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Auch einfache Wohnungen gehen in Buxtehude gut weg

Die beiden Wohnungen, die zwangsversteigert werden, gehen nach Expertenmeinung sehr schnell weg (Foto: tk/FDP)
 
Wolfgang Dietrich vom Mieterbund Buxtehude

Wieso der Wohnungsmarkt überhitzt ist und was das für Folgen hat, erklären zwei Experten

tk. Buxtehude. Die beiden Wohnungen, die im Amtsgericht Buxtehude zwangsversteigert werden, laufen nicht gerade unter Topimmobilien. In einem Wertgutachten wird ihnen dennoch eine gute Vermietbarkeit bescheinigt. Zu dieser Einschätzung kommt der Experte unter anderem aufgrund der "allgemeinen Situation auf dem Wohnungsmarkt". Als "völlig überhitzt" haben Buxtehudes Sozialpolitiker jüngst die Situation beschrieben und der Stadt die Erstellung eines fortlaufenden Mietspiegels verordnet. Das Land hatte bereits die Mietpreisbremse verhängt.



Für eine Dreizimmerwohnung in einem Hochhaus an der Sagekuhle Baujahr 1968 mit rund 75 Quadratmetern Wohnfläche sollen 83.000 Euro beim Zwangsversteigerungstermin hingeblättert werden. Für eine kleine Wohnung (49 Quadratmeter) an der Drosselgasse in einem Mehrfamilienhaus Baujahr 1967 sollen beim Amtsgerichtstermin 63.000 Euro aufgerufen werden. Wer sich den Wohnungsmarkt auf den Internetportalen anguckt, stellt zudem fest: Unter 500 Euro kalt für eine kleine Bleibe geht kaum etwas. Nach oben ist viel Luft und eine Vielzahl von Wohnungen überspringen die 1.000-Euro-Grenze locker.

André Grote ist Ratsherr in Buxtehude für die FDP und Immobilienmakler. Das der Markt überhitzt ist, bestätigt er. "Vor einigen Jahren bin ich fünf Mal zu einer Wohnung gefahren, bevor ich einen Mieter hatte, heute kommen zehn Leute zu einem Besichtigungstermin." Hinzu komme, dass der Markt dermaßen leergefegt sei, dass Wohnungssuchende, die sich etwas Teureres in einer guten Lage leisten könnten, immer öfter auf Wohnungen - etwa im Bereich Sagekuhle und umzu - ausweichen. Wodurch auch dort die Mieten beständig steigen.

An dieser Situation werde sich lange nichts ändern, meint Grote. Selbst dann nicht, wenn es in Buxtehude geförderten Wohnungsbau gibt. Einer der Gründe: Die Preise für Grundstücke steigen exorbitant, was Bauen immer teurer macht. Ein Beispiel: Für eine freie Fläche an der Brüningstraße wurden 230 Euro für den Quadratmeter gefordert. Ein Wohnungsbauunternehmen wollte 350 Euro bezahlen und ein Bauherr aus Hamburg hat schließlich 365 Euro hingeblättert. Für den Hamburger war das für den Bau seines Häuschen ein günstiger Preis. Die Folge ist aber, dass langfristig der Bodenpreis und damit das Bauen selbst immer teurer werden.

Wie sehr der Markt aus den Fugen geraten ist, macht Wolfgang Dietrich vom Mieterbund Buxtehude an einem krassen Beispiel deutlich: In dem Hochhaus an der Schröderstraße, das schon öfter wegen kaputter Fahrstühle oder Kakerlaken-Schädlingsbefall in die Schlagzeilen geriet, wurden schon vor drei Jahren Mieten von mehr als 8 Euro kalt pro Quadratmeter genommen. Zum Vergleich, wie der Markt aus den Fugen geraten ist, führt Dietrich ein 2009 errichtetes Haus der HBI an der Sonnentaustraße an - auch dort werden 8 Euro pro Quadratmeter kalt fällig. "Eine völlig verquere Welt", sagt er.

Die beiden Wohnungen, die jetzt versteigert werden, finden leicht einen neuen Besitzer, sind sich die beiden Experten einig. Der Wohnungsmarkt in Buxtehude ist überhitzt. Bezahlbare Wohnungen sind Mangelware. Haben Sie damit auch schon negative Erfahrungen gemacht? Wurde für Sie die Suche nach einer neuen Bleibe zum Problem?
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