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Buchholz-Sprötze: Aufzug zum Bahnsteig dauerhaft nur für Behinderte nutzbar

Der Schrägaufzug am Bahnhof in Sprötze wurde im vergangenen Jahr installiert
 
"Wir sind falsch beraten worden": Jürgen Steinhage, Leiter Betriebe bei der Stadt Buchholz (Foto: archiv / Stadt Buchholz)
os. Sprötze. „Schilda am Treppenaufgang“ titelte das WOCHENBLATT Anfang Oktober vergangenen Jahres. Anders als von dem Ortsrat in Sprötze gefordert und von der Stadt Buchholz versprochen, ist der Schrägaufzug am Bahnhof in Sprötze ausschließlich für Behinderte nutzbar. Das gelte leider auch für die Zukunft, erklärt Jürgen Steinhage, Leiter Betriebe in der Buchholzer Stadtverwaltung, im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. „Wir sind von der Aufzugfirma völlig falsch beraten worden. Uns trifft keine Schuld“, betont Steinhage.
Wie berichtet, wollte der Ortsrat Sprötze mit seinem Antrag erreichen, dass Behinderte, aber auch Eltern mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren und Reisende mit schweren Koffern einfacher zu den Bahnsteigen 2 und 3 kommen, an denen die meisten Metronomzüge in Richtung Bremen und Hamburg abfahren. Die Kosten in Höhe von 30.000 Euro teilten sich die Stadt Buchholz und der Ortsrat Sprötze.
Wer heute am Bahnhof Sprötze unterwegs ist, dem fällt auf, dass der Aufzug nur über einen sogenannten Euroschlüssel zu nutzen ist. Diesen besitzen Behinderte im Normalfall. Alle anderen Reisenden müssen weiter die Treppe nutzen. „Das war anders abgesprochen“, betont Steinhage, der einen detaillierten Ablaufplan des Projekts präsentiert.
• 2014 kam demnach der Ortsrat auf die Stadt zu, zunächst lediglich mit dem Wunsch nach einem behindertengerechten Aufzug. Auf eine Ausschreibung gaben drei Aufzugfirmen ein Angebot ab.
• Am 12. November 2014 besprachen Vertreter der ausgesuchten Firma, Mitglieder des Ortsrates und Steinhage das Projekt. Dabei äußerte der Ortsrat erstmals den Wunsch, den Aufzug auch anderen Nutzern zugänglich zu machen.
• Am 17. November machte die Firma ein neues Angebot, das die neuen Rahmenbedingungen berücksichtigte. „Dabei wurde auch entschieden, dass der Lift für jedermann nutzbar sein soll“, erklärt Steinhage. In dem Aufzug sollten zwei Schlüsselsysteme integriert sein, die aber erst aktiviert werden, wenn es zu Vandalismus kommen sollte.
• Am 20. November signalisierte der Ortsrat, die nun höheren Baukosten anteilig zu übernehmen.
• Am 7. Januar 2015 bat Steinhage den damaligen Ortsbürgermeister Gerd Ulrich um Stellungnahme, ob der Aufzug gebaut werden soll. Ulrich bat um Aufschub, weil der Ortsrat versuchen wolle, Sponsoren für den Neubau zu gewinnen.
• Am 3. Februar lief die Bindefrist für das Angebot aus. „Danach hatten wir bis August keine Aktivität aus der Ortschaft“, berichtet Steinhage. Das Geld für den Bau des Aufzuges wurde gleichwohl in den Haushalt 2016 eingestellt.
• Am 24. Februar 2016 bestätigte Ulrich endgültig, dass der Aufzug gebaut werden soll. Tags darauf rückversichert sich Steinhage bei der Aufzugfirma, dass der Aufzug zu den verhandelten Konditionen gebaut werden kann. Das bestätigt die Firma. Die Stadt legt in der Folgezeit Elektroleitungen und baut Geländer ab.
• August 2016: Montage des Aufzugs.
• Nach dem Bau erfährt die Stadt Anfang September 2016 erstmals, dass der bestellte Lift so nicht gebaut werden darf, weil er gegen eine EU-Norm verstoße. Nach Verhandlungen mit der Baufirma bezahlt die Stadt Buchholz einen um 30 Prozent brutto geringere Summe.
Der Aufzug soll in seiner jetzigen Form bestehen bleiben. „Wir standen vor der Entscheidung, ob wir zumindest für Behinderte den Aufzug nutzen wollen oder die Anlage komplett zurückbauen“, erklärt Steinhage. „Wir haben uns wird ersteres entschieden.“ Er räumt ein, dass das ganze Projekt suboptimal gelaufen ist. „Aber mehr als uns mehrfach rückversichern, können wir nicht tun.“
• Am Montagabend informierte Steinhage den Ortsrat Sprötze über das Aufzug-Projekt.
• Der Aufzug-Hersteller konnte sich bis Redaktionsschluss nicht zu dem Vorgang äußern, kündigte aber eine Stellungnahme für diese Woche an. Mehr zum Thema in unserer Samstags-Ausgabe.