"Sie macht es halt einfach"
Marlis Hölscher wird 80 Jahre alt
- Handball-Urgestein Marlis Hölscher feiert am 14. Oktober ihren 80. Geburtstag
- Foto: privat
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Der Handballsport hat ihr Leben geprägt und sie hat den Handballsport in Tostedt geprägt: Marlis Hölscher. Am Mittwoch, 14. Oktober, feiert sie ihren 80. Geburtstag und mehr als die Hälfte ihres Lebens widmete sie in Tostedt dem Handballsport.
Schon im Alter von 10 Jahren hat sie den Handballsport für sich entdeckt. Damals noch in Soltau. Bereits als Jugendliche galt sie im dortigen Bezirk als besonderes Talent und ihren ersten großen Triumph konnte sie feiern, als sie - damals noch als Marlis Schröder - als 18-Jährige für den MTV Soltau gegen den damaligen Niedersachsenmeister MTV Celle als die überragende Spielerin in Zeitung beschrieben wurde: Am 24. August 1964 erklärte die Böhme-Zeitung Marlis als die "gefährlichste Stürmerin" des Spieles auf dem Großfeld.
Bei etlichen Turnieren hatten auch Hamburger Sportvereine ein Auge auf sie geworfen. Nach ihrer Hochzeit mit Benno und einem Wohnsitzwechsel schloss sich Marlis 1971 der Oberliga-Mannschaft von SV-Polizei Hamburg an. Schon ein Jahr später wechselte sie zum damaligen Deutschen Meister Union 03 Hamburg. Auch im Europacup gegen Belgrads Damen war Marlis dabei, auch wenn ihr Team damals chancenlos war.
In der Saison 1974/75 stieg Union 03 in die zweigeteilte Bundesliga auf, dort entwickelte sich Mannschaftsführerin Marlis zu einer der erfolgreichsten Torschützinnen. In der zweiten Saison gelang der Klassenerhalt nur mit Mühe, da Marlis aufgrund einer Knieverletzung zeitweise ausfiel. Der Klassenerhalt wurde in der Presse 1976 als "Handball-Wunder" gefeiert.
1978 kam Marlis Hölscher nach Tostedt
1978 zog das Ehepaar Hölscher nach Tostedt und Marlis beendete ihre Bundesligalaufbahn bei Union 03 Hamburg. Nur zwei Jahre später übernahm sie 1980 als Spielertrainerin beim MTV Tostedt die Damenmannschaft, die zu der Zeit in der Bezirksklasse spielte. Schon zwei Jahre später gelang der Aufstieg in die Handball-Oberliga Niedersachsen. Das Team entwickelte sich zu einer Spitzenmannschaft und es war damals nur eine Frage der Zeit, bis das erfolgreiche Abschneiden den Aufstieg in die Regionalliga ermöglichte.
In der zehnten Oberliga-Saison wurde kurz vor Saisonende Rouska Borissova-Sotirova verpflichtet. Die 250-malige bulgarische Nationalspielerin kam genau zum richtigen Zeitpunkt zum entscheidenden Spiel gegen Eintracht Lüneburg. Und genau dieser Sieg gegen Lüneburg war der Grundstein für den Aufstieg in die Regionalliga im Jahr 1990. Dies war damals der größte Triumph für die Vereinsgeschichte des MTV Tostedt. Und damals wurden die Handballfrauen des MTV vom WOCHENBLATT als Mannschaft des Jahres gekrönt.
Erst nach dem 50. Geburtstag hat sich Marlis als Spielerin aus der Mannschaft verabschiedet.
Jugendtrainerin mit Herz und Seele
Aber ein Rückzug aus dem Handballsport ist für die noch 79-Jährige undenkbar: Sie trainiert seit Jahrzehnten Jugendmannschaften, allein vier Jahrzehnte hat sie die Minis (ab sieben Jahre) an den Handballsport herangeführt, später auch die Superminis (fünf bis sechs Jahre).
Wer in Tostedt Handball spielt, ist mit Sicherheit irgendwann einmal durch die Arme von Marlis gegangen. Mittlerweile trainiert sie die Kinder der früheren Minis - also bereits die zweite Generation. Und so sehr sie die Kinder liebt (und die Kinder sie), so sehr gibt es bei ihr Regeln: Kein Kind kommt in die Sporthalle, ohne "Hallo" zu sagen. Und die Leibchen werden bei ihr auch noch immer ordentlich zusammengelegt. Auf der anderen Seite ist es ihr genauso wichtig, dass jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit der Weihnachtsmann die kleinsten Handballer besucht und die Kinder singen ihm auch immer mindestens ein Lied.
Marlis und Rouska verbindet eine besondere Freundschaft
Mit der Verpflichtung von Rouska Borissova-Sotirova in den 1990er Jahren für die Damenmannschaft des MTV Tostedt begann zwischen den beiden auch eine dicke Freundschaft, die bis heute hält. Auch Rouska lebt in Tostedt und trainiert noch heute gemeinsam mit Marlis Kinder und Jugendliche.
Aber Marlis ist natürlich nicht nur im Handball zu Hause: Sie ist seit dem 16. Mai 1969 mit ihrem Mann Benno verheiratet, 1978 wurde ihr Sohn Timo geboren.
"Marlis hat es verdient, auf diese Weise im WOCHENBLATT geehrt zu werden", erklärt Susanne Kurze (Vorstandssprecherin) die unter anderem auch die Geschäftsstelle des MTV Tostedt leitet. "Sie prahlt nie mit dem, was sie tut, sie macht und liebt es einfach."
Redakteur:Stefanie Hansen aus Buchholz |
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