Parken & Besucherströme
Parkchaos am Büsenbachtal: Besucheransturm belastet Handeloh
- Rund um das Büsenbachtal ließ die Samtgemeinde am Sonntag drei Stunden lang Falschparker abschleppen, hier Am Büsenbach. Die Straßenbereite war unter 3,05 Meter, der Verkehr wurde behindert
- Foto: Malissa
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Hunderte Ausflügler strömen jedes Wochenende ins Büsenbachtal in Handeloh. Die wenigen Parkplätze sorgen für Chaos – Anwohner und Politik schlagen Alarm.
Ein rund 2.500-Seelen-Dorf im Landkreis Harburg im Ausnahmezustand: An jedem Wochenende zur Heideblüte und bei schönem Wetter strömen hunderte Besucherinnen und Besucher in das idyllische Büsenbachtal in Handeloh. Durch das Naturschutzgebiet verläuft der mehrfach von dem renommierten Deutschen Wandermagazin prämierte Heidschnuckenweg.
Was Gastronomie und Tourismusverbände freut, wird zum Horror für die Anwohner. Denn die ausgewiesenen Parkplätze reichen für den Besucherandrang bei Weitem nicht aus. Und viele auswärtige Gäste parken dann, wo Platz ist. Auch wenn es sich um Zufahrten oder Zuwegungen handelt.
Tourismusverband wirbt, für geordnetes
Parken müssen andere sorgen
Die Ironie: Das Büsenbachtal gehört dem Landkreis Harburg, der Mitgesellschafter der Lüneburger Heide GmbH ist, die das Büsenbachtal bei jeder Gelegenheit öffentlich bewirbt und auch für die Bewerbung im Wandermagazin verantwortlich ist. Die Lösung des Parkchaos' bleibt aber an Gemeinde und Samtgemeinde hängen, die für den "ruhenden Verkehr" zuständig sind.
"Dieselbe Problematik wird über Jahre hinweg immer wieder in der Presse thematisiert, ohne dass sich etwas ändert. Ich vermisse aber seit Jahren das Nachspiel zu dieser Geschichte: Irgendwann muss es doch Konsequenzen geben", meint WOCHENBLATT-Leser André Wilkens zu der katastrophalen Parksituation im beliebten Ausflugsziel Büsenbachtal in Handeloh (Landkreis Harburg). Nach vielen politischen Beratungen, auch über ein Parkkonzept, wurden am Wochenende erstmals Falschparker rigoros abgeschleppt.
Rückblick: Als die Heidschnuckenweg-Etappe zwischen dem Büsenbachtal und dem Brunsberg in Buchholz im Jahr 2014 erstmals prämiert wurde, reisten weder der damalige Landrat noch der frühere Buchholzer Bürgermeister zur Urkundenübergabe. Dafür aber zwei Vertreterinnen des Bürger- und Verkehrsvereins Handeloh und der ehemalige Handeloher Bürgermeister Heinrich Richter, die sich zu dem Zeitpunkt noch freuten, dass nun täglich 50 und mehr Besucher ins Büsenbachtal kämen. Nicht ahnend, welche Ausmaße der Tourismus, insbesondere während und nach der Corona-Pandemie, annehmen würde. Seit mehr als vier Jahren trifft dort der Begriff "Overtourism" (Übertourismus) zu, der auch Konflikte zwischen Einheimischen und Besuchern an stark besuchten Zielen beschreibt.
Musste der Landkreis zunächst mit Hinweistafeln auf Benimmregeln in einem waldnahen Schutzgebiet hinweisen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten (u.a. kein Feuer entzünden, keinen Müll in die Landschaft werfen, auf den Wegen bleiben, nicht zelten), macht sich die örtliche Politik ebenfalls seit mehr als vier Jahren Gedanken über geordnete Parkmöglichkeiten.
500 parkende Fahrzeuge bei
120 legalen Parkmöglichkeiten
In den vergangenen Wochen waren sowohl Handelohs Bürgermeister Uwe Blanck als auch Gemeindedirektor Stefan Walnsch, der auch Erster Samtgemeinderat der Samtgemeinde Tostedt mit der zuständigen Verkehrsbehörde ist, erneut mehrfach vor Ort. Allein an den vergangenen drei Wochenenden habe er jeweils mehr als 500 Fahrzeuge gezählt - bei nur rund 120 legalen Parkmöglichkeiten rund ums Büsenbachtal, so Blanck. Die Ausflügler hätten nicht nur im Bereich der Straße Am Büsenbach, sondern auch mehrere hundert Meter entlang der Handeloher Straße und des Van-Der-Smissen-Wegs Richtung Holm-Seppensen geparkt. "Der Hype um die Heideschleife Büsenbachtal ist explodiert", meint Blanck auch zu dem jüngst verstärkt beworbenen Rundwanderweg.
Parken auf Grünflächen
ist nicht erlaubt
WOCHENBLATT-Leser André Wilkens verweist in dem Zusammenhang auf die Regelungen zum Parken auf Grünflächen: "2021 wurde das Verwarnungsgeld für das Benutzen von Grünflächen mit Kraftfahrzeugen von früher läppischen 5,00 Euro in mehreren Stufen auf 55 Euro erhöht. Man muss noch nicht einmal Halteverbotsschilder aufstellen, um darauf hinzuweisen, dass auf Grünflächen nicht geparkt werden darf, da man das als Autofahrender wissen muss. Seit 2023 gibt es sogar den Tatbestand des Parkens auf Grünflächen, der auch aus Gründen des Naturschutzes (Oberflächenverdichtung) eingeführt wurde. Einige Kommunen haben Satzungen, in denen solche Verstöße sogar im drei- und gar vierstelligen Bereich gewürdigt werden können.
Wilkens nennt als Beispiel die Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin:
www.ruedersdorf.de/news/2025/07-jul/parken-auf-gruenflaechen/
Bürger machten aufmerksam
auf desolate Verkehrssituation
Auch in den politischen Sitzungen in der Gemeinde Handeloh, in denen u.a. die Möglichkeit des Abschleppens ebenfalls thematisiert wurde, machten mehrere Bürgerinnen und Bürger eindringlich auf die desolate Verkehrssituation aufmerksam und brachten ihren erheblichen, nachvollziehbaren Unmut zum Ausdruck, berichtet Gemeindedirektor Stefan Walnsch.
Und zum Ergebnis der Ortstermine ergänzt er: "Nach meinem Dafürhalten ist es nicht übertrieben, hier von zum Teil wirklich gefährlichen Situationen/Verstößen im Straßenverkehr zu sprechen. Insofern stellt auch ein Abschleppvorgang ein geeignetes Mittel dar, wohlwissend, dass es für die davon Betroffenen natürlich kein schönes Ereignis ist."
Während einige Anwohner auf WOCHENBLATT-Anfrage froh waren, dass endlich mal hart durchgegriffen wurde, ärgerte das Abschleppen die betroffenen Fahrzeugführer verständlicherweise. Ein Halter, dessen Fahrzeug Am Büsenbach abgeschleppt wurde, war stinksauer. Er habe sich beim Einparken vergewissert, niemanden zu behindern. Nach dem Cafébesuch habe er sein Fahrzeug gesucht und von einer Mitarbeiterin des Ordnungsamtes unfreundliche Antworten erhalten, und erst nach mehrfachem Nachfragen erfahren, dass sein Wagen zum Handeloher Bahnhof geschleppt wurde.
Straße Am Büsenbach
ist ein Nadelöhr
Aber gerade die Straße Am Büsenbach sei ein Nadelöhr, meint Bürgermeister Blanck. Weil dort neben den Besuchern des Naturschutzgebietes auch die Gäste des dort ansässigen Cafés Schafstall auf Parkplatzsuche sind.
Auch wenn der Landkreis Harburg sich ansonsten nicht zuständig fühlt für den "ruhenden Verkehr", so hatte er doch vor ein paar Jahren Am Büsenbach Holzpfähle aufgestellt, weil einige Touristen bereits auf den Grünflächen des Naturschutzgebietes geparkt hatten.
Fest steht: Eine einfache Lösung wird zeitnah nicht zu finden sein. Das haben die Beratungen in den vergangenen Jahren gezeigt.
Gefährdungen durch
ungeordnetes Parken
Auch mit der Verkehrsbehörde der Samtgemeinde habe es in den letzten Wochen mehrere Ortstermine gegeben, um die Gefährdungen durch ungeordnetes Parken mit verschiedenen Maßnahmen (z.B. das Setzen von Pollern „Am Büsenbach“ vor dem Bahnübergang) zu minimieren. "Insgesamt überlegen und sprechen wir derzeit in viele Richtungen, mit welchen Maßnahmen wir die angespannte Situation zumindest in Teilen entschärfen können", sagt Gemeindedirektor Stefan Walnsch.
Der Landkreis verweist indes auf die alternativen Anreisemöglichkeiten per Bahn mit Halt am Büsenbach und am Handeloher Bahnhof sowie den Heide-Shuttle.
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Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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