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Dicker Pelz im Blindflug: WOCHENBLATT-Redakteur als Plüschtier unterwegs

Majken fand das Kälbchen nett
 
Kurz vor dem Start: das Anziehen ist gar nicht so einfach
tk. Buxtehude. Noch nie bin ich in Buxtehudes Fußgängerzone fotografiert worden. "Darf ich ein Foto von Dir machen", fragen mich Kinder, Jugendliche und sogar einige Erwachsene. Bevor ich mich fühle, wie eine Mischung aus Justin Bieber und Brad Pitt, erinnern mich die gefühlten 150 Grad daran, dass die Menschen nicht mich, sondern das Buxtehuder Kälbchen ablichten wollen.
Ich stecke nämlich in dem lebensgroßen Plüschkostüm. Und ich sehe fast gar nichts. Der Kopf ist verrutscht und durch den schmalen Sehschlitz im Grinse-Maul des Kälbchens kann ich nur schemenhaft meine Umwelt wahrnehmen. "Vorsicht, da ist ein Hund", sagt Kerstin Geresser, Sprecherin der Stadtverwaltung, die mich an meiner plüschigen Riesenpfote durch die Fußgängerzone bugsiert. Blöd, dass ich ständig ihre Anweisungen zu rechts und links durcheinanderbringe.
Wie fühlt es sich an, als plüschiges Riesenvieh unterwegs zu sein? Das wollte ich wissen - und es begann desaströs: Wer hätte gedacht, dass man ein solches Kostüm auch verkehrt herum anziehen kann. Der lange Schwanz hängt vorne. Da kann etwas nicht stimmen. Ich wühle mich richtig herum in den wärmenden Pelz, ziehe die Pfoten an meine Füße und unternehme die ersten tapsigen Schritte.
"Guck mal, eine Kuh", rufen Kinder. Nur wenige Jungen und Mädchen erschrecken sich vor dem schwarz-weißen Plüschgesellen und verstecken sich hinter ihren Eltern. Wer mag, bekommt von mir eine Postkarte mit dem Buxtehuder Kälbchen, das für den Kinderbuch-Preis wirbt.
Der Kopf verrutscht und nun ist das Wenige, was ich sehe, auch noch futsch. Trete ich gleich auf den kleinen Jungen, dem ich eine Karte in die Hand gebe? "Ein Foto", ruft eine Kindergruppe und ich stelle mich brav hin und habe keine Ahnung, wer neben mir steht und wer mich fotografiert. "Darf ich Dich mal drücken", fragt ein Kindergartenkind und kuschelt mit dem Kälbchen. Irgendeine Witzfigur will am Schwanz ziehen.
"Das muss aber heiß sein", kommentiert ein Erwachsener mein Outfit. Stimmt. Der Schweiß läuft inzwischen in Strömen. Ich setze den Riesenkopf zwischendurch mal ab. Die frische Luft tut gut. Kopf auf und weitertapsen. Vor dem Rathaus will eine Gruppe Jugendlicher unbedingt ein Foto mit Kälbchen. Ich habe meinen Plüschkopf auf und eine ungeplante Karriere als Witzfigur auf Facebook bleibt mir erspart.
Brav verteile ich meine Karten, winke fürs Foto und schwitze weiter vor mich hin. Inzwischen fühle ich mich gut durchgegart. Gottseidank geht mein Kälbchen-Einsatz langsam zu Ende. Es ist unbeschreiblich gutes Gefühl, als ich mich aus dem dicken Fell pelle und durstig ein Glas Wasser trinke.
Mein tierisches Fazit: Es macht Spaß, als Kälbchen durch die Gegend zu tapsen. Mache ich gerne mal wieder - aber dann im Winter.
• Das "Buxtehuder Kälbchen" ist das Gegenstück zum Jugendliteraturpreis "Buxtehuder Bulle". Alle Kindergartenkinder aus der Stadt wählen ein Bilderbuch als bestes Buch des Jahrs aus. Kompliment an die "Kälbchen"-Macher aus der Stadtbibliothek: Fast jedes Kind und die Eltern wussten, wofür das Plüsch-Kälbchen steht.