bim. Tostedt. Im Wahlkampf um das Amt des Tostedter Samtgemeinde-Bürgermeisters hat es einen ungewöhnlichen Vorstoß gegeben: Alt-Samtgemeinde-Bürgermeister Dirk Bostelmann (CDU) hatte ein Schreiben an den Vorstand des CDU-Ortsverbandes verschickt, datiert auf den 6. April. Darin schlägt er dem Ortsverband vor, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern stattdessen mit Stefan Walnsch einen Fachmann aus der Verwaltung zu unterstützen. In dem Schreiben, das dem WOCHENBLATT vorliegt, wirft er der Orts-CDU indirekt Untätigkeit vor.
Bostelmanns Begründung: "Der jetzige Amtsinhaber (Anm. d. Red. Dr. Peter Dörsam, siehe unten) ist seit über 6 Jahren im Amt. In dieser Zeit hat man von der CDU wenig oder eher nichts an Kritik gehört oder gelesen. Dadurch hätte der Fraktionsvorsitzende Rolf Aldag sich und seine Partei immer wieder ins Gespräch bringen können. Außenstehende können doch jetzt nur der Auffassung sein, daß alle zufrieden sind. Wie soll man jetzt den Wählerinnen und Wählern begründen, warum der CDU-Kandidat gewählt werden soll."
Bostelmanns Informationen zufolge würden sich "alle Verwaltungsmitarbeiter einen anderen Bürgermeister" wünschen. "Aber sie denken dabei kaum an einen Kandidaten aus dem Samtgemeinderat", so Bostelmann.

Ruhiger, bedachter Verwaltungsfachmann

Stefan Walnsch ist ein ruhiger, bedachter und versierter Verwaltungsfachmann und hat bereits seine Ausbildung bei der Samtgemeinde Tostedt absolviert. Seit Jahren ist Walnsch kompetenter Ansprechpartner der Politik. Er ist Master of Public Administration, Diplom-Kaufmann und Verwaltungs-Diplom-Inhaber, seit Dezember 2005 als allgemeiner Vertreter die rechte Hand des jeweiligen Samtgemeinde-Bürgermeisters in Tostedt und wurde 2008 und 2016 von der Politik zum Ersten Samtgemeinderat gewählt.
"In den vergangenen Monaten bin ich von vielen Personen gefragt und gebeten worden, zu kandidieren und habe Unterstützung signalisiert bekommen von der SPD und Teilen anderer Parteien. Aber ich werde nicht kandidieren", stellt Walnsch gegenüber dem WOCHENBLATT auf Anfrage zu einer möglichen Kandidatur klar. "Ich habe es mir überlegt und das Thema im Rathaus offen angesprochen. Für mich sind aber nicht Titel, sondern die Aufgaben der Treiber, um die Samtgemeinde Tostedt voranzubringen. Dafür brauche ich die notwendigen Freiheiten", sagt Walnsch.

Bis heute kein Parteibuch
Ein Parteibuch habe er bis heute nicht. "Ich stehe seit fast vier Jahrzehnten im Berufsleben. In dieser Zeit sind mir Parteibücher von mehreren Parteien angeboten worden. Selbstverständlich habe ich eine politische Meinung, habe mich aber mit der Übernahme meiner ersten Führungsfunktion in der öffentlichen Verwaltung eindeutig dazu entschieden, für die Zeit meines beruflichen Wirkens in der Verwaltung parteilos zu bleiben, egal in welcher Funktion ich tätig bin", erlärt Walnsch.
• Kurz nachdem das Bostelmann-Schreiben in Umlauf war, hatte sich der jetzige Amtsinhaber Dr. Peter Dörsam dazu entschieden, erneut als unabhängiger Kandidat anzutreten. Der Mann mit dem Grünen-Parteibuch ist Teilen der CDU schon lange ein Dorn im Auge.

Fällt der Vorstoß der CDU auf die Füße?

Ob die Einmischung Bostelmanns der CDU auf die Füße fällt? Beim Wahlkampf um das Samtgemeinde-Bürgermeisteramt im Juni 2014 hatte sich im Vorfeld eine SPD-Ratsfrau eingemischt und eine große Anzeige im WOCHENBLATT geschaltet, in der sie sich hinter Dirk Bostelmann gestellt und Dr. Peter Dörsam - auch privat - scharf angegriffen hatte. Dörsam gewann die Stichwahl damals deutlich mit 6.300 Stimmen (61,7 Prozent) gegen Amtsinhaber Dirk Bostelmann (3.914 Stimmen, 38,3 Prozent). Dörsam und viele seiner Mitstreiter waren überzeugt, dass die Intrige letztlich mit zu seinem Wahlerfolg beigetragen habe.

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Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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