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WOCHENBLATT-Serie "Lost Place": Verwunschene Oase der Ruhe mitten in der Stadt

Der Friedhof an der Stader Straße in Buxtehude führt seit 45 Jahren ein Leben im Dornröschenschlaf
 

tk. Buxtehude. Mitten in der Stadt, umgeben von stark befahrenen Straßen, ist das ein Ort der Stille. Durch das dichte Blätterdach der Bäume malt die Sonne Lichtflecke auf den herbstlichen Laubteppich. Ein umgestürzter, verwitterter Grabstein wird von Efeu überrankt. Der Friedhof an der Stader Straße in Buxtehude wurde 1970 geschlossen und ist heute eine verwunschene Oase der Ruhe.



Die Geschichte dieses fast vergessenen Gottesackers ist auch ein Stück Alklosteraner Historie. Stadtarchivar Bernd Utermöhlen hat für das WOCHENBLATT einen Blick in die Akten geworfen, die ein wenig die Geschichte aufhellen. Viele Akten der Friedhofsverwaltung sind vor einigen Jahren durch einen Wasserschaden auf dem Baubetriebshof vernichtet worden.
1853 wurde der Friedhof an der Stader Straße eingerichtet. Seit 1812 hätten die Altklosteraner ihre Toten schon nicht mehr im Bereich des ehemaligen Klosterhofs bestatten dürfen. Diese Anweisung „von oben“ haben sie aber geflissentlich irgnoriert.

Bereits seit dem 16. Jahrhundert wurden Friedhöfe, die meist mitten in der Stadt lagen, verlagert. Es waren seuchenhygienische Gründe. Auszug aus einer Akte des Stadtarchivs zur Neuanlage von Friedhöfen in Buxtehude: „Die sonderliche Gefährlichkeit und Vermehrung der Peszilentz. Gifts, so von todten Körpern (...) die Luft, davon die Menschen leben müssen, ferner vergiftet“.
Bis 1853 wurde allerdings noch auf dem alten Altklosteraner Friedhof beerdigt. Was die Bürger letztendlich überzeugte, den neuen Friedhof an der Stader Straße zu nutzen, ist unbekannt.

Die Regeln für den „neuen“ Gottesacker unterschieden sich übrigens kaum von heutigen Bestimmungen: In der Friedhofsordnung von 1889 wurden „Lärmen und Steinewerfen verboten. Hunde, Schafe und Gänse oder sonstiges Vieh“ durften nicht auf den Friedhof mitgenommen werden. Einen sehr deutlichenUnterschied gibt es aber bei den Friedhofsgebühren: Für ein Reihengrab, auf 30 Jahre gepachtet, waren zwei Mark für die gesamte Nutzungsdauer fällig. Heute kostet das Nutzungsrecht für 25 Jahre auf dem Buxtehuder Waldfriedhof 703 Euro.

Nur noch wenige Grabsteine und einige beeindruckende Familien-Begräbnisstätten sidnd an der Stader Straße erhalten. Hier und da der Rest eines Zaunes.
Seit 45 Jahren, damals wurde der Waldfriedhof neu angelegt, ist dieser Gottesacker ein besonderer Ort der Stille. Vereinzelt wird noch ein Grab gepflegt. Die Natur hat diesen Ort mitten in der Stadt für sich zurückerobert.
Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. „Der Friedhof an der Stader Straße soll weiterhin eine Oase der Ruhe bleiben, sagt Susanne Oldehaver, die sich in der Stadtverwaltung um die Friedhöfe kümmert.

Eine kleine, historische Randnotiz: Als die Altklosteraner ihren Gottesacker auf dem ehemaligen Klostergelände für 1.070 Mark verkaufen wollten, sollte ein Randstreifen kostenlos an die Stadt zum Wegebau abgetreten werden. Das war im März 1894. Dagegen gab es vereinzelte Proteste: Damit werde ein Präzedenzfall geschaffen, hieß es. Die Stadt würde dann vielleicht auch andere Flächen in Altkloster für den Bau von Häusern einfordern wollen.

Wie dieser Streit ausging, ist noch in den Akten verborgen. Wer Lust hat, die Geschichte der Buxtehuder Friedhöfe gründlicher zu erforschen, findet im Stadtarchiv noch einige Unterlagen, die auf Auswertung warten.