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Interview mit Interview mit Pastor Carsten Junge: "Kritische Fragen im Konfirmandenunterricht sind natürlich erwünscht"

Pastor Carsten Junge (Foto: Junge)
 
Welche Bedeutung für den Glauben hat die Konfirmation heute? (Foto: tk)

tk. Landkreis. In den kommenden Wochen werden in den Landkreisen Harburg und Stade Hunderte Jugendliche konfirmiert. In Buxtehude-Neukloster wird Pastor Carsten Junge am morgigen Sonntag in der St. Marien-Kirche die Konfirmationspredigt halten. Das WOCHENBLATT wollte von ihm wissen, ob die Jugendlichen heute kritischer sind, Konfirmationen eher mit Tradition als mit Glauben zu tun haben.



WOCHENBLATT: Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt. Gibt es einen ähnlichen Trend bei den Konfirmationen?

Carsten Junge: Konfirmationen haben einen hohen Stellenwert für Jugendliche. Eine bundesweite Studie besagt, dass sich 90 Prozent aller evangelischen Jugendlichen konfirmieren lassen. Dort allerdings, wo die Evangelischen weniger werden, nimmt auch die Zahl der Konfirmanden ab. In Neukloster haben wir rückläufige Zahlen bei den Konfirmandenjahrgängen. Das liegt unter anderem daran, dass nicht mehr wie früher 80 Prozent eines Jahrgangs zum Konfirmandenunterricht kommt.

WOCHENBLATT: Was bedeutet die Konfirmation für die meisten Jugendlichen heute?

Junge: Die Konfirmation ist ein ganz besonderer Tag im Leben der Jugendlichen. Und es gibt viele Dinge, die diesen Tag besonders machen: die festliche Kleidung, die Gäste, die volle Kirche, die Feier im Anschluss an den Gottesdienst. Die Konfirmation ist auch der Abschluss und zugleich das Ziel des Konfirmandenunterrichtes. Ich erlebe, dass die Konfirmanden sehr aufmerksam zuhören, wenn im Konfirmationsgottesdienst in der Predigt zu ihnen gesprochen wird. Wenn sie für den Konfirmationssegen zum Altar kommen, erlebe ich sie als konzentriert. Von einigen weiß ich, dass dieser Moment für sie eine sehr große Bedeutung hat.

WOCHENBLATT: Geht es um eine Tradition oder auch um Glaubensinhalte?

Junge: Glaubensinhalte sind in der Konfirmation mit Traditionen verknüpft. Wie sehr sich Konfirmanden auf Glaubensinhalte einlassen, kann man im Einzelnen natürlich nicht sagen. Aber mein Eindruck ist, dass dieser Tag sowohl im Hinblick auf die Traditionen als auch im Hinblick auf den Glauben sehr wichtig ist. Und das will der Konfirmationsgottesdienst auch sein. Eine Stärkung des Glaubens. Das Wort Konfirmation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Bekräftigung“ und „Bestärkung“

WOCHENBLATT: Stellen Jugendliche heute im Konfirmationsunterricht andere - auch glaubenskritischere - Fragen als vor einigen Jahren?
Im Konfirmandenunterricht setzen sich Jugendliche in intensiver Weise mit

Junge: Glaubensinhalten auseinander. Für viele ist es die Zeit in ihrem Leben, in der sie sich am intensivsten mit dem Glauben beschäftigen. Sie tun das in unterschiedlicher Weise. Manche sind kritisch, andere bleiben reserviert. Vor allen Dingen erlebe ich jedoch zunehmend, dass viele, die in den Konfirmandenunterricht kommen, interessiert an den Fragen des Glaubens sind. Kritische Fragen sind im Konfirmandenunterricht natürlich erwünscht und in der Regel bereichernd. Konfirmanden sagen heute vielleicht ehrlicher als vor einigen Jahren, was sie denken. Im Hinblick auf die Jahrgänge, die vor einigen Jahren konfirmiert wurden, erlebe ich sie aber keineswegs als „glaubenskritischer“.

WOCHENBLATT: Was folgt Ihrer Erfahrung häufig nach der Konfirmation? Die Kirche "wird abgehakt" oder öfter auch ein Einstieg in das Gemeindeleben?

Junge: Ich freue mich, dass viele von unserern Konfirmanden nach der Konfirmation Teamer werden wollen. Sie haben im Unterricht und auf der Konfirmandenfreizeit erlebt, dass Teamer sich am Unterricht und an der Gestaltung des Programms beteiligen. Viele von unseren aktuellen Konfirmanden haben angekündigt, dass sie zum nächsten Mitarbeitertreffen kommen möchten und dass sie zur nächsten Konfirmandenfreizeit wieder mitfahren möchten – als Teamer. Aber natürlich gilt das nicht für alle. Unsere Gemeinde ist volkskirchlich strukturiert. Es gibt also nicht ausschließlich Menschen die der Gemeinde verbunden sind. Und so ist auch bei den Konfirmanden. In der Regel sind wir froh, wenn wir zu einem Drittel des Jahrgangs Kontakt über die Konfirmation hinaus halten können. In diesem Jahr bin ich sehr optimistisch. Wenn die Konfirmanden wahr machen, was sie angekündigt haben, dann dürfen wir mit einem noch höheren Zulauf im Mitarbeiterkreis der Evangelischen Jugend rechnen.

WOCHENBLATT: Welche zentrale Botschaft wollen Sie den Konfirmanden unbedingt mit auf den Weg geben?

Junge: Ich predige am Sonntag über offene Türen. Konfirmation ist ein wichtiger Schritt zum Erwachsenwerden. Ich möchte die Konfirmanden daran erinnern, dass Ihnen viele Türen offen stehen. Im Glauben an Jesus Christus haben wir allen Grund optimistisch in die Zukunft zu blicken, denn Jesus Christus spricht: „Ich bin die Tür. (…) Ich bin gekommen, ihnen das Leben in Fülle zu geben.“