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Mann wird per Steckbrief des Missbrauchs eines Mädchens bezichtigt

Diese Plakate mit dem Bild, dem Namen und der Adresse des vermeintlichen Straftäters hingen am Mittwoch in Buchholz
os. Buchholz. Wer steckt dahinter? Ein Mann in Buchholz wird von Unbekannten öffentlich des sexuellen Übergriffs auf ein zwölfjähriges Mädchen bezichtigt - auf zahlreichen Plakaten, die einem Steckbrief ähneln und die überall in der Innenstadt z.B. an Schaufenstern und an Bushaltestellen aufgehängt wurden. Die Polizei hat keine Hinweise, dass tatsächlich eine Straftat vorliegt.
Am Mittwoch morgen bildeten sich hier und dort regelrechte Menschentrauben vor den DIN-A-4-Plakaten mit dem Konterfei des vermeintlichen Straftäters. "Vorsicht - dieser Mann ist ein Kinderschänder!" steht über einem Foto, das offenbar aus dem Internet heruntergeladen wurde. Genannt werden der vollständige Name, das Alter und der Wohnort des Mannes. Auf dem Plakat heißt es weiter: "Er hat meine 12jährige Tochter sexuell belästigt!" Und schließlich: "Polizei unternimmt nichts!" Will sich hier jemand auf perfide Art und Weise an einem Menschen rächen? Liegt das Motiv im privaten Bereich? Woher stammen die Wut und die kriminelle Energie, einen anderen öffentlich so an den Pranger zu stellen?
"Das ist doch eine richtig fiese Tour", sagt Polizeisprecher Michael Düker. Man habe mit dem Beschuldigten gesprochen und keinerlei Hinweise darauf, dass an dem Vorwurf etwas dran ist. Man ermittele in alle Richtungen. "Wir ermitteln mit Hochdruck, um den Urheber der Plakate zu finden", sagt Düker. Es sei bereits ein Verfahren eingeleitet worden. Der Vorwurf lautet auf "Verleumdung auf sexueller Basis".

Kommentar


Die öffentliche Verleumdung eines Mannes in Buchholz, der angeblich ein Mädchen sexuell belästigt haben soll, macht mich fassungslos. Der Urheber der Plakate weiß offenbar nicht, was er mit seinem Tun auslöst. Ich befürchte, dass diese Art der öffentlichen Hetze in Zukunft zunehmen wird. Schuld ist eine verantwortungslose Facebook-Generation und ein Internet ohne jede Regelung.
Heute darf jeder alles ungefiltert im Internet veröffentlichen. Das Nachdenken wird durch das Anschalten des Computers ersetzt, das direkte Gespräch und die Lösung eines Problems durch einen Klick auf Facebook, Twitter & Co. Die Kommunikation im "World wide web" beschleunigt sich ins Unermessliche, zeitgleich verödet die direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch.
Offenbar hatte auch der Urheber des Plakates in Buchholz nicht den Mumm, den Beschuldigten selbst mit den Vorwürfen zu konfrontieren oder sich an die Polizei zu wenden. Anonym jemanden an den Pranger stellen, das ist einfacher. Ich finde das schäbig und gefährlich!
Ob auf der Straße oder im Internet: Wenn Persönlichkeitsrechte verletzt werden, muss der Absender der Nachrichten belangt werden können. Dazu gehört auch öffentliche Verleumdung: Diese darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben - weder auf Computerbildschirmen noch auf Plakaten an Bushaltestellen! Oliver Sander