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„Infrastruktur muss ausgebaut werden“

Christoph Diedering plädiert für eine Neuverschuldung, um in die Infrastruktur zu investieren (Foto: Helge Sauré)

WOCHENBLATT-Interview mit Christoph Diedering, Vorsitzender der Buchholzer Wirtschaftsrunde

os. Buchholz. In eineinhalb Wochen werden bei der Kommunalwahl die Weichen für die kommenden fünf Jahre gestellt. Wie soll sich Buchholz weiter entwickeln? Die Wirtschaft hat da sehr klare Vorstellungen, wie Christoph Diedering, Vorsitzender der Buchholzer Wirtschaftsrunde (in ihr haben sich rund 160 Unternehmen und Einzelpersonen zusammengschlossen), im Interview mit WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Oliver Sander verdeutlicht.
WOCHENBLATT: Wie sehen Sie die aktuelle Lage in Buchholz?
Christoph Diedering: Buchholz bietet eine sehr hohe Lebensqualität, viele junge Familien und Unternehmen wollen deshalb hierher ziehen. Dies stellt eine große Chance für Buchholz dar. Zwischen den Parteien und der Verwaltung besteht auch weitgehende Einigkeit, dass neuer Wohnraum und neue Gewerbeflächen geschaffen werden müssen, im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK, d. Red.) wurden unter Beteiligung der Bürger hierfür viele geeignete Flächen benannt.
WOCHENBLATT: Also ist alles in Butter?
Diedering: Nein, denn die Politik verlor sich in den vergangenen fünf Jahren im Klein-Klein. Bei Ideen für Wohnland- und Gewerbeflächenentwicklung sowie Infrastrukturmaßnahmen wurden für jede Maßnahme von jeder Partei isoliert entweder die Vor- oder Nachteile herausgestellt. Der Blick auf die Gesamtentwicklung von Buchholz kommt zu kurz. Eines der größten Probleme ist in meinen Augen die seit geraumer Zeit stark vernachlässigte aber für weiteres Wachstum erforderliche Infrastruktur.
WOCHENBLATT: Was fordern Sie?
Diedering: Für Buchholz fehlt eine klare Vision! Wo wollen wir hin, wie soll sich die Stadt entwickeln, wo soll sie das tun. Nur wenn man sich klar darüber ist, wieviel Bevölkerungswachstum man möchte und wo dieses stattfinden soll, kann man sinnvoll über geeignete und erforderliche Infrastrukturmaßnahmen nachdenken. Die Diskussion über den Ostring zeigt dies mehr als deutlich.
WOCHENBLATT: Inwiefern?
Diedering: Ob die geplante Lösung für eine Umgehungsstraße zu groß ist oder nicht, kann man nur sinnvoll diskutieren, wenn man weiß, wieviele Menschen die Straßen nutzen sollen. Ansonsten muss die Diskussion ins Leere gehen, wie wir in den vergangenen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, ja gesehen haben.
WOCHENBLATT: Wie sind die Vorstellungen der Wirtschafts-runde?
Diedering: Wir wünschen uns eine gemeinsam von der Verwaltung und den Parteien entwickelte Vision, die ein Bekenntnis zu einem qualitativen Wachstum enthält. Unserer Meinung nach verträgt Buchholz weiteres Wachstum bei Wohn- und Gewerbeflächen, wenn gleichzeitig erheblich in die Infrastruktur investiert wird. Die Grundlage für die Projekte ist mit dem ISEK vorhanden. Die Politik muss sich darauf verständigen, in welchem Umfang und in welcher Zeit diese Projekte umgesetzt werden sollen.
WOCHENBLATT: Wie sollen die Investitionen finanziert werden? Aus dem laufenden Haushalt wird das kaum möglich sein...
Diedering: Das ist richtig. Deshalb sind wir, auch angesichts der niedrigen Zinsen, für eine Neuverschuldung, bei der die Gelder allerdings ausschließlich für Investitionen in die Infrastruktur verwendet werden dürfen.
WOCHENBLATT: Damit setzen Sie sich dem Vorwurf aus, dass Sie auf Kosten der nachfolgenden Generationen leben...
Diedering: Ich bin davon überzeugt, dass sich jetzige Investitionen mittel- und langfristig durch deutlich höhere Steuereinnahmen auszahlen. Wenn wir diese Chancen nicht nutzen, droht Buchholz ein Stillstand der Entwicklung, welcher auf lange Sicht zu einer schrumpfenden, überalterten Bevölkerung und zu einem Rückgang der Wirtschaft führt. Die Steuereinnahmen würden sinken und nicht einmal für die laufenden Ausgaben reichen. Das kann niemand wollen.
WOCHENBLATT: Herr Diedering, vielen Dank für das Gespräch.