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"Wir decken Kaufmotive ab": WOCHENBLATT-Interview mit EDEKA-Geschäftsführer Dr. David Strack

Dr. David Strack: "Letztlich ist Online-Bestellung nur eine erweiterte Dienstleistung" (Foto: Edeka Nord)
Es ist viel zu lesen über das Händlersterben auf der Fläche und rückläufige Kundenzahlen in den Innenstädten. Als Gründe nennen Experten u.a. den Wandel des Konsumverhaltens vor allem jüngerer Zielgruppen. Von Dr. David Strack, einem der drei Geschäftsführer der EDEKA Nord, wollte das WOCHENBLATT im Rahmen seiner Kampagne "Wir kaufen lokal" wissen, welche Weichen ein Vollsortimenter wie EDEKA on- und offline für die Zukunft stellt.

WOCHENBLATT:
Wie schätzen Sie persönlich die Zukunft des Handels ein?
Dr. David Strack: Nach dem Sprichwort "Handel ist Wandel" sind wir immer auf der Suche nach Innovationen. Über unsere neue Plattform "foodstarter" bieten wir sowohl Start-Ups als auch unseren selbstständigen Einzelhändlern eine Möglichkeit, neue Produkte auf dem Markt zu etablieren und starke Kooperationen aufzubauen. Auf durchdachte Sortimente und solche Zukunftskonzepte werden wir uns in den nächsten Jahren fokussieren, denn die Anforderungen an Qualität, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Regionalität sind deutlich gestiegen. Im Zuge der Digitalisierung wird der Handel mehr und mehr zu einem zweischneidigen Schwert. Wir begegnen diesem mit innovativen Kundenbindungsprogrammen, einem auf den Markt abgestimmten Online-Handel und frischen Marktkonzepten vor Ort. EDEKA Nord ist als traditionsreiches Unternehmen im Norden verankert und wir stellen uns auf die Neuerungen ein.

WOCHENBLATT:
"Neighbourhood statt Hollywood"!? - Wie wichtig sind lokale Kooperationen bzw. Netzwerke?
Dr. Strack: Wir kommunizieren klar, was wir dem Kunden bieten. Bei Lokalität und Regionalität sind wir viel authentischer als unsere Wettbewerber. Diesen nordischen Charakter und unseren lokalen Marktansatz werden wir noch stärker herausstellen, um unseren Kunden zu zeigen, dass wir diese Kaufmotive besser abdecken, u. a. mit unseren Eigenmarken "Unsere Heimat" und "Gutfleisch".

WOCHENBLATT:
Was können speziell große Häuser wie Edeka für den lokalen Handel tun?
Dr. Strack: EDEKA ist genossenschaftlich aufgebaut. Für unsere Verankerung im Norden haben wir rund 700 sogenannte Testimonials, nämlich unsere selbstständigen Einzelhändler. Diese stehen besonders für regionale und lokale Sortimentsvielfalt.

WOCHENBLATT:
Welche technischen Innovationen spielen für den stationären Handel eine Rolle?
Dr. Strack: Die EDEKA-interne Lösung für die waren- und betriebswirtschaftliche Steuerung im Einzelhandel "Lunar EH" bietet vielfältige Chancen für unsere Kaufleute. Zurzeit befinden wir uns in der Vorbereitung für die flächendeckende Einführung und stehen kurz vor der Umsetzung im ersten EDEKA-Markt im Norden. Dieses neue, geschlossene Warenwirtschaftssystem legt die Basis für den Einzelhandel im Zeitalter der Digitalisierung und leistet einen wertvollen Beitrag für unsere Zukunft.

WOCHENBLATT:
Gerade im Lebensmitteleinzelhandel treten ja neue Onlinedienste wie Amazon fresh und andere in den Markt ein. Wie kann der stationäre Handel dem begegnen?
Dr. Strack: Unser Vorteil gegenüber Amazon ist: Wir haben schon Lebensmittel-Kunden.
Und wir haben sowohl absatz- als auch beschaffungsmäßig eine mehr als 100-jährige Erfahrung. Letztlich ist Online-Bestellung nur eine erweiterte Dienstleistung unserer Kaufleute, die schon seit über 100 Jahren Lebensmittel auch nach Hause liefern.

WOCHENBLATT:
Wie kann man ehemalige Offlineshopper wieder in die Filiale zurückgewinnen?
Dr. Strack: Unsere Aufgabe ist nicht, E-Commerce als eigenen Vertriebskanal aufzubauen, sondern das Instrumentarium für unsere selbstständigen Kaufleute weiterzuentwickeln. Weil Food online zu bestellen für viele Kunden sehr komfortabel ist, können unsere Kaufleute unsere kontinuierlich weiterentwickelte Online-Plattform Olivia nutzen. Damit kann jeder Kaufmann dezentral und flexibel seine Sortimente online stellen. Wer sich von unseren Händlern mit Online-Handel beschäftigen will, dem rate ich, auf unsere Lösung zurückzugreifen und keine eigene zu nutzen. Wir sehen, dass die Kaufleute, die Olivia nutzen, sehr erfolgreich damit sind. Hier können wir auch Akzente setzen, um den Verbraucher für einen Marktbesuch zu gewinnen. Man muss neugierig machen. Im stationären Handel setzten wir auf den Erlebniseinkauf. Der wöchentliche Einkauf im Markt soll keine Notwendigkeit, sondern ein umfassendes Ereignis sein, damit der Kunde mit einem positiven Gefühl kommt.