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Jakobskreuzkraut: Giftpflanze auf dem Vormarsch

Sieht so harmlos aus, ist aber giftig: das Jakobskreuzkraut
 
Gerd Lefers, Mitglied im Umweltausschuss des Kreistages und Deichrichter, möchte Bevölkerung und Behörden für das Thema sensibilisieren
(bc). Sie sehen so harmlos aus, die gelben, ca. einen Meter hohen Pflanzen mit den exakt 13 Blütenblättern. Doch Jakobskreuzkraut ist hochgiftig und weiter auf dem Vormarsch. „Wir müssen die Verbreitung dringend in den Griff bekommen, sonst wird es teuer. Je konsequenter wir jetzt handeln, desto billiger wird die Bekämpfung“, weiß Gerd Lefers aus Jork. Der ehrenamtliche Politiker möchte in seiner Funktion als Mitglied im Umweltausschuss des Kreistages sowie als Deichrichter die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren. Auch die Behörden stehen seiner Meinung nach in der Pflicht.

Ein Problem mit vielen Facetten.

Wo wächst Jakobskreuzkraut?

„Seit einigen Jahren ist eine starke Ausbreitung auf extensivem Grünland zu beobachten“, berichtet Gerd Lefers. Speziell aber auch entlang der A26, auf der L125 zwischen Dollern und Guderhandviertel und an der K26 bei Jork. Außerdem am Lühe- und am Estedeich vor allem im unteren Bereich. „Offenbar wird der Samen durch Fahrzeuge und kaum durch Wind verbreitet“, sagt Lefers. Eine Ansicht, die auch das Bieneninstitut in Celle vertritt.

Wie giftig ist die Pflanze?

Die Pflanze produziert ein Gift, das im Körper von Menschen und Tieren zu großen Schäden führen kann. Das Gift reichert sich in der Leber an. Vor allem Pferde und Schafe sind gefährdet. Normalerweise wird die Pflanze laut Lefers von Tieren verschmäht. Als Heu oder Silo verliert sie jedoch ihre Bitterstoffe und wird gefressen: „Vier Kilogramm Heu vom Jakobskreuzkraut bedeuten für ein Pferd einen qualvollen Tod.“

Wie lässt sich das Jakobskreuzkraut bekämpfen?

Jakobskreuzkraut ist normalerweise eine zweijährige Pflanze. Sie keimt ab August, im Juni/Juli des folgenden Jahres blüht sie und stirbt ab. Lefers: „Wir müssen die Samenbildung verhindern.“ Nur mähen reiche nicht. Nach den Empfehlungen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein muss zum Ende der Vollblüte sorgfältig gemulcht werden. „Durch das Häckseln trocknet der Stängel schnell aus und der Samen kann nicht mehr reifen. Das Mähgut kann liegen bleiben“, so Lefers. Einzelpflanzen könnten auch 20 Zentimeter tief ausgestochen werden. Eine dauerhafte chemische Behandlung mit Herbiziden sei weder sinnvoll noch empfehlenswert.

Wie machen es andere Länder?

Schleswig-Holstein hat z.B. eine Verordnung zum Jakobskreuzkraut erlassen (siehe Interview): Behörden sind angewiesen, bei Meldungen durch die Bevölkerung sofort die Verbreitung zu unterbinden. Lefers: „Niedersachsen beschränkt sich bisher nur auf den Tierschutz und verbietet die Verfütterung.“ Das sei wenig hilfreich gegen die Verbreitung.

Warum kann es für den Deichverband teuer werden?

Der Deichverband 2. Meile hat laut Lefers bereits jetzt Probleme das Mähgut als Futter loszuwerden. Die Alternative wäre Kompostierung. „Das würde aber die Pflegekosten stark erhöhen“, so Lefers.


Interview zum Jakobskreuzkraut: Das sagt der Umweltmanager



Umweltmanager Dr. Aiko Huckauf von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ist Experte für das Jakobskreuzkraut (JKK). Wir fragen nach:

Warum genau breitet sich die Pflanze aus?

Heftige Schwankungen der Bestände liegen in der Natur des Jakobskreuzkrautes. Auf eine jahrzehntelange Latenzphase folgt eine rund zwei Jahrzehnte andauernde Populationsexplosion, bis die Bestände schließlich wieder zusammenbrechen. Diese zyklische Entwicklung von JKK-Massenbeständen sind seit Langem bekannt. Die bisweilen angeführten Erklärungsansätze - Zunahme der Bracheflächen Anfang der 1990er Jahre, Zunahme der Stickstoffdeposition über die Luft („Stickstoffdusche“), Zunahme der Phosphor-Sättigung im Boden durch langjährige intensive Düngung, Ansaat als Straßenbegleitgrün und den Klimawandel - beschreiben somit nicht die eigentliche Ursache der Zunahme, sondern bestenfalls zusätzlich fördernde Faktoren.

Inwieweit ist das Gift auch eine Gefahr für den Menschen?


Das JKK produziert wie alle Kreuzkräuter und auch zahlreiche andere Pflanzen sog. Pyrrolizidin-Alkaloide (PAs), um sich gegen Fressfeinde zu schützen. Gelangen diese an sich nur mindergiftigen PAs beispielsweise über Tee, Honig oder Senf in die menschliche Nahrung, können bei ihrer Verstoffwechslung reaktive Zwischenprodukte entstehen, die mit dem umliegenden Gewebe reagieren. Da der Abbau der PAs vorwiegend in der Leber stattfindet, sind chronische oder akute Schädigungen der Leber typische Folgen einer PA-Vergiftung.

Ist Schleswig-Holstein ein Vorreiter bei der Bekämpfung des JKK?


Eine Bekämpfungspflicht existiert weder auf Landes- noch auf Bundes- oder europäischer Ebene. Allerdings hat das Umweltministerium Schleswig-Holsteins 2015 den öffentlichen Liegenschaftsverwaltungen „Anregungen zum Umgang mit JKK“ gegeben, die im Wesentlichen darauf abzielen, durch geeignete Maßnahmen - Mahd oder Mulchen vor der Aussamung - eine Ausbreitung der Pflanze auf Nachbarflächen zu verhindern. Darüber hinaus wurde in der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ein JKK-Kompetenzzentrum eingerichtet, das zahlreiche Forschungsvorhaben rund um das Thema JKK plant, initiiert und koordiniert.