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"Hier geht es um das Prinzip!" - Verbände wollen nicht auf Pauschale für beitragsfreie Flüchtlinge verzichten

Legt sich mit den Verbandsfunktionären an: Blau-Weiss-Chef Arno Reglitzky
(mum). "Öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken" - geht es nach Arno Reglitzky, dem Vorsitzenden von Blau-Weiss Buchholz (mit knapp 6.000 Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein im Landkreis Harburg), trifft dies auf die Sport-Funktionäre auf Kreis- und Landesebene zu. Reglitzky ist mächtig auf Zinne. "Zu Beginn der Flüchtlingskrise wurden wir aufgefordert, unsere Vereine für Asylsuchende zu öffnen und so zur schnellen Integration beizutragen", so Reglitzky. Ein sehr sinnvoller Appell, davon ist der Blau-Weiss-Vorsitzende nach wie vor überzeugt. Über das gemeinsame Sporterlebnis ergebe sich die Gelegenheit, Menschen anderer Kulturkreise kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, aber auch Missverständnisse und Vorurteile abzubauen sowie Verständnis und Toleranz aufzubauen. Die Verbände hätten zudem empfohlen, die Flüchtlinge beitragsfrei mittrainieren zu lassen. "Auch das finde ich richtig", so Reglitzky, der jetzt aber aus allen Wolken fiel, als der Verband auf die Zahlung der Pro-Kopf-Gebühr bestand.
Für jedes gemeldete Mitglied zahlen Vereine eine Gebühr an die Verbände. Blau-Weiss entrichtet beispielsweise im Jahr für einen Erwachsenen (ab 19 Jahre) 3,80 Euro an den Landessporttbund sowie weitere zwei Euro an den Kreissportbund - macht zusammen 5,80 Euro. Bei Jugendlichen (15 bis 18 Jahren) sind es 4,10 Euro; für Kinder 2,50 Euro. Insgesamt zahlt Blau-Weiss pro Jahr eine Verbandsabgabe in Höhe von 27.000 Euro. Eine Mitgliedschaft sei für Flüchtlinge wegen des Versicherungsschutzes notwendig, so Reglitzky, dem es nicht um die Summe geht, sondern ums Prinzip. Tatsächlich dürfte ein Großverein wie Buchholz ein paar hundert Euro verschmerzen können. Aber außer dieser Gebühr würden weitere Kosten, etwa für die Übungsleiter und Sportstätten anfallen. "Selbstverständlich sind wir alle bereit, diese Kosten in der jetzigen Situation zu tragen, doch auch die Funktionäre müssen, etwas von ihrem großen Kuchen abgeben."
Arno Reglitzky hat jetzt Almut Eutin als Vorsitzende des Kreissportbundes Harburg-Land aufgefordert, einen entsprechenden Antrag auf den Weg zu bringen. Am heutigen Samstag findet der Landessporttag in Hannover statt. "Ich werde dort mit den anderen Verbänden über die Situation diskutieren", so Eutin. Allerdings räumt sie ein, dass sie nicht Reglitzkys Meinung teilt. Im Gegenteil: "Andere Vereine würden von Flüchtlingen erwarten, den Mitgliedsbeitrag zu zahlen."
• Zumindest eine Sorge hat Reglitzky weniger. Zuletzt hatten einige Finanzämter Mahnschreiben an Vereine verschickt, weil sie Flüchtlinge kostenfrei mittrainieren lassen. Diesen Klubs drohe der Entzug der Gemeinnützigkeit, weil das Gratistraining nicht durch das Vereinsrecht gedeckt sei. Mitglieder dürfen die Leistungen eines Vereins nämlich nur dann in Anspruch nehmen, wenn sie dafür bezahlen. Doch vergangenen Donnerstag haben die Finanzminister der Länder bei einem Treffen in Berlin einstimmig beschlossen, hier eine Ausnahme zu machen.