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Ponyhof-Idylle geht anders - Sauensiekerin spricht von "Mobbing": Dauerstreit mit Nachbarn wegen eines kleinen Pferdebetriebs

Nicole Hein vor dem "Corpus delicti": Ein paar Quadratmeter Vorgarten vor einem Haus in Sauensiek ist gleich doppelt eingezäunt. Die Nachbarn liegen im Streit um den Zaun. Der Ärger um die Mini-Fläche ist nur ein Teilaspekt eines seit Jahren bestehenden Konflikts.
 
Nicole Hein im leeren Stall: Die Ponys stehen jetzt in Hollenstedt (Foto: jd)
Das Leben ist kein Ponyhof: Diese Erfahrung musste Nicole Hein machen. Die Inhaberin eines Reitbetriebs befindet sich im Dauerzwist mit zwei Nachbarn. Es ging um den kleinen Pony-Reitstall, den Hein bis März in Sauensiek betrieb. Hein erhebt gegen die beiden älteren Ehepaare, die jeweils links und rechts von ihr wohnen, heftige Vorwürfe. Sie spricht von „Mobbing“ und „Psychoterror“. Mit ihren Ponys ist Hein inzwischen nach Hollenstedt umgezogen. Sie selbst will bleiben: „Ich lasse mich nicht vertreiben.“

Laut Hein hat ihren Nachbarn der Reitbetrieb nie gepasst. Wiederholt standen bei ihr Kontrolleure auf dem Hof - von den verschiedensten Ämtern und immer nach einer anonymen Anzeige. Zudem liegt sie mit einem der beiden Nachbarn im juristischen Dauerclinch. Es geht um Zäune, wuchernde Sträucher, stinkende Misthaufen, falsch parkende Autos und heimlich gemachte Fotos.

Der Ponyhof ist nun weg - der Landkreis stellte nach vier Jahren fest, dass auf dem Grundstück kein gewerblicher Reitbetrieb zulässig ist -, doch Frieden kehrte nicht ein. Das Thema Zaun sei noch nicht erledigt - und auch Heins Sträucher entlang der Grundstücksgrenze seien zu hoch, erklärt der Nachbar zur Rechten. Schreiben der Anwälte gingen hin und her. Sogar ein Ortstermin des Gerichts gab es.

Gegen den Nachbarn hat Hein jetzt Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Hein hatte ihm vor drei Jahren ein Haus- und Hofverbot ausgesprochen. Damals sorgten Fotos für Ärger: „Der Nachbar knipste die Kinder in unserem Garten und hinten auf dem Reitplatz.“ Schließlich klebte sie einen Zettel mit Stinkefinger und der Aufschrift „Stalker“ ans Fenster.

Das empört den Nachbarn: „Ich habe nur Fotos geschossen, um die unhaltbaren Zustände nebenan zu dokumentieren.“ Das 20 Meter breite Grundstück sei viel zu klein für einen Ponyhof. Vor allem Veranstaltungen wie Kindergeburtstage oder Ferienfreizeiten seien störend gewesen. „Meine Frau und ich hatten kaum noch eine ruhige Minute auf der Terrasse.“ Laut Hein gab es solche Aktionen etwa einmal im Monat, der Nachbar spricht von mehrmals wöchentlich. Die Sache eskalierte: „Er (der Nachbar) pöbelte eine Gruppe von Kindern und deren Eltern über den Zaun derart an, dass diese ihre Geburtstagsfeier bei uns abbrachen“, steht in einem Anwaltschreiben.

Ein weiterer Streitpunkt ist das Parken: „Da es bei Frau Hein so gut wie keine Parkplätze gibt, stellten die Besucher ihre Autos auf dem Grünstreifen neben der Straße ab“, so die Nachbarn. Daher sei die Sicht versperrt gewesen, wenn man mit dem Auto vom Hof auf die vielbefahrene Straße wollte. Auch dort wurden Fotos geschossen: um die gefährliche Parksituation vor Heins Grundstück zu belegen, so die Nachbarn.

Der Ponyhof ist weg. Was bleibt, ist ein zerrüttetes Nachbarschaftsverhältnis: Da leben zwei ältere Ehepaare, die ihr Umfeld so akkurat gestaltet haben möchten wie Haus und Garten - und dazwischen drängt sich eine quirlige Frau, deren Aktivitäten Unruhe mit sich bringen und bei der es vielleicht ab und an auch mal etwas turbulenter zugeht. Dennoch möchte das Ehepaar R. der Nachbarin die Hand reichen: „Wenn wir im September unser Gartenfest feiern, ist die Familie Hein herzlich eingeladen.“