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Riesiges Mediengewitter zieht über Undeloh auf

Albert Homann
 
Manuela Rüther interviewte WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff zu den Ereignissen in Undeloh (Foto: mi)

Nach ausländerfeindlichen Parolen in einer Gemeinderatssitzung steht das Heidedorf in der Kritik.

(mum). „Unsere Gäste wollen hier entspannen und nicht Dunkelhäutige oder Frauen mit Kopftuch sehen!“ Wenn Undelohs Bürgermeister Albert Homann (CDU) auch nur geahnt hätte, welches Medien-Echo die Gemeinderatssitzung in der vorigen Woche auslösen würde, er hätte mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest den Versuch unternommen, derart ausländerfeindliche Aussagen zu unterbinden. Doch selbst Sätze wie „Wer schützt unsere Frauen und Kinder vor den Asylanten?“ ließ Homann zu, um Stimmung gegen die vom Landkreis geplante Einrichtung einer Asylbewerber-Unterkunft zu machen. Jetzt steht das Heidedorf im Rampenlicht - allerdings nicht im Sinne des Tourismus.
Mehr als 35.000 Mal wurde der Bericht über die Gemeinderatssitzung bereits auf der WOCHENBLATT-Homepage aufgerufen - innerhalb von nur fünf Tagen. Aufgrund der WOCHENBLATT-Berichterstattung recherchierte der NDR in Undeloh. Zudem war ein Fernseh-Team zu Gast in der Buchholzer Redaktion, um sich von Redakteur Sascha Mummenhoff die Vorkommnisse in der Sitzung schildern zu lassen. Er war als einziger Journalist vor Ort, als in Undeloh alle moralischen Dämme brachen. Der Beitrag wurde am Montagabend ausgestrahlt. Auch Radio-Sender berichteten ausführlich.
Und Tageszeitungen greifen das Thema auf. Unter anderem hat die „taz“ in ihrer Samstags-Ausgabe über die Sitzung berichtet und sich dabei auf das WOCHENBLATT bezogen.
Sowohl beim NDR- und im „taz“-Interview versuchte Bürgermeister Homann den Vorfall runter zu spielen: Zwei angetrunkene Männer seien in den Raum geplatzt und hätten die ausländerfeindlichen Sätze von sich gegeben - ohne dass er hätte reagieren können. Diese Version der Ereignisse hat wohl nur der Bürgermeister erlebt. Dies bestätigten dem NDR sogar Undeloher.
Vor allem aber in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter wird über Undeloh derzeit heiß diskutiert. Der Tenor: Die Menschen sind entsetzt über die ausländerfeindlichen Parolen.
Außer zahlreichen Leserbriefen erreichten die Redaktion viele Stellungnahmen:
Unter anderem fordert ver.di Gemeinderat und Bürgermeister auf, sich aktiv fremdenfeindlichen und rassistischen Parolen entgegenzustellen! „Wir sind zutiefst erschrocken über die geäußerten fremdenfeindlichen Parolen“, sagt Dr. Thomas Rapp, Leiter des ver.di-Bildungszentrums in Undeloh. „Statt einer konstruktiven Diskussion, die die Sorgen der Menschen hier vor Ort wirklich ernst nimmt, werden hier auf unterstem Niveau Vorurteile bedient und damit politisch verfolgte Menschen diffamiert, die ganz andere Sorgen als sinkende Grundstückspreise und ungestörte Feriengäste haben.“ Rapp weiter: „Viele Kollegen mit Migrationshintergrund, die schon einmal ein Seminar in Undeloh besucht haben, fragen, ob man überhaupt noch nach Undeloh fahren könne, nachdem sie über die Ablehnung von Dunkelhäutigen und Frauen mit Kopftuch gelesen haben“.
Der Hamburger Tourismus-Experte Heinz W. Bartels kommt laut eigener Aussagen seit Jahren mit ausländischen Besuchern nach Undeloh. Jetzt fragt er in einem offenen Brief an den Undeloher Gemeinderat: „Kann ich dies in Zukunft noch machen? Was wird passieren, wenn ich mit einer kurdischen Bekannten, die aus religiöser Überzeugung ein Kopftuch trägt, durch den Ort gehe?“
Der Flüchtlingsrat Niedersachsen äußerte sich entsetzt über die Ereignisse: „Dass Rassismus in Deutschland nicht nur auf Rechtsaußen beschränkt ist, sondern sich in der Mitte der Gesellschaft wiederfindet, hat die Gemeinde Undeloh eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

Lesen Sie hierzu auch:
Undeloh in der Kritik - Das Medienecho

oder

die Stellungnahme vom Landkreis Harburg
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