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"Kfz-Fahrer sind zu rücksichtslos"

Ärgern sich über rücksichtslose Autofahrer (v. li.): Thorsten Ritter, Tanja Gelübcke mit Lina, Abed Al Rahman Al Masri, Manuela und Tom Schellhas mit Helena und Bianca Wegner mit Darlina (Foto: bim)

Anwohner der K57 fürchten wegen des massiven B75-Ausweichverkehrs um die Sicherheit ihrer Kinder

bim. Tostedt. Die Anwohner der Lohberger Straße (K57) sind entsetzt über die Rücksichtslosigkeit mancher Autofahrer. Seit die B75 zwischen dem Ortsausgang Tostedt und dem Trelder Berg seit rund drei Wochen gesperrt ist, nutzen viele Autofahrer die K57, um von Tostedt zur B3 zu kommen. Die Anwohner schätzen, dass sich die Verkehrsbelastung durch den Ausweichverkehr verzehnfacht hat. Viele würden sich nicht an die vorgeschriebenen 30 km/h halten.
Das bestätigt sich beim Ortstermin mit dem WOCHENBLATT: In beide Richtungen schlängelt sich die Blechlawine fast ununterbrochen, und mehrere Autofahrer sind offensichtlich zu schnell. Als Radfahrer oder Fußgänger möchte man derzeit hier nicht unterwegs sein.
Werde es im Begegnungsverkehr zu eng, würden manche Kfz-Führer sogar über den einseitigen Gehweg fahren, berichten die Anlieger. "Ich habe meine sechsjährige Tochter beiseite schubsen müssen, weil ein Autofahrer auf den Gehweg ausgewichen ist", berichtet eine noch immer geschockte Bianca Wegner. "Die Kinder werden sogar angepöbelt, wenn sie keinen Platz machen." Trotz des Durchfahrtverbots würden täglich mindestens sechs bis zehn Lkw über die K57 fahren. Hinzu kommen Busse und Trecker, die die K57 zwar befahren dürfen, aber sogar in der 30-er Zone überholt würden.
"Es ist so schlimm, dass man morgens und im Feierabendverkehr nicht mehr über die Straße kommt", sagt Thorsten Ritter. "Es muss schnell etwas passieren und gewährleistet werden, dass die Kinder sicher zur Schule kommen", so Abed Al Rahman Al Masri, der für die SPD im Gemeinderat sitzt. Bereits bei der Vorstellung des ab kommendem Jahr geplanten Ausbaus der K57 hatte er einen Zebrastreifen für den Schulweg gefordert - allerdings ohne Erfolg. "Es reicht nicht, die Kinder verkehrsbewusst zu erziehen, wenn sich die Autofahrer nicht an die Verkehrsregeln halten", sagt Al Masri.
Hinzu komme die anfangs mangelhafte Beschilderung: Zu Beginn der Bauarbeiten am 13. August sei Tostedt ab dem Kreisverkehr in Sprötze noch in Richtung Kakens-torf ausgeschildert gewesen, wo die Kfz-Führer dann vor den Baken standen und wenden mussten. Und das Durchfahrtverbot für Lkw auf den Nebenstrecken wurde erst nach rund einer Woche eingerichtet.
Auch Grundschulleiter Friedhelm Wörner hatte wegen des "bedenklich hohen Verkehrsaufkommens" bereits Alarm geschlagen. Einziges Ergebnis eines Ortstermins mit Vertretern der Verkehrsbehörden der Samtgemeinde und des Landkreises sowie der Polizei sei die Sperrung eines gefährlich schmalen Bürgersteigs gewesen. Der Schulleiter appelliert an Eltern, die Zeit haben, sich zwischen 7.30 und 7.55 Uhr als Schulweg-Lotsen zu engagieren.
Die Eltern fordern während der bis November dauernden Bauarbeiten auf der B75:
• eine sofortige Geschwindigkeitsüberwachung
• eine "Anlieger frei"-Beschilderung für die Lohberger Straße und Neddernhof und entsprechende Kontrollen
• ein Parkverbot an der Tostedter Straße (K57), die ebenfalls als Schulweg dient. "Die Kinder können die Geschwindigkeit der Farzeuge nicht einschätzen und bleiben verunsichert am Straßenrand stehen", sagt eine der Mütter. Autofahrer, die an den Schlangen der parkenden Autos vorbei müssen, haben bei Gegenverkehr derzeit kaum Möglichkeiten, auszuweichen, und geben entsprechend Gas. Die Antwort des Landkreises auf die Frage, ob ein Parkverbot an der Tostedter Straße für die Dauer der Bauarbeiten eingerichtet werden kann, klingt zynisch und zeugt von wenig Kenntnis der derzeitigen Gegebenheiten.
"Ein Parkverbot auf der Tostedter Straße wäre kontraproduktiv, d.h. der berechtigte Wunsch nach verhältnismäßiger Geschwindigkeit würde durch eine freie Straße zunichte gemacht werden. Wenn links und rechts Fahrzeuge stehen, fahre ich automatisch langsamer und vorsichtiger, eine übersichtliche freie Straße verführt dagegen automatisch zum Schnellfahren. Das zur Vorsicht zwingende Straßenbild führt zur Drosselung der Geschwindigkeit und trägt damit auch zur Sicherheit der Kinder/Fußgänger auf dem Fußweg bei. Wichtig ist aber, dass sich die Fußgänger selbst ebenfalls sicher verhalten und die sicheren Überwege benutzen. Dazu gibt es sichere Querungshilfen in Form von Ampelüberwegen. Wer es zulässt, dass seine Kinder außerhalb der gesicherten Übergänge die Straße überquert und damit auch noch argumentiert, handelt mehr als nur leichtfertig." (Anm. der Red.: An der Tostedter Straße darf nur einseitig geparkt werden. Es gibt auf gesamter Länge nur eine Querungshilfe).
• Durchfahrtverbot für Lkw: "Zuständig für die Kontrolle des Durchfahrverbots von LKW über 3,5 t ist allein die Polizei, die mit hoher Priorität kontrollieren will."
• Beschilderung „Anlieger frei“: "Die offizielle Umleitungsstrecke über die Landesstraße ist gut ausgeschildert - auch schon für die von der Autobahn kommenden Verkehrsteilnehmer. Eine Beschilderung 'Anlieger frei' ist nicht möglich, weil eine Kreisstraße auch überörtlichen Verkehr aufnehmen muss."
• Geschwindigkeitsmessungen: "Geschwindigkeitsmessungen haben bereits am 15. August von 8 bis 15.43 Uhr stattgefunden. Weitere Messungen sind vorgesehen und mit hoher Priorität geplant. Insbesondere zum Schulbeginn und der wieder einsetzenden Verkehrsbelastung nach dem Urlaub ist der Wunsch nach Kontrolle im gesamten Kreisgebiet hoch." Das sagt der Landkreis