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Der Weg zum wahren Ich

Mila ist angekommen. Angekommen im richtigen Körper (Foto: bc)
bc. Stade. Ein Leben im falschen Körper. Mila Albrecht (35) kennt dieses Gefühl. Es ist ein schlimmes Gefühl. Bei der Frau aus Stade hat es zu einer schlimmen Identitätskrise geführt. „Ich bin komplett zusammengebrochen“, erinnert sie sich. Im WOCHENBLATT spricht sie über ihre komplizierte Geschichte.
Mila war früher ein Mann. Sie ist ein Transgender, also jemand, dessen körperliches Geschlecht nicht mit dem gefühlten übereinstimmte. Seit gut drei Jahren lebt Mila Vollzeit als Frau, hat die große Operation hinter sich gebracht. Die sogenannte Transition ist abgeschlossen. Und: Mila liebt Frauen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass ich irgendwann mal eine Frau heiraten werde, auch wenn ich Männer sehr gern habe“, erzählt sie.
Bis dahin wäre sie schon sehr zufrieden, ein halbwegs normales Leben führen zu können. In einer gutbürgerlichen Kleinstadt in der Provinz ein wahrhaft hehres Ziel. Mila zieht die Blicke an wie das Licht die Motten. Leider nicht nur die. „Erst vor ein paar Tagen hat mich wieder eine Gruppe Jugendlicher bepöbelt und beleidigt“, sagt sie. Mila
Albrecht bedrückt die Ablehnung - sei es im persönlichen Kontakt oder in Stammtischparolen: „Ich fühle mich von der Umwelt nicht wertgeschätzt.“
Jetzt bestünde die Möglichkeit, dass sich Mila zurückzieht oder so unauffällig wie möglich durchs Leben geht. Ihr Umgang mit der Ablehnung ist ein anderer. Sie färbt sich die Haare bunt. „Wenn ich schon die Blicke auf mich ziehe, dann setze ich auch gleich ein Ausrufezeichen. Dann sage ich mir: Jetzt erst recht. Ich bohre in der Wunde.“
Das Extrovertierte ist Teil ihrer Therapie. Mila führt einen Internet-Blog, in dem sie ihre komplizierte Lebensgeschichte öffentlich macht. In ihrer schwersten Zeit bedeutete das Internet den einzigen Kontakt zur Außenwelt. Nach der Entscheidung, als Frau leben zu wollen, brach ihr Umfeld komplett zusammen. Die Frau ließ sich scheiden, die Familie brach den Kontakt ab, genauso wie fast alle Freunde, der Betrieb ging pleite. Fast zwei Jahre war Mila krank geschrieben. Im Internet fand sie Zustimmung. „Ich gebe zu, dass ich wahrscheinlich viele Menschen mit meiner Geschichte und dem Tempo, was ich vorgelegt habe, überfordert habe“, räumt Mila ein.
In ihrem Blog verrät sie Erfolge und Misserfolge auf dem Weg zu ihrem wahren Ich. Dieser Weg ist noch lange nicht zu Ende - und wird vielleicht nie zu Ende sein. Mit der OP und den Behandlungen ist es nicht getan. Das weiß auch Mila: „Eigentlich wünsche ich mir nur, unerkannt als Frau zu leben, aber da macht mein Körper nicht mit.“
www.milas-bunte-welt.de