter Fußballer.
• Lotta Peters kann sich gut vorstellen, Quidditch auch im Landkreis Harburg zu etablieren. Doch dafür benötigt sie weitere Gleichgesinnte, die sich gern via E-Mail an lotta.peters@icloud.com mit ihr in Verbindung setzen können.

Erste Europameisterschaft in Deutschland
Quidditch ist in der "echten Welt" ein Vollkontaktsport mit Elementen aus Handball, Völkerball/Dodgeball und Rugby. Zwei Teams aus jeweils 7 Spielern treten gegeneinander an. Der Sport wird gemischtgeschlechtlich betrieben. Inzwischen gibt es über 500 Teams in etwa 40 Ländern. Der Quidditch Club Hamburg (QCH) wurde am 17. Dezember 2016 gegründet, um die Professionalisierung des Quidditchsports in Hamburg voranzutreiben. Damit ist der Verein der erste exklusive Quidditchverein Deutschlands.
Ende Juni findet in Bamberg die erste Quidditch-Europameisterschaft statt - sogar mit dem allerersten Kinder-Quidditch-Länderspiel Deutschland gegen Frankreich.
• www.quidditch-hamburg.de.

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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