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Kehdingerin floh schon vor Jahren vor der Totenstille

Ute Steenwarber (Foto: privat)

Nachdenkliches zur Party-Sperre an Silvester in Hüll

tp. Hüll. "Traurig" stimmte WOCHENBLATT-Leserin Ute Steenwarber der Artikel "Keine Party zu Silvester" über Streit um strenge Lärmvorschriften im Dorfgemeinschaftshaus des Kehdinger Dorfs Hüll zwischen dem Schützenverein und zwei geräuschempfindlichen Nachbarn. "An einem Tag, an dem zu Mitternacht viele Bürger Böller und Raketen zünden und einander ein frohes neues Jahr wünschen, muss es dort ruhig sein. Vor dieser 'Totenstille' floh ich vor rund 20 Jahren aus Hüll nach Gelsenkirchen."
Die lebendige und weltoffene Stadt im Ruhrgebiet sei ihre Wahlheimat geworden, die sie "um keinen Preis der Welt wieder verlassen möchte". Die ehemalige Kehdingerin stört sich nicht an den Lebensgeräuschen wie Kirchglocken, Stadtteilfeste und Weihnachtsmärkte. Auch ihr Arbeitsplatz sei kein Ort des Schweigens, sagt die Lehrerin an einem Berufskolleg mit 1.900 Schülern. Dort kämen von den Anwohnern keine Beschwerde.
Anders in Hüll: Der ehrenamtliche Dorfgemeinschaftshaus-Obmann Günter Andreas fühlt sich in seiner Planungsfreiheit beschnitten: Dort erlauben die Behörden - nicht zuletzt wegen des Drucks der beiden Anwohner - nur zehn laute Veranstaltungen pro Jahr.
Ute Steenwarber "tut es in der Seele weh", dass es den anderen knapp 800 Bürgern Hülls an einem Tag wie Silvester verwehrt ist, "dort ausgelassenen Abend zu verbringen." Allen Bürgern, die sich für ein lebendiges Dorfleben einsetzen, wünscht sie "das Selbstbewusstsein wie es die Menschen haben, die seit rund 180 Jahren von überall ins Ruhrgebiet kommen, und - mal laut und mal leise - zusammen leben und feiern".
Günter Andreas sagt: "Ich finde gut, das sich Frau Steenwarber mit Beispielen guten Zusammenlebens zu Wort meldet." In Hüll hätten die Bürger zu seinem Bedauern die Silvesternacht in mehreren kleinen Privatgruppen gefeiert. "Schade, dass das Fest in großer Gemeinschaft ausfallen musste - ein Bruch in der Tradition", so Andreas. Mit behutsamer Planung will er alles daran setzen, die Silvesterfeier 2017 wieder zu ermöglichen.